Talk im Trafo

Jubiläumsanlass in Baden: Astronaut Ulrich Walter erzählt witzige Anekdoten aus dem All

Zum 20-Jahr-Jubiläum der Talk-Reihe «Talk im Trafo» nahm Astronaut Ulrich Walter seine Zuhörer mit auf eine faszinierende Reise in die Tiefen des Universums.

Alles, was ich Ihnen heute Abend erzähle, ist die Wahrheit», versicherte Astronaut Ulrich Walter zu Beginn seines Referats. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Doch die Fakten, mit denen er seine Zuhörer konfrontierte, waren in der Tat so unglaublich, dass der Hinweis angebracht war. Über 800 Gäste waren am Samstagabend zum «Talk im Trafo» in Baden erschienen und lauschten gespannt und erstaunt Walters Ausführungen.

Auf einer Reise, die immer weiter von der Erde wegführte, überschritt das Gesagte oft die Grenze des Vorstellbaren. «Von der einen Seite unserer Milchstrasse bis zur anderen benötigt das Licht, das 300'000 Kilometer pro Sekunde zurücklegt, 100'000 Jahre.» Walter, der den Lehrstuhl für Raumfahrttechnik an der Technischen Universität München besetzt, verstand es, die Erkenntnisse der Physik so zu präsentieren, dass auch ein Laie eine ungefähre Vorstellung davon erhielt, wie klein die Erde doch ist. So präsentierte er ein Bild, das von einer Voyager-Sonde geschossen wurde. Diese war etwa auf der Höhe des Planeten Uranus und blickte auf die Erde zurück, die aus dieser Entfernung nur noch als kleiner, leuchtender Punkt im Weltall zu erkennen ist. «Wir glauben doch immer, unser Planet sei die Krönung. Fliegen Sie bloss ein paar Millionen Kilometer weit weg – in kosmischen Dimensionen ist das ein Katzensprung – und Sie sehen: wir sind gar nichts.»

Einzigartige Aussicht

Walter, der von sich selbst sagt, es sei sein Hobby, die Welt und das Universum zu verstehen, konnte auch von seinen Erfahrungen als Astronaut berichten. Er wurde 1987 ins deutsche Astronautenteam berufen und nahm 1993 an der Shuttle Mission D-2 teil. «Eine Rakete besteht aus 95 Prozent Treibstoff und 5 Prozent Kapsel, in der die Astronauten sitzen.» Beim Start würden drei Tonnen Treibstoff pro Sekunde verbrannt. «Das ist eindrücklich, es rumort und vibriert, es fühlt sich an, als würde man auf einem Vulkan sitzen.»

Ulrich Walter während seines Referats.

  

Dafür werde man aber auch belohnt, etwa mit einem unvergesslichen Blick auf unseren Planeten. «Das Bild ist zweigeteilt: Einerseits die Schönheit der blau-weissen Erde, andererseits das tiefe Schwarz, die Kälte des Universums. Aber ohne dieses Universum könnte natürlich die Welt nicht existieren.» Die beste Aussicht habe man bei einem Weltraumspaziergang, wobei das Wort irreführend sei. «Mit einem Spaziergang hat es nichts zu tun, es ist harte Arbeit.» Der Raumanzug habe einen Innendruck und sei deshalb relativ steif, dagegen müsse man ankämpfen. «Nach zwei bis drei Stunden hatte ich Muskelkater und schwitzte. Da ist man sehr froh, wenn man nach acht Stunden wieder zurück ist.»

Der Astronaut erzählte auch witzige Anekdoten aus der Geschichte der Raumfahrt. So etwa, dass die italienische Raumfahrerin Samantha Cristoforetti für ihren Aufenthalt in der internationalen Raumstation unbedingt eine Espresso-Maschine wollte. Die italienische Raumfahrtagentur versprach ihr diese, unterschätzte aber wohl den Entwicklungsaufwand. «Die Herstellung eines Kaffees in der Schwerelosigkeit funktioniert vollkommen anders», erzählte Walter. So wurde die Maschine nachgeliefert und traf erst auf der Raumstation ein, kurz bevor Cristoforetti diese wieder verlassen musste. Ihren Espresso konnte sie trotzdem erst wieder auf der Erde trinken. Das mitgelieferte Kabel war zu kurz.

Physik statt Politik

Nach dem Referat nutzten die Besucher die Gelegenheit, bei guter Verpflegung über die neuesten Erkenntnisse der Physik zu diskutieren. «Wenn man sich diese Dimensionen vorstellt, die Unendlichkeit des Universums, dann relativiert das die politischen Probleme wie etwa das Rahmenabkommen, mit denen ich sonst konfrontiert bin», sagte CVP-Nationalrätin Ruth Humbel.

Die Badener Kanzlei Binder Rechtsanwälte lud bereits zum 20. Mal zum «Talk im Trafo», am Jubiläumsanlass waren dementsprechend viele prominente Gäste anwesend. Gastgeber Andreas Binder blickte in seiner Eröffnungsrede auf die abwechslungsreichen Themen und die hochkarätigen Referenten zurück, die einen Einblick in ihr Wissensgebiet ermöglichten. So etwa der deutsche Alt-Bundespräsident Joachim Gauck, der über das Thema Freiheit sprach, oder die Kenianerin Soiya Gecaga, die den Zuhörern ihren Heimatkontinent näher brachte. Afrika war auch am Samstagabend ein Thema. Ulrich Walter erklärte, dass man den Reichtum eines Landes sehr gut anhand von Nachtaufnahmen aus dem All erkennen könne: Der Kontinent ist zwar von der Landmasse her gigantisch, ist aber im Vergleich mit Europa nur schwach erleuchtet. Auch deshalb, weil Walter nicht nur wissenschaftliche, sondern auch politische und gesellschaftliche Fragen aufwarf, war er ein würdiger Referent für den Jubiläumsanlass.

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