SP-Parteitag
Wie Bruderer Leuenberger mit ihrem Rücktritt die Show stahl

Alt Bundesrat Moritz Leuenberger hielt am Parteitag der Aargauer SP in Spreitenbach eine leidenschaftliche Rede gegen die No-Billag-Initiative. Nur Pascale Bruderer überstrahlte seinen Auftritt.

Jörg Meier
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Bruderer
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SP Parteitag Impressionen SP Parteitag Impressionen SP Parteitag in Spreitenbach
SP Parteitag Impressionen SP Parteitag Impressionen SP Parteitag in Spreitenbach
SP Parteitag Pascale Bruderer verkündet ihren Rücktritt am SP Parteitag in Spreitenbach SP Parteitag in Spreitenbach
SP Parteitag Blumen für Pascale Bruderer überreicht von Elisabeth Burgener SP Parteitag in Spreitenbach
SP Parteitag Pascale Bruderer im Interview Impressionen SP Parteitag in Spreitenbach
SP Parteitag Cédric Wermuth am SP Parteitag in Spreitenbach Impressionen SP Parteitag in Spreitenbach
SP Parteitag Alt-Bundesrat Moritz Leuenberger am SP Parteitag in Spreitenbach Impressionen SP Parteitag in Spreitenbach
SP Parteitag SP Parteitag in Spreitenbach
SP Parteitag Elisabeth Burgener am SP Parteitag in Spreitenbach Impressionen SP Parteitag in Spreitenbach
SP Parteitag Max Chopard-Acklin, SP Grosrat und Projektleiter der Umweltarena am SP Parteitag in Spreitenbach Impressionen SP Parteitag in Spreitenbach
SP Parteitag Pascale Bruderer am SP Parteitag in Spreitenbach Impressionen SP Parteitag in Spreitenbach

Bruderer

Fabio Baranzini | Baranzini Fotografie und Texte GmbH | www.baranzini.ch

Als prominenten Gast hatte die SP Aargau alt Bundesrat Moritz Leuenberger zum Parteitag in die Umweltarena nach Spreitenbach geladen. Leuenbergers Plädoyer für die SRG und gegen die No-Billag-Initiative sollte zum Höhepunkt der Versammlung werden.

Doch es kam anders. Das lag keineswegs an Moritz Leuenberger. Der machte seine Sache gut und argumentierte gewohnt anschaulich und humorvoll und mit einem rhetorischen Feuerwerk gegen die Initiative, die vielem, wofür die SP eintritt, widerspreche. «Rätoromanen rentieren halt nicht», sagte Leuenberger. Er empfahl die «undemokratische, populistische und elitäre Initiative», welche zudem die Solidarität infrage stelle, zur «wuchtigen Ablehnung». Die Delegierten sahen das ebenso; entsprechend wurde die Nein-Parole einstimmig beschlossen.

Rückzug nach 20 Jahren

Für Überraschung und auch leichte Irritation sorgte vielmehr Ständerätin Pascale Bruderer. Völlig überraschend für die meisten Anwesenden ergriff sie gegen Ende der Versammlung das Wort und erklärte den Genossinnen und Genossen, dass sie auf Ende der Legislatur 2019 ihr Amt als Ständerätin aufgeben und sich ganz aus der Politik zurückziehen wird.

Als Grund für ihren Entscheid nannte Bruderer, dass nach 20 Jahren in der Politik nun für sie die Zeit gekommen sei, um etwas Neues zu tun. Das habe nichts mit Politverdrossenheit zu tun, sondern es gebe vieles in ihrem Leben, das sie nun auch noch anpacken möchte. Es sei ein emotionaler Moment, sagte Bruderer. Sie verdanke der SP Aargau viel – das halbe Leben habe sie politisierend verbracht –, und es seien gute Jahre gewesen. Sie sei von der Partei stets unterstützt worden. «Ich musste mich nie verbiegen», sagte Bruderer. Mit einer lange andauernden Standing Ovation dankten die SPler ihrer Ständerätin.

Nein zum Stipendiengesetz

Mit grossem Engagement ging auch Grossrat Thomas Leitch zur Sache. Leitch, Mitglied der Bildungskommission, referierte zur Revision des Stipendiengesetzes. Der Aargau könne sich dieses neue Gesetz nicht leisten, sagte Leitch, es befördere den Kanton auf den letzten Platz unter allen Schweizer Kantonen. Das Gesetz benachteilige finanziell schwächere Familien, und es sei zudem fraglich, ob der Kanton die behaupteten Einsparungen tatsächlich auch erzielen könne. Denn das Gesetz führe dazu, dass sich die Studiendauer bei vielen Studierenden, die sich nicht verschulden wollen und deshalb neben dem Studium einer Arbeit nachgehen, verlängere. Auch hier folgte die Versammlung dem Referenten und beschloss nach kurzer Diskussion einstimmig die Nein-Parole.

Unklar ist, wer das Parteipräsidium nach den Rücktritten des Duos Elisabeth Burgener/Cédric Wermuth übernehmen wird. Eine Personalkommission ist an der Arbeit, am 9. Juni erfolgt die Wahl.

Die Karriere von Pascal Bruderer in Bildern:

Pascale Bruderer: ihre politische Karriere in Bildern Pascale Bruderer erzielte immer wieder glänzende Ergebnisse bei Wahlen, etwa bei ihrer Wiederwahl in den Ständerat 2015.
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 Ihre politische Karriere startete Bruderer als Einwohnerrätin in Baden. Von 1997 bis 2004 bekleidete sie dieses Amt.
 Aargauer Grossrätin war Bruderer nur ein Jahr, von 2001 bis 2002. Danach...
 ...wechselte sie als jüngste Nationalrätin ins nationale Parlament nach Bern.
 Bis im November 2011 gehörte sie der grossen Kammer an.
 Ein Höhepunkt in Bruderers politischer Karriere ist das Jahr als Nationalratspräsidentin (2010). Hier feiert sie die Wahl in ihrer Wohngemeinde Obersiggenthal.
 2011 wählten die Aargauer Stimmbürger Bruderer im ersten Wahlgang in den Ständerat. 2015 schaffte sie – ebenfalls im ersten Anlauf – die Wiederwahl.
 Bruderer wird innerhalb der SP zum sozialliberalen Flügel gezählt, genauso wie der Zürcher Ständerat Daniel Jositsch.
 Ende 2019 ist Schluss: Bruderer verabschiedet sich aus der Politik, obwohl sie immer wieder als Bundesrätin oder Aargauer Regierungsrätin gehandelt wird.

Pascale Bruderer: ihre politische Karriere in Bildern Pascale Bruderer erzielte immer wieder glänzende Ergebnisse bei Wahlen, etwa bei ihrer Wiederwahl in den Ständerat 2015.

Keystone