Laut neuster gfs.bern-Umfrage würden derzeit 49 Prozent der SVP-Familieninitiative zustimmen. Noch vor kurzem waren es 64 Prozent. Ein Endspurt lohnt sich also für Befürworter und Gegner. So kam Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf auf Einladung der GLP Aarau kurzfristig für ein Referat und Diskussion in die Kantonshauptstadt. Die Kurzfristigkeit schlug sich allerdings auch in einem mit 1:12-Podien nicht vergleichbaren, kleinen Publikumsaufmarsch nieder. Der Diskussionsteil verlief nachgerade harmonisch. Zur öffentlichen Veranstaltung eingeladen hatte die GLP auch im Namen von FDP, BDP und CVP.

«Alle haben dieselben Abzüge»

Sie wolle die verschiedenen Familienmodelle keinesfalls werten, sagte Widmer-Schlumpf einleitend. Vom abwertend gemeinten Übernamen, den manche dem SVP-Begehren gegeben haben, hält sie gar nichts. Widmer-Schlumpf: «Ich rede bewusst nicht von einer Herdprämie, das finde ich so despektierlich.» Sie kocht übrigens sehr gern. Sie machte deutlich, dass der Bund ihres Erachtens heute ein steuerrechtlich gutes Modell für die Familien anwende: «Alle haben bei der direkten Bundessteuer dieselben Abzüge für die Kinder.» Zusätzlich können berufstätige Eltern bei Fremdbetreuung ihrer Kinder effektive Abzüge geltend machen, maximal 10 100 Franken pro Jahr. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis sei gut, so Widmer-Schlumpf.

Kritik an Giesskanne

Sollte die Initiative angenommen werden, käme ein Giesskannenprinzip zur Anwendung, so Widmer-Schlumpf. Für sie ist klar: «Das zu Hause bleiben zu fördern, kann nicht im öffentlichen Interesse sein.» Sie fragte rhetorisch, was die Initiativ-Formulierung «Steuerabzüge auch für Eltern, die ihre Kinder selber betreuen» bedeute. Für sie sind das Vater und Mutter. Von den Initianten sei sie aber belehrt worden, das könnten auch Grosseltern, Tanten, Freundinnen sein. Widmer-Schlumpf: «Wo machen wir denn da die Abgrenzung?»

Ob die Initiative einen Einfluss auf die Geburten haben könnte, wurde die Bundesrätin gefragt. Das glaubt sie kaum. Sie fürchtet aber um die Bereitschaft vieler Frauen, wieder in den Beruf einzusteigen. Wenn dies und die Fremdbetreuung teurer als eine Eigenbetreuung würden, «verlieren wir viele gut ausgebildete Frauen, die der Arbeitsmarkt dringend braucht», so die Bundesrätin. Auch das will sie vermeiden.