Letzte Woche fanden die Maturfeiern der Kantonsschulen statt. Dabei haben auch IB-Schüler die Matura abgeschlossen und gleich zwei Diplome erhalten. Beim sogenannten IB-Abschluss (International Baccalaureate Diploma) handelt es sich um ein zusätzliches Diplom, das nebst der regulären Schweizer Matur angestrebt wird.

Die Möglichkeit, dieses zu absolvieren, steht aber nicht jedem Kantischüler offen. Angeboten wird der IB-Lehrgang momentan von der Neuen Kantonsschule Aarau und der Kantonsschule Wettingen. Besucht werden kann er von Schülerinnen und Schülern, die seit der zweiten Klasse den Immersionslehrgang absolvieren. Sie besuchen also nebst dem obligatorischen Fremdsprachenunterricht diverse weitere Kurse, in denen Englisch oder Französisch gesprochen und geschrieben wird.

Bildung kostet am meisten

Zusammengefasst bedeutet dies: Wer die Matura zweisprachig absolviert und zu den Besten seines Jahrganges gehört, kann ab der dritten Klasse das internationale Zusatzdiplom anstreben. Das Departement für Bildung, Kultur und Sport bezeichnet das Diplom als Zusatzqualifikation für leistungsbereite Schüler und zugleich ein Türöffner für das Studium an ausländischen Universitäten oder Hochschulen.

Für den GLP-Grossrat Sander Mallien ist der Lehrgang an den Kantonsschulen eher ein Marketinginstrument. «Ich habe das Gefühl, dass heutzutage jeder studiert, was er möchte. Es werden diverse neue Fächer und Möglichkeiten geschaffen, ohne dass man dabei auf die Bedürfnisse der Wirtschaft eingeht.» Man dürfe nicht vergessen, dass die Bildungskosten vor denen für die Gesundheit den grössten Posten im kantonalen Budget ausmachten.

Keine präzisen Antworten

Aufgefallen sei ihm das von der Kantonsschule angebotene Diplom im Rahmen des Sparprogrammes. Dabei sei man viele Posten durchgegangen, zu denen man Erklärungen erhalten habe. Zum Internationalen Diplom habe ihm das Bildungsdepartement jedoch keine präzisen Antworten liefern können. Darum wendet er sich mit einer Interpellation an den Regierungsrat.

Darin möchte Mallien unter anderem wissen, wie viele der IB-Abgänger tatsächlich ein Studium im Ausland antreten und ob bei diesen Studiengängen das Internatio-nale Diplom überhaupt vonnöten sei. «Ich weiss von einigen in meinem Bekanntenkreis, die an einer ausländischen Universität studieren, ohne dass sie ein Internationales Diplom haben.» Ausserdem störe ihn, dass die beiden Kantonsschulen «wissenschaftliches Arbeiten» auf Englisch als Sondernutzen des Diplomes hervorheben. Diese Aussage sei befremdend, da sie insinuiere, dass den «normalen» Maturanden diese Fertigkeit nicht beigebracht würde.

Kosten-Nutzen-Vergleich

«Ich schätze es sehr, dass es eine Begabten-Förderung gibt, man müsste diese aber meiner Meinung nach in allen Kantonsschulen anbieten, nicht nur in Wettingen und Aarau», hält Mallien fest. Am Ende stelle sich ihm die Frage, ob das IB-Diplom im Kosten-Nutzen-Vergleich überhaupt vonnöten sei, oder ob es sein könne, dass mit der forcierten Anhebung der Maturitätsquote das durchschnittliche Niveau der Mittelschüler gesunken sei.

Ihm sei auch bewusst, dass der Aargau im nationalen Vergleich eine tiefe Maturitäts-Quote habe. Trotzdem möchte er wissen, wie der Regierungsrat das IB-Diplom rechtfertige, wenn keine Möglichkeit zur «Erfolgskontrolle» bestehe. «Wir gehen im Moment in unserem Bildungssystem einen zweifelhaften Weg. Wir haben zu wenig Lernende und im Gegenzug viele Akademiker ohne Job.»