Polizeiaktion

Wettinger Arzt wehrt sich gegen Unterbringung in der Psychiatrie – Markus Dieth widerspricht «Weltwoche»-Vorwurf

«Ich wünsche uns allen einen aufkla(e)renden Tag!»: So präsentiert sich der festgenommene Arzt am Dienstag auf Twitter.

«Ich wünsche uns allen einen aufkla(e)renden Tag!»: So präsentiert sich der festgenommene Arzt am Dienstag auf Twitter.

Landammann Markus Dieth widerspricht der Darstellung der «Weltwoche», er habe einen umstrittenen Mediziner verhaften lassen. Dieser wurde am Wochenende von der Sondereinheit «Argus» wegen Drohungen gegen Behörden festgenommen. Nun wehrt sich der Arzt gegen die fürsorgerische Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie-Abteilung in Königsfelden.

Am späten Karsamstagabend hat die Kantonspolizei in Wettingen einen 58-jährigen Arzt festgenommen. Laut der Mitteilung der Polizei hatte der Arzt, der sich in den sozialen Medien kritisch zu Coronamassnahmen von Bund und Kantonen geäussert hatte, «Drohungen gegen Angehörige und Behörden» verbreitet. Und es bestand der Verdacht, dass der «mutmasslich psychisch labile Mann» bewaffnet sein könnte. Der Arzt wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen – von dort meldet er sich am Ostermontag auf Twitter: «Man konnte mir heute bei der endlich erfolgten Einvernahme keine ‹Drohung› von mir zeigen.»

Alex Dutler, Sprecher der Aargauer Staatsanwaltschaft, hält auf Anfrage fest, gegen den Mann laufe ein Verfahren wegen Drohung. Zum Aussageverhalten des Mannes äussert sich der Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht. Dieser wurde durch die Polizei befragt und ärztlich untersucht. Die Ärzte kamen zum Schluss, dass er nicht haftfähig wäre. Daher wurde bei ihm eine fürsorgerische Unterbringung angeordnet. Dies ist laut Dutler üblich, wenn davon ausgegangen werden muss, dass jemand eine Gefahr für sich selber oder Dritte darstellen könnte.

Arzt wehrt sich gegen Unterbringung in der Psychiatrie

Dutler sagte am Mittwoch: «Die fürsorgerische Unterbringung kann gerichtlich angefochten werden, bisher hat der Beschuldigte dies aber nicht getan.» Inzwischen hat sich dies geändert, der Arzt hat eine Beschwerde eingereicht - auf Facebook schreibt er am Donnerstag: «Heute soll das Verwaltungsgericht entscheiden über die Aufhebung der fürsorgerischen Unterbringung.»

Derzeit sitzt der Arzt noch in der geschlossenen Abteilung der Psychiatrie in Königsfelden. Über eine mögliche Aufhebung der fürsorgerischen Unterbringung aus medizinischen Gründen würden die Ärzte entscheiden. «Die Staatsanwaltschaft würde über diesen Entscheid informiert und hätte die Gelegenheit, ihrerseits Haft zu beantragen», erklärt Alex Dutler.

Aargauer Arzt nach massiven Drohungen verhaftet

Aargauer Arzt nach massiven Drohungen verhaftet (Tele M1-Beitrag vom 12. April)

Mit einem Grossaufgebot rückte die Polizei am Samstag nach Baden und Wettingen aus. Ein 58-jähriger Arzt bedrohte Angehörige und Behörden und wurde verhaftet.

Auftrag zur Polizeiaktion von Markus Dieth?

Am Mittwochabend publizierte die «Weltwoche» online einen Artikel mit neuen Details zum Fall. Demnach soll Landammann Markus Dieth die Verhaftung des Arztes veranlasst haben. Dieth habe am Samstag die Meldung bekommen, der Mann sei bewaffnet und verbreite Drohungen in sozialen Medien. Laut der «Weltwoche» fackelte der Landammann nicht lange und «alarmierte den Aargauer Polizeikommandanten Michael Leupold», der die Wohnung und die Praxis des Arztes «von der Argus-Truppe stürmen liess».

Dieth sagt auf Anfrage, die Darstellung der «Weltwoche» sei falsch. Er habe die Verhaftung keineswegs selber veranlasst. In seiner Funktion als Landammann habe er von einer Drittperson eine ernstzunehmende Meldung auf Selbst- oder Drittgefährdung erhalten. «Dies veranlasste mich, die Strafverfolgungsbehörden zu kontaktieren und ihnen die Telefonnummer des Informanten mitzuteilen, damit sie sich selber ein Bild über diese Meldung machen können.» Damit habe er seine Meldepflicht erfüllt, die besage, dass Mitarbeiter des Kantons Verbrechen und schwere Vergehen, von denen sie in ihrer amtlichen Stellung Kenntnis erhalten, den Strafverfolgungsbehörden melden müssten.

Die Staatsanwaltschaft äussert sich nicht dazu, wer den Hinweis gab. Sprecher Dutler sagt: «Die Behörden erhielten den Hinweis, dass der Mann im Besitz einer Waffe sei – zusammen mit seinen auffälligen Äusserungen auf Social Media, die sich als Drohungen interpretieren lassen, waren für die Staatsanwaltschaft damit die Voraussetzungen gegeben, den Mann festnehmen zu lassen.» Der Arzt schrieb unter anderem auf der Plattform «Vimentis», wo sich sonst Politiker präsentieren, von einem «Covid-19-Putsch». Dort findet sich unter anderem dieser Aufruf: «Armee, Polizei, Feuerwehr, schaut sofort wie es Euren Regierungen und den Anstalten der Massenmedien geht und sonst, liebe Bürger, raus, Waffe laden und helfen wir Ihnen!»

«Haltung zu Corona hatte keinen Einfluss»

Es sei darum gegangen, eine potenzielle Eskalation zu verhindern, deshalb sei die Sondereinheit Argus der Kantonspolizei zum Einsatz gekommen, sagt Alex Dutler. Bei der Hausdurchsuchung in der Wohnung und der Praxis des Arztes wurde dann tatsächlich eine Ordonnanzpistole sichergestellt. Zur Frage, ob der Arzt auch Munition für diese Pistole zu Hause hatte, äussert sich Dutler nicht.

In den sozialen Medien solidarisieren sich diverse Leute mit dem Arzt und kritisieren, die Aargauer Behörden hätten ihn wegen seiner kritischen Haltung zu Coronamassnahmen weggesperrt. «Das ist falsch, die kritische Haltung des Beschuldigten zu den Coronamassnahmen des Bundes hatte keinen Einfluss auf den Entscheid der Staatsanwaltschaft, den Mann festnehmen zu lassen», betont Dutler.

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