Unwetter im Aargau
Wetter-Profi Wick warnt: «Nächste Woche kann es kräftige Gewitter geben»

Im "Talk Täglich" diskutieren drei Experten das Unwetter in der Region Zofingen. Der Feuerwehrkommandant verrät, wie viel er seit Samstag geschlafen hat, der Versicherungsexperte gibt Tipps, wie man sein Eigenheim vor Unwettern schützt – und der Wetter-Profi sagt für nächste Woche bereits die nächsten groben Gewitter voraus.

Drucken
Teilen

Plötzlich kannte sie der ganze Kanton Aargau. Das Unwetter vom Wochenende hat die Namen zweier Männer in die Schlagzeilen gespült, und beide heissen sie Peter: Peter Ruch, Feuerwehrkommandant in Zofingen, und Peter Schiller, Abteilungsleiter bei der Aargauischen Gebäudeversicherung (AGV). In der Sendung "Talk Täglich" auf "Tele M1" analysierten sie die Wetterkatastrophe, die insbesondere die Region Zofingen heimgesucht hat, zusammen mit einem dritten Peter, Meteonews-Chef Peter Wick.

Idealer Nährboden für Gewitter

Ebendieser Wick wartete mit einer unbequemen Prognose auf. Auf die Frage von Moderator Rolf Cavalli, ob weitere Unwetter anstünden, sagte der Meteorologe: "Es kann nächste Woche kräftige Gewitter geben." Wo, sei noch nicht klar. Es werde sehr warm und tüppig – ein idealer Nährboden für Gewitter. Dieselbe Konstellation hat auch zu den verheerenden Niederschlägen am vergangenen Wochenende geführt.

Feuerwehrkommandant Ruch war am Samstag gerade dabei, den Rasen in seinem Garten zu wässern, als sich das Monstergewitter über dem Westaargau zusammenbraute. Als es zu regnen begann, habe er aufgehört und sei vorsorglich ins Feuerwehrmagazin gegangen, erzählte Ruch. Sein Instinkt täuschte ihn nicht: Wenig später stürzten Wassermassen vom Himmel, die Meteorologe Wick als die grössten seit Menschengedenken bezeichnete, die in der Region in solch kurzer Zeit runtergekommen sind.

Wie viel Arbeit die Fluten der Feuerwehr bescherten, zeigt sich an der Anzahl Stunden, die Ruch seit Samstag geschlafen hat: insgesamt 5,5 Stunden – 2,5 von Sonntag auf Montag und 3 von Montag auf Dienstag.

Teures Nachspiel

Einen Haufen Mehrarbeit muss auch die Aargauische Gebäudeversicherung leisten. Über 3000 Schadensmeldungen sind bis Dienstagabend eingegangen.Und es werden laufend noch mehr. Das sei Rekord, sagt Versicherungsexperte Schiller. Für einige der betroffenen Hausbesitzer könnte das Unwetter ein teures Nachspiel haben, denn die obligatorische Versicherung deckt nicht alle Schäden ab. Schiller empfiehlt deshalb Hausbesitzern den Abschluss einer freiwilligen Gebäudewasserversicherung, um sicher zu gehen. Er sagt aber auch: "Nicht jedes mögliche Szenario ist absicherbar."

Als präventive Massnahme empfiehlt Schiller Haus- und Wohnungsbesitzern auch, einen Blick auf die Gefahrenkarte Hochwasser des Kantons zu werfen. Stehe das Eigentum in einer gefährdeten Zone, könne die AGV helfen, geeignete Schutzmassnahmen zu planen.

Nicht nur Klimawandel schuld

Einig waren sich die Gesprächsgäste darin, dass Naturkatastrophen ihnen seit einigen Jahren mehr Aufwand bescheren. Die Feuerwehr verzeichnet laut Ruch mehr Arbeit, die AGV gemäss Schiller eine höhere Schadenssumme. Ist der Klimawandel schuld an den zunehmenden Unwettern? Meteorologe Wick differenziert: Es gebe mehr Unwetter und der Anstieg der Temperaturen sei eine Tatsache, US-Präsident Donald Trump könne noch so häufig das Gegenteil behaupten. Unwetter wie am Wochenende könne es aber auch ohne Klimawandel geben, "dann vielleicht nur eines pro Jahrhundert anstatt zwei", sagte Wick.

Die höheren Schäden führt er auch auf andere Phänomene zurück, für die der Mensch verantwortlich ist: Zersiedelung, mehr betonierter Boden, dichter gebaute Siedlungen, mehr Menschen auf gleicher Fläche. So könne das Wasser nicht schnell genug abfliessen.

Der Hagel verschlimmerte die Ereignisse am Wochenende laut Wick zusätzlich. Er habe viel Laub heruntergeschlagen und die Abflüsse verstopft.

Wick: Bevölkerung wird zu oft gewarnt

Feuerwehrkommandant Ruch ist überzeugt, dass eine frühere Warnung am Wochenende nicht viel gebracht hätte. Wick ist sogar der Meinung, die Bevölkerung werde zu häufig vor Unwettern gewarnt. Das habe vor fünf bis zehn Jahren begonnen. "Auch heute gibt es fast zu viele Warnungen." Darum nähmen die Leute gewisse Warnungen gar nicht mehr ernst. Sein Rezept dagegen: Weniger Warnungen, aber auch eine gute Zusammenarbeit von Medien und Wetterdiensten. Meteonews lerne auch immer aus Grossereignissen wie in der Region Zofingen.

Für Ruch haben die Unwetter auch persönliche Konsequenzen, wie er sagt: "Vermutlich muss ich meine Ferien um eine Woche verschieben." (mwa)

Aktuelle Nachrichten