Beatrice Staubli kennt ihre TCS-Familie. Die Präsidentin der Untersektion Aarau weiss, dass die Generalversammlung äusserst beliebt ist. Sie ist so beliebt, dass viele TCSler sich bereits 90 Minuten vor Beginn einfinden und geduldig vor der Aula des Bildungszentrums in Unterentfelden warten.

Damit die geduldig Wartenden sich nicht allzu sehr langweilen, hat die Präsidentin im Foyer der Aula ein Patrouillenfahrzeug des TCS platzieren lassen, samt zwei Patrouilleuren, die freundlich Auskunft geben.

Eine ziemlich grosse Familie

2014 haben die zwölf aargauischen TCS-Patrouilleure rund 15 000-mal Pannenhilfe geleistet. Das heisst, dass jedes der 120 000 Mitglieder im Durchschnitt nur alle acht Jahre einmal den TCS-Pannendienst braucht.

Aber darum geht es gar nicht. Es tut einfach gut zu wissen, dass dank dem TCS auch der automobilistische Notfall bereits vorbereitet ist. Das gibt doch etwas Sicherheit in dieser komplizierten Welt.

Der TCS ist der grösste und mächtigste Verein im Kanton. Nahezu jede fünfte Person im Aargau trägt oder fährt das gelbe TCS-Kärtchen mit sich herum. Weil der TCS Aargau so gross geworden ist, hat er sich im Laufe der Zeit in acht regionale Untersektionen aufgeteilt. Eine davon ist die US Aarau mit 13 600 Mitgliedern – oder eben «Familienangehörigen», wie es im TCS-Jargon heisst. In allen Sektionen ist die Generalversammlung immer gut besucht, stark ritualisiert und wird vorwiegend von TCSlern besucht, die schon ziemlich lange Auto fahren. Und: Essen und Unterhaltung sind gratis. Die Getränke müssen bezahlt werden.

Den fröhlichen Abend verdanken die Mitglieder der Untersektion Aarau letztlich jenen 205 Velobegeisterten, die 1896 in Genf den TCS gründeten, um den Fahrradtourismus zu fördern. Im Clubleben der heutigen US Aarau spielt das Velo nur eine kleine Rolle: Die jährliche Velotour ist allerdings sehr beliebt.

Der offizielle Teil

Der statutarische Teil ist rasch abgehakt. Es gibt keine einzige Wortmeldung aus dem Saal. Wozu auch? Es läuft alles bestens. Die Mitgliederzahl ist zwar leicht rückläufig; aber das ist noch lange kein Grund zur Beunruhigung. Die Finanzen stimmen, die Anlässe waren gut besucht, lustig und informativ. Unvergesslich bleibt der Besuch bei «Aeschbacher» — der kam so gut an, dass er gleich doppelt durchgeführt werden musste. Der TCS tut auch im Bereich Verkehrssicherheit den Nicht- und Noch-nicht-Mitgliedern viel Gutes. Er verschenkte im vergangenen Jahr 11 940 Leucht-Dreiecke an die Kindergärtler im Aargau und 6840 Leuchtwesten den 1.-Klässlern.

Gefeiert wird auch ein kleines Jubiläum. Die Untersektion Aarau gibt es seit 55 Jahren. Der erste Picknickausflug führte anno 1960 ins Eigental. 500 TCSler mit fast ebenso vielen Autos reisten an. Es gab Suppe mit Spatz, es wurde gesungen und gespielt.

Zum Schluss des offiziellen Teils ergreift Thierry Burkart, Präsident des TCS Aargau, das Wort. Von der Grippe geschwächt, erklärt er kurz und prägnant, warum der Aargau eine durchgehend sechsspurige Autobahn braucht und die Schweiz die zweite Gotthardröhre. Wer im Saal sitzt, dem wird rasch klar: Es müsste ja schon dumm laufen, wenn der TCS-Präsident nicht schon bald im Nationalrat sässe.

Der gemütliche Teil

Und schon beginnt der gemütliche Teil. Melone mit Rohschinken. Kalbsgeschnetzeltes, Saisongemüse und Spätzli. Zum Dessert ein Zitronensorbet. Dann spielen die unvergleichlichen «Swiss Boys» zum Tanz auf. Sie tun das jedes Jahr an der GV. Je länger der Abend dauert, desto klarer erkennt der Aussenstehende: Diese TCSler sind auch leidenschaftliche Tänzer; den «Swiss Boys» sei Dank!

Und derweil im Saal fröhlich Polka und anderes getanzt wird, steht im Foyer draussen noch immer der gelbe TCS-Pannen-Chevrolet mit den beiden Patrouilleuren, die allfällige Fragen gerne und kompetent beantworten täten.