Was war das für eine Ausnahme?

Werner De Schepper: Als ich vom Velo fiel und mir das Schlüsselbein brach, konnte ich die Sendung einmal nicht moderieren. Da übernahm Jürgen Sahli (Chefredaktor von Radio Argovia, Anm. d. Red.).

Wie fühlen Sie sich kurz vor dem letzten «Duell Aktuell»?

Es ist natürlich nicht wie beim ersten Mal. Damals kannte ich viele Abläufe nicht, es gab einige Pannen. Doch jetzt habe ich den Ablauf der knapp 20-minütigen Sendung drin. Ein wenig nervös bin ich aber schon. Ich denke, ein bisschen Lampenfieber gehört vor jeder Sendung dazu. Das Kribbeln fehlte bei mir ein- oder zweimal. Diese Sendungen gingen dann in die Hose.

Haben Sie ein spezielles Prozedere vor der Sendung?

Ich laufe vor jeder Sendung immer noch kurz um den Block und überlege mir, um was es beim Thema wirklich geht. Ich brauche eher den Adrenalinkick, anstatt mich runterzufahren. Ich mache mich selber heiss für die Sendung.

Warum war «Duell Aktuell» Ihrer Meinung nach so erfolgreich?

Die politischen Persönlichkeiten im Aargau und Solothurn waren geeignet für das Format, bei dem zwei Standpunkte – pro und kontra – aufeinanderprallten. Für Philipp Müller, Ulrich Giezendanner, Cédric Wermuth oder Geri Müller ist das ein dankbares Format, da diese Politiker eine klare Meinung vertreten und für eine lebendige Diskussion sorgen können.

Interview mit Werner de Schepper zur letzten Sendung Duell aktuell

Werner de Schepper im Gespräch

War mit diesem Erfolg zu rechnen, als Sie begonnen haben?

Nein, das habe ich niemals gedacht. Ich dachte, das laufe etwa ein Jahr. Doch es ging immer weiter, bis jetzt, da Tele M1, Tele Züri und Tele Bärn neu eine Senderfamilie bilden. Dafür gibt es nun andere Möglichkeiten.

Was war zu Beginn Ihre Vorstellung von der Sendung?

Das Hauptziel war, Köpfe und Stimmen von Politikern aus der Region – eingeklemmt zwischen Zürich und Bern – zu Wort kommen zu lassen. Das ist teilweise gelungen. Ein Max Chopard ist beispielsweise im «Duell Aktuell» sehr gut angekommen, wird national aber viel seltener zur Kenntnis genommen. Wir hatten aber auch Solothurner Politiker wie Christian Wanner oder Pirmin Bischof, welche die Diskussion bereicherten.

Wie sind Sie mit der Entwicklung der Sendung zufrieden?

Sie ist sicher politischer geworden. Denn am Anfang hatten wir auch andere Themen. Doch «Duell Aktuell» hat sich mit den Ständerats- und Nationalratswahlen im letzten Jahr endgültig in den Köpfen als wichtiges politisches Meinungsforum etabliert. Dabei machten auch die kleinsten Parteien an den Duellen mit und das Publikum konnte abstimmen, wer weiterdebattieren darf. Das gab eine tolle Eigendynamik. Die Sendung wurde sehr populär.

Wie haben Sie sich entwickelt?

Ich habe ein wenig an Gewicht zugelegt (lacht). Ernsthaft: Ich habe am Ende die Gäste mehr ausreden lassen, weil ich merkte, dass dies von den Zuschauern eher geschätzt wird. Am Anfang dachte ich noch, je verrückter und wilder eine Sendung ist, desto besser. Aber das ist fast nicht zum Zuhören.

Wie sagen Sie dazu, dass «Duell Aktuell» abgesetzt wird?

Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge. Zum einen weint es, weil die Sendung doch einen gewissen Kultcharakter hatte. Egal, wo ich hinkomme, werde ich darauf angesprochen. Das freut mich sehr. Zum anderen lacht ein Auge. Jede Woche «Duell Aktuell» mit zwei Gästen zu produzieren, war ein riesiger Aufwand. Am Wochenende telefonierte ich die ganze Zeit rum.

Was werden Sie an dieser Sendung am meisten vermissen?

Wahnsinnig schön fand ich die Szenen vor und nach den Sendungen zwischen den völlig verschiedenen Gästen. Ein Beispiel: SP-Präsident Christian Levrat und SVP-Präsident Toni Brunner hatten in der Sendung eine klare Links-rechts-Debatte. Danach wollten sie zusammen etwas trinken gehen und sagten zu mir: «Fahr uns doch nach Olten, dort gehen wir ins Restaurant Flügelrad.» Da tranken wir um vier Uhr nachmittags drei Bier und assen eine Suppe. Solche Erlebnisse waren sehr schön.

Wie war die schlimmste Sendung?

Es gab zwei oder drei Sendungen, die legendär waren. Einmal machten wir ein «Duell Aktuell» und es wurde kein Ton aufgenommen. Wir dachten zuerst, es sei ein Witz, als die Techniker uns das sagten. Dann mussten wir die ganze Sendung nochmals drehen. Da war beim zweiten Mal die Luft raus. Oder es gab eine Sendung mit Christoph Blocher, da waren wir am Anfang thematisch nicht zufrieden, wir kamen nicht auf den Punkt. Also begannen wir von vorne und waren direkter. Dann machte Blocher viele Handbewegungen und das beeinträchtigte das Mikrofon. So machten wir eine dritte Aufnahme. Es war jedes Mal eine völlig andere Sendung und am Schluss waren wir alle ausgelaugt, aber wir hatten eine gute Arbeit abgeliefert.

Worüber sind Sie enttäuscht?

Ich war enttäuscht, wenn die Gäste ihre Argumente erst auf den Tisch legten, wenn die Sendung bereits vorbei war. Das gab es beispielsweise in einer Debatte zwischen der reformierten Landeskirche und einem Freikirchler. Während der Sendung war das sehr ausgewogen, und kaum war die Sendung zu Ende, gaben sich die beiden aufs Dach. Da wollte ich die Sendung nochmals machen. Die Beteiligten wollten das aber nicht.

Was sollen die Zuschauer von Ihnen in Erinnerung behalten?

Mein journalistischer Anspruch war, dass ich mich getraute, jede Frage zu stellen. Es gab keine Tabus. Das schätzten auch die Zuschauer.