Wahlen 2019
Wermuths Ständerats-Kandidatur: «Er ist bereit, die Extra-Meile zu gehen»

Eine klare Mehrheit der SP-Basis stimmte für den Kandidaten, der polarisiert und mobilisiert. Weniger als 30 Minuten nach seiner Nomination verschickte Cédric Wermuth die erste Mail an mögliche Unterstützer.

Fabian Hägler
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Ständeratskandidat Cédric Wermuth umarmt Barbara Kunz-Egloff, die Präsidentin der SP Bezirk Zofingen, die ihn zuhanden der Kantonalpartei nominiert hat.

Ständeratskandidat Cédric Wermuth umarmt Barbara Kunz-Egloff, die Präsidentin der SP Bezirk Zofingen, die ihn zuhanden der Kantonalpartei nominiert hat.

Foto: Claudio Thoma / Aargauer Z

Es ist 22.26 Uhr am Mittwochabend, als SP-Präsidentin Gabriela Suter das Resultat verkündet: «Stimmen haben erhalten: Yvonne Feri 47, Cédric Wermuth 105 ... gewählt ist Cédric ...», dann brandet Applaus auf im Bullingerhaus in Aarau, wo die Aargauer Sozialdemokraten ihren Parteitag durchführen.

Es ist 22.54 am Mittwochabend, als das Mail von Cédric Wermuth eintrifft: «Liebe Freundinnen und Freunde, Liebe Bekannte, Liebe Unterstützerinnen und Unterstützer. Ihr sollt es als erste erfahren: Vor ein paar Minuten hat mich die SP Aargau am ausserordentlichen Parteitag zu ihrem Kandidaten für die Ständeratswahlen im nächsten Jahr nominiert», schreibt der Nationalrat.

Für die SP anzutreten sei eine grosse Ehre für ihn – und eine grosse Verantwortung. «Die Verantwortung, unsere gemeinsamen Ideale würdig zu vertreten und alles zu geben, damit dieser Sitz bei der Linken bleibt.»

Eindrücke vom Parteitag:

«Alles geben»: Der letzte Satz ist Programm bei Cédric Wermuth. Weniger als 30 Minuten nach seiner Nomination wirbt er schon per Mail um Unterstützung für seinen Wahlkampf. «Bist du dabei, unserer Wahlkampagne mit dem Motto ‹für Menschen statt Profite› zum Durchbruch zu verhelfen?», fragt er. Wer auf «Ja, ich kann dich unterstützen!» klickt, landet auf einem Formular, wo man dem Wahlkomitee des 32-Jährigen beitreten kann.

Die SP hat Cédric Wermuth mit 105 zu 47 Stimmen als Ständeratskandidat nominiert.
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«Die SP hat eine historische Chance, nach den Siegen bei den Grossrats- und Einwohnerratswahlen, auch im Ständerat erfolgreich zu sein», sagte Wermuth nach der Verkündung der Resultate.
Ansprache von Yvonne Feri nach der Niederlage. "Feiert heute Cédric", ruft sie die Genossinnen und Genossen auf.
Nationalrat Cédric Wermuth soll für die Aargauer SP den freiwerdenden Sitz im Ständerat verteidigen. Er setzte sich am Parteitag gegen Nationalrätin Yvonne Feri durch.
Neben der Nomination fassten die Delegierten auch Parolen zu drei nationalen und zwei kantonalen Vorlagen.
Yvonne Feri nach der Entscheidung.

Die SP hat Cédric Wermuth mit 105 zu 47 Stimmen als Ständeratskandidat nominiert.

Claudio Thoma

«Alles geben»: Das sei ein Markenzeichen von Wermuth, eine seiner Qualitäten, sagte die noch amtierende Ständerätin Pascale Bruderer zuvor am Parteitag. Das «politische Talent», wie Bruderer den Nationalrat bezeichnete, sei bereit, mehr zu tun, als erwartet werde. «Er hat den Willen, die Extra-Meile zu gehen, wie es auf Englisch heisst», sagte Pascale Bruderer. Das könne man als Ambition, also Ehrgeiz, bezeichnen, aus ihrer Sicht sei es bei Wermuth eine positive Eigenschaft.

Überheblich oder gut vorbereitet?

Kritiker dürften es dem früheren Juso-Präsidenten als Überheblichkeit auslegen, dass er offensichtlich mit dem Sieg bei der Nomination rechnete und keine halbe Stunde nach dem Entscheid des Parteitags schon ein vorbereitetes Mail verschickte. «Ich freue mich sehr auf diesen Wahlkampf, der in den nächsten Monate Form annehmen wird – hoffentlich auch mit deiner Unterstützung!», heisst es darin.

Wer sich für Wermuth als Ständeratskandidat aussprach – also die deutliche Mehrheit der SP-Delegierten – wird dies völlig anders sehen. Für die 105 Genossinnen und Genossen, die den Zofinger ins Rennen ums Stöckli schickten, hat sich Wermuth gut vorbereitet und verstanden, dass ein gesundes Selbstvertrauen und ein engagierter Wahlkampf notwendig sind.

Wermuth ist auch auf jene vorbereitet, die bei seinem Mail auf «Nein, leider nicht» klicken. Dann erscheint eine Seite mit dem Text: «Das ist zwar schade, aber du hast sicher deine Gründe dafür. Falls du möchtest, kannst du sie mir hier mitteilen.» Auch das ist typisch für Cédric Wermuth: Er mag die Auseinandersetzung, liebt die Diskussion, hat Freude an der Debatte, sucht das Gespräch mit Andersdenkenden.

Der 32-jährige Familienvater ist ein starker Rhetoriker, kann seine Positionen überzeugend vertreten und schafft es laut Florian Vock, dem Präsidenten des Aargauischen Gewerkschaftsbundes, auch kritische Wähler anzusprechen. «Ich habe erlebt, dass die Leute mit ihm sprachen und am Ende sagten, sie seien zwar nicht seiner Meinung, würden ihm aber die Stimme geben», erzählte Vock.

Feri musste schon 1999 verzichten

Auf diese Qualitäten von Wermuth setzten die SP-Delegierten offenbar – und entschieden sich gegen Yvonne Feri. Für die 52-jährige Nationalrätin aus Wettingen ist die Nicht-Nomination eine Enttäuschung, zumal sie 1999 schon hinter Pascale Bruderer zurückstehen musste, als es um den Platz auf der Nationalratsliste ging.

Feri reagierte am Mittwoch gefasst und souverän auf die Niederlage am Parteitag. Sie gratulierte Wermuth zur Nomination und rief den Delegierten zu: «Feiert heute Cédric.» Dann gab sie ihm einen rosaroten Kaffeebecher und die Mahnung mit auf den Weg, sich wie versprochen für Frauenanliegen einzusetzen. Sie freue sich auf den Wahlkampf für den Nationalrat, und darauf, die SP-Liste anzuführen. Ein kleiner Hinweis, dass die Niederlage doch schmerzt, schliesslich hatte Feri bei den Nationalratswahlen 2015 rund 800 Stimmen mehr erzielt als Wermuth.

Cédric Wermuth (Jg. 1986) trat der Juso schon 1999 bei. Von 2003 bis 2005 war er Co-Präsident der Aargauer Juso.
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Im Juni 2008 wurde er zum Parteipräsident der Juso Schweiz.
Provokativer Zug im Jahr 2008: Juso-Präsident Cédric Wermuth raucht auf dem Podium an der SP-Delegiertenversammlung einen Joint.
Cédric Wermuth 2009: In diesem Jahr wird er in den Einwohnerrat Baden gewählt. Und er nimmt an einer Hausbesetzungsparty in einem Annexgebäude des leerstehende Hotels Verenahof in Baden teil. Die Folge ...
... ist ein Strafbefehl im Jahr 2010 wegen Hausfriedensbruch sowie 300 Franken Busse und eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen.
2010: Cédric Wermuth tritt als Samichlaus verkleidet an der Generalversammlung der Credit Suisse auf: «Wenn Sie glauben, dass 91 Millionen an Vergütungen normal sind, dann glauben Sie immer noch an den Samichlaus und den Osterhasen», sagt er der CS-Spitze.
Cédric Wermuth im Jahr 2011: Im März gibt er die Präsidentschaft der Juso Schweiz nach fast drei Jahren im Amt ab und wird am 23. Oktober in den Nationalrat gewählt.
21. Juni 2014: Cédric Wermuth und Elisabeth Burgener übernehmen im Co-Präsidium die SP Aargau.
2015: Cédric Wermuth wird von den Aargauer Wählerinnen und Wählern als Nationalrat bestätigt. Das Bild zeigt ihn in Zofingen, wo er mittlerweile mit seiner Familie lebt.
Cédric Wermuth wird dem linken Flügel der SP zugeordnet.
Juni 2018: Cédric Wermuth und Elisabeth Burgener geben das Co-Präsidium der SP Aargau ab.
Cédric Wermuth im Nationalrat – im August 2018 gibt er bekannt, für den Ständerat kandidieren zu wollen. Nach dem ersten Wahlgang zieht er seine Kandidatur nun zurück.

Cédric Wermuth (Jg. 1986) trat der Juso schon 1999 bei. Von 2003 bis 2005 war er Co-Präsident der Aargauer Juso.

Keystone