Kommentar
Wermuths Rückzieher: cleverer Schachzug in eigener Sache

Die Überraschung ist perfekt: Cédric Wermuth verzichtet auf den zweiten Wahlgang bei den Ständeratswahlen. Damit hat er vor allem sich selber einen Gefallen getan.

Rolf Cavalli
Rolf Cavalli
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Im Rampenlicht: Cédric Wermuth zieht seine Ständeratskandidatur zurück.

Im Rampenlicht: Cédric Wermuth zieht seine Ständeratskandidatur zurück.

Colin Frei

Cédric Wermuth konnte es rechnen, wie er wollte. Er wusste: Es wird im zweiten Wahlgang nicht reichen, um den Rückstand von über 17'000 Stimmen auf SVP-Kontrahent Hansjörg Knecht wettzumachen. Zwar konnte der SP-Kandidat seine Anhängerschaft dank eines professionellen und kostspieligen Wahlkampfs optimal mobilisieren. Aber Knechts SVP-Wählerbasis bleibt grösser.

Auch wenn er den Entscheid nicht alleine gefällt hat: Wermuths Rückzug ist ein cleverer Schachzug in eigener Sache. Er kann nur gewinnen:

  • Er verhindert so eine persönliche Niederlage. Rückblickend wird Wermuth nie als Verlierer der Ständeratswahlen dastehen.
  • Er rehabilitiert seinen Ruf als Frauenverhinderer. Stand er bei der Nomination noch Parteikollegin Yvonne Feri vor der Sonne, ist er nun plötzlich der Frauenermöglicher, indem er Ruth Müri (Grüne) den Vortritt lässt und Feri indirekt bei der Regierungsratswahl hilft.
  • Er profiliert sich als Parteistratege. Sollte es Müri nicht ganz schaffen, was immer noch wahrscheinlich ist, war es trotz seines Verzichts und nicht wegen seines Verzichts.

Von aussen konnte man gelegentlich den Eindruck bekommen, der SP-Nationalrat nutze den Ständeratswahlkampf vor allem als Profilierungsvehikel. Er selber betont, er habe sich immer vorgenommen, dass nicht seine Person im Vordergrund stehen dürfe, sondern der Einsatz für die Sache.

So oder so: Geschadet hat Wermuth das Spektakel um seine Ständeratskandidatur auf seinem vorgezeichneten Weg an die Spitze SP Schweiz sicher nicht.

Das sagte Cédric Wermuth am Dienstagnachmittag:

Cédric Wermuths Karriere in Bildern:

Cédric Wermuth (Jg. 1986) trat der Juso schon 1999 bei. Von 2003 bis 2005 war er Co-Präsident der Aargauer Juso.
12 Bilder
Im Juni 2008 wurde er zum Parteipräsident der Juso Schweiz.
Provokativer Zug im Jahr 2008: Juso-Präsident Cédric Wermuth raucht auf dem Podium an der SP-Delegiertenversammlung einen Joint.
Cédric Wermuth 2009: In diesem Jahr wird er in den Einwohnerrat Baden gewählt. Und er nimmt an einer Hausbesetzungsparty in einem Annexgebäude des leerstehende Hotels Verenahof in Baden teil. Die Folge ...
... ist ein Strafbefehl im Jahr 2010 wegen Hausfriedensbruch sowie 300 Franken Busse und eine bedingte Geldstrafe von 20 Tagessätzen.
2010: Cédric Wermuth tritt als Samichlaus verkleidet an der Generalversammlung der Credit Suisse auf: «Wenn Sie glauben, dass 91 Millionen an Vergütungen normal sind, dann glauben Sie immer noch an den Samichlaus und den Osterhasen», sagt er der CS-Spitze.
Cédric Wermuth im Jahr 2011: Im März gibt er die Präsidentschaft der Juso Schweiz nach fast drei Jahren im Amt ab und wird am 23. Oktober in den Nationalrat gewählt.
21. Juni 2014: Cédric Wermuth und Elisabeth Burgener übernehmen im Co-Präsidium die SP Aargau.
2015: Cédric Wermuth wird von den Aargauer Wählerinnen und Wählern als Nationalrat bestätigt. Das Bild zeigt ihn in Zofingen, wo er mittlerweile mit seiner Familie lebt.
Cédric Wermuth wird dem linken Flügel der SP zugeordnet.
Juni 2018: Cédric Wermuth und Elisabeth Burgener geben das Co-Präsidium der SP Aargau ab.
Cédric Wermuth im Nationalrat – im August 2018 gibt er bekannt, für den Ständerat kandidieren zu wollen. Nach dem ersten Wahlgang zieht er seine Kandidatur nun zurück.

Cédric Wermuth (Jg. 1986) trat der Juso schon 1999 bei. Von 2003 bis 2005 war er Co-Präsident der Aargauer Juso.

Keystone