Bruderers Nachfolge
Wermuth will zwei Linke im Ständerat, die SVP eine bürgerliche Doppelvertretung

Wer wird die zurücktretende SP-Ständerätin Pascale Bruderer beerben? SP-Nationalrat Cédric Wermuth träumt von zwei linken Aargauer Vertretern, die CVP kündigt eine eigene Kandidatur an und die SVP will eine bürgerliche Doppelvertretung.

Fabian Hägler
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Für die SP müsse der Verzicht von Pascale Bruderer auf eine erneute Kandidatur im Herbst 2019 ein Super-GAU sein, sagte Moderatorin Anne-Käthi Kremer im TalkTäglich zu den Ständeratswahlen auf Tele M1.

SP-Kantonalpräsident Cédric Wermuth relativierte: «Natürlich hätten wir es bevorzugt, wenn sie nochmals angetreten wäre», sagte er, doch die SP Aargau werde trotz des Verzichts von Pascale Bruderer eine valable Kandidatur stellen.

Wermuth ging in der Runde mit CVP-Präsidentin Marianne Binder und SVP-Präsident Thomas Burgherr gar selbstbewusst in den Angriff über. Für seine Partei mache es keinen grossen Unterschied, wie viele Sitze im Ständerat frei würden, man trete ohnehin mit dem Ziel an, eine ungeteilte Standesstimme zu erreichen. Der SP-Nationalrat, der im Sommer sein Amt als Kantonalpräsident abgibt, träumt von zwei linken Aargauer Vertretern im Stöckli.

SVP pocht auf Wähleranteil

Realistischer dürfte für die SP bis zum 20. Oktober 2019 ein harter Wahlkampf sein, mit dem Risiko, den Sitz im Ständerat zu verlieren. Das ist auch Wermuth bewusst, der Bruderer als Ausnahme und Glücksfall bezeichnete. Eine SP-Politikerin mit einer derart breiten Akzeptanz gebe es nur einmal in einer Generation, sagte er.

Schon jetzt ist klar, dass sich um die beiden Aargauer Sitze im Stöckli mindestens vier Kandidaten bewerben werden. Neben der SP, die laut Wermuth keinen Grund sieht, kampflos auf das 2011 eroberte Mandat zu verzichten, will die SVP zurück in den Ständerat. Mit einem Wähleranteil von 38 Prozent sei es klar, dass seine Partei antreten werde, sagte Thomas Burgherr. Heute schon über Namen zu reden, wäre aus seiner Sicht zu früh, ergänzte er, liess sich dann aber doch entlocken, dass Regierungsrat Alex Hürzeler ein geeigneter Kandidat wäre. Auf eine mögliche eigene Kandidatur angesprochen, sagte Burgherr ganz präsidial, das persönliche Interesse müsse in diesem Wahlkampf hinter jenem der Partei zurückstehen. Für die SVP ist klar, dass der Aargau die ungeteilte bürgerliche Standesstimme in Bern braucht.

CVP mit eigener Kandidatur

Am liebsten wäre Burgherr dabei wohl die Kombination mit einem FDP-Vertreter. Ob dieser auch in der nächsten Legislatur noch Philipp Müller heisst, ist derzeit offen. Klar ist aber, dass auch die Freisinnigen eine Kandidatur aufstellen werden. Und seit Dienstagabend steht auch fest, dass die CVP im Herbst 2019 antreten wird. «Bei uns laufen die Planungen, wir haben schon vor der Ankündigung von Pascale Bruderer entschieden, eine eigene Kandidatur zu stellen», sagte Präsidentin Marianne Binder. Und sie schob mit Blick auf den vergleichsweise mageren Wähleranteil der CVP gleich hinterher, dass letztlich das Stimmvolk entscheide, wer Anrecht auf einen Sitz im Ständerat habe und wer nicht.

Ob es ihre Partei erneut mit Ruth Humbel versuchen werde, die 2015 chancenlos war, liess Binder offen. Die CVP werde eine Findungskommission einsetzen und «gegebenenfalls über die Kandidatur informieren», sagte sie.

Bei der SVP ist die Findungskommission schon an der Arbeit, doch auch Burgherr hielt sich bei den Fragen nach Namen bedeckt. Man führe Gespräche mit möglichen Kandidaten, neben bereits aktiven Politikern gebe es in der Volkspartei auch Leute aus der Wirtschaft, die man portieren könne.

Wermuth auf Kandidatenliste

Wer den frei werdenden Sitz für die SP verteidigen soll, liess auch Wermuth offen. Es gebe eine Liste, auf der Grossrätinnen und Grossräte stünden, dazu nationale Parlamentarier – «auch ich stehe damit auf der Liste» – sagte der SP-Nationalrat. Mit diesen Personen würden nun Gespräche geführt, auch mit den Grünen werde man sprechen, sagte Wermuth mit Blick auf eine mögliche Kandidatur von Susanne Hochuli.

Auch der letzte Anlauf von Moderatorin Kremer, die Präsidentenrunde aus der Reserve zu locken, scheiterte. Auf die Frage, unter welchen Voraussetzungen sie selber für den Ständerat kandidieren würden, kam von links, aus der Mitte und von rechts dieselbe Antwort: einhelliges Schweigen.

Den Talk in voller Länge sehen Sie hier: