Gratis-Bahn im Aargau

Wermuth: «Mit den Steuergeschenken der letzten Jahre wäre ein guter Teil schon finanziert»

Cédric Wermuth stellt sich den Fragen zu seinen Wahl-Forderungen.

Cédric Wermuth stellt sich den Fragen zu seinen Wahl-Forderungen.

SP-Co-Präsident Cédric Wermuth erklärt im Interview mit der az, was er aus den Fehlern der Vergangenheit lernt und wie er umstrittene Ideen wie das kostenlose Bahnfahren im Kanton Aargau finanzieren will.

Sie verschärfen den Ton gegenüber den Bürgerlichen. Reicht das, um Wähler für sich zu gewinnen?

Cédric Wermuth: Die SVP à la Glarner greift mit ihrer Politik die Demokratie und unsere Gesellschaft im Herzen an. Aber auch die anderen Bürgerlichen arbeiten an der Umverteilung von unten nach oben. Wir halten dagegen und zeigen auf: Wir sind die Alternative.

Die SP hat die letzten Wahlen verloren. Was will sie besser machen?

Wir müssen mit Basiskampagnen, wie wir sie jetzt lancieren, früher und nachhaltiger unsere potenziellen Wähler mobilisieren. Die Linken hatten in letzter Zeit tatsächlich Mühe, ihre Wähler an die Urne zu bringen.

Warum?

Wenn wir das genau wüssten! Aber ich bin zuversichtlich. Wir verzeichnen in den letzten Monaten erstmals wieder einen Zuwachs an Mitgliedern und Sympathisanten.

Sie bedauern in Ihrer Wahlplattform, dass immer weniger den Lehrerberuf ergreifen. Bedauern Sie das, weil Ihnen da klassische SP-Wähler abhandenkommen?

Das wäre etwas billig. Ich glaube nicht, dass unsere Basis im öffentlichen Dienst schwindet. Schweizweit gibt es im Service public am meisten neue Jobs, vor allem in Bildung und Gesundheit.

Die Aussage steht ziemlich im Widerspruch zur SP-Kritik, es werde ständig Staatspersonal abgebaut.

Nein, der Druck auf die Verwaltung im Aargau steigt mit den wiederkehrenden Abbauprogrammen massiv. Was wir anprangern, ist der Abbau von Qualität bei Bildung und Gesundheit und der Trend zur Privatisierung. Wir kämpfen dafür, dass die öffentliche Hand hier eine starke Rolle spielt und einen hohen Standard für alle anbietet.

Krankt die SP nicht auch daran, dass sie in erster Linie als Besitzstandwahrerin auftritt?

Ich sehe das nicht so. Wir haben einige neue, positive Vorschläge. Wir machen konkrete Vorschläge für mehr gemeinnützigen Wohnbau oder eine innovative Verkehrsinfrastruktur.

Eine brisante Forderung ist das kostenlose Bahnfahren im Aargau. Was kostet der Spass?

Die Billetteinnahmen decken heute etwa 50 Prozent der Kosten im Regionalverkehr. Mit den Steuergeschenken der letzten Jahre wäre ein guter Teil schon finanziert. Man könnte zudem auch die Gelder der Strassenkasse sinnvoller verwenden.

Ihre Wahlplattform ist voll mit Forderungen, die kosten: Gratis-Bahn, mehr Steuerkontrolleure, mehr Prämienverbilligung, flächendeckende Berufsberatung, mehr Opferschutz etc. Schrecken Sie so nicht Wähler ab, weil das nach Steuererhöhungen schreit?

Der Aargau hat ein selbstverursachtes Einnahmenproblem. Wir müssen die Steuergeschenke an Reiche und Unternehmen korrigieren. Dann können wir auch den Service public ausbauen. Das ist nötig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sonst kommt es zu immer mehr Privatisierung. Und das macht unsere Gesellschaft kaputt. (roc)

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