Strassenverkehr

Werbung im Kreisel: Goldgrube für den Kanton oder Ablenkung für Autofahrer?

Werbung im Kreisel?

Werbung im Kreisel?

BDP-Grossrat Fabian Hauser will die Aargauer Finanzen aufbessern indem man, statt Kunst oder Pflanzen, Werbeplakate mitten in den Kreisverkehr stellt.

Mit der Vermarktung von Verkehrskreiseln als Werbeplattform will BDP-Grossrat Fabian Hauser den öffentlichen Haushalt aufbessern. Die Idee kommt nicht nur bei Fahrlehrern schlecht an.

Ginge es nach Fabian Hauser, würden Autofahrer im Aargau bald um Werbeplakate rotieren. Der BDP-Grossrat möchte Strassenkreisel als Standort für Reklame vermieten und auf diese Weise den Staatshaushalt aufpolieren.

Sein Anliegen brachte er am Dienstag mit einer Motion im Grossen Rat ein. «Der Kanton Aargau muss sparen», begründet Hauser den Vorstoss gegenüber Tele M1. Es sei besser, die Kreisel zu vermarkten, als viel Geld für Verschönerungen auszugeben.

Ablenkung für Verkehrsteilnehmer

Fahrlehrer wie Thomas Stalder von der Fahrschule DriveSwiss in Wohlen können sich mit der Idee von Werbeplakaten in Strassenkreiseln gar nicht anfreunden: «Der Autofahrer orientiert sich am Kreisel», erklärt er. Für Werbung sei dies der falsche Ort. «Wir erachten das als gefährlich», so der Fahrlehrer.

Zwar schwebt dem Grossrat aus Birmenstorf eher dezente Reklame vor. Aber auch diese lenke den Fahrer ab, findet Thomas Stalder. Der Blick des Fahrers bleibe ein bis zwei Sekunden fixiert. «Bei 50 km/h sind das pro Sekunde schon 15 Meter, auf denen man nicht auf den Verkehr achtet», rechnet der Fahrlehrer vor.

Doch lenken nicht auch Kunstwerke, wie sie heute auf vielen Kreiseln stehen, vom Verkehr ab? In gewisser Weise schon. Das sollen sei auch. Denn Autofahrer sollen nicht durch den Gegenverkehr irritiert werden, der in den Kreisel strömt.

Kreiselwerbung dank Auto-Pilot?

Die Aargauer Regierung will trotz angespannter Finanzlage nichts von Werbung im Kreisel wissen. «Der Kreisel ist ein komplexes Verkehrsinstrument», argumentiert FDP-Regierungsrat Stephan Attiger. Da brauche es von allen Verkehrsteilnehmern hohe Aufmerksamkeit. «Werbung ist da kontraproduktiv. Denn sie will ja die Aufmerksamkeit auf sich ziehen», so der Aargauer Baudirektor.

Die grosse Mehrheit des Grossen Rats sah das am Dienstag genau so. Mit 116 zu 4 Stimmen wurde Hausers Motion abgeschmettert. Für den Motionär ist die Angelegenheit damit aber noch nicht endgültig vom Tisch. Spätestens wenn selbstfahrende Autos die Strassen übernehmen, könnte das Theam wieder aktuell werden. «Dann haben die Leute genügend Zeit um auch im Kreisel Werbung anzuschauen.» 

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