Bad Zurzach
«Werbung für neue Heimat»: Hobby-Fotograf sagt Sorry für Bilder im Thermalbad

Karsten Schmidt heisst der Mann, der heimlich Pärchen im Thermalbad Zurzach fotografierte und die Bilder ins Internet stellte. Nun hat sich der 44-jährige Deutsche öffentlich entschuldigt und die Fotos wieder gelöscht.

Nadja Rohner und Walter Christen
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Hobbyfotograf Karsten Schmidt fotografierte Pärchen im Thermalbad Zurzach

Hobbyfotograf Karsten Schmidt fotografierte Pärchen im Thermalbad Zurzach

AZ

Der Hobbyfotograf, der mit einem Teleobjektiv Fotos von badenden Pärchen im Thermalbad gemacht und diese im Internet veröffentlicht hatte (AZ vom 9. Oktober), hat sich entschuldigt: «Bei betreffender Person handelt es sich um mich», schrieb Karsten Schmidt (44) am Mittwochmorgen in der öffentlichen Facebook-Gruppe «Zurzibiet».

«Scheinbar bin ich über das Ziel hinausgeschossen», hielt er fest. Sollte sich jemand durch die Fotos persönlich getroffen fühlen, möchte er sich «in aller Form entschuldigen». Schmidt schreibt auf Facebook weiter: «Es sollte keinesfalls voyeuristisch sein.» Er sehe sich nicht als «pornografischen Fotografen», so Schmidt und werde «selbstverständlich alle vorhandenen Inhalte vom Netz löschen».

Softporno-Vorwurf bestritten

Gegenüber Tele M1 sagte Schmidt am Nachmittag, er habe mit den Bildern lediglich Werbung für seinen neuen Wohnort machen wollen. «Als ich den Zeitungsartikel gelesen habe, war ich völlig aus dem Häuschen und habe sofort alle Fotos gelöscht», hielt der Deutsche gegenüber dem TV-Sender fest.

Vom Vorwurf, er habe auf Facebook Softporno-Bilder veröffentlicht, distanzierte er sich vehement.

Trotz öffentlicher Entschuldigung ist die Sache für Dominik Keller, den Geschäftsführer der Thermalbad Zurzach AG, nicht erledigt: «Ich werde mich mit dem Fotografen treffen und danach entscheiden, ob ich die Entschuldigung so annehme».

Kameraverbot in Thermalbädern

Eine Nachfrage in den zwei anderen grossen Aargauer Bädern ergibt: Bad Schinznach (Aquarena fun) und Rheinfelden (sole uno) kennen keine solchen Vorkommnisse. Martin Allgäuer vom Aquarena fun in Bad Schinznach sagte: «Bei uns ist so etwas noch nie vorgekommen. Es herrscht hier aber auch ein striktes Verbot für Handys und elektronische Geräte allgemein. Alles, was wie ein Fotoapparat oder Handy aussieht, muss von den Gästen im Garderobekästchen deponiert werden.»

Badmeister kontrollieren streng

Allgäuer führte weiter aus, die Badmeister und das Aufsichtspersonal nähmen strenge Kontrollen vor. «Das heisst, sie haben ein Auge dafür, wer sich über die Regeln hinwegsetzt.» In solchen Fällen mache das Personal die betreffenden Personen darauf aufmerksam und bitte sie, das Gerät wegzulegen und in der Garderobe zu deponieren.

«Etwa die Hälfte der Besucher versteht die Weisung überhaupt nicht. Doch im Gespräch werden sie meistens einsichtig.» Trotz aller Vorsicht sei auch Aquarena nicht gefeit vor unerfreulichen Vorkommnissen. «Wir können natürlich nicht garantieren, dass überhaupt nicht heimlich fotografiert wird», hält Martin Allgäuer fest.

Handy auch im Notfall verboten

Sven Malinowski, Betriebsleiter der Rheinfelder Wellness-Welt sole uno, hält fest: «Erwischt haben wir noch niemanden, der heimlich Fotos machte. Wenn wir einen Badegast mit Handy oder Fotoapparat sehen, machen wir die Person auf das Verbot aufmerksam und stossen dabei in den meisten Fällen auf Verständnis.»

In der Badeordnung ist festgelegt: «Die Benutzung von Mobiltelefonen, von Fotoapparaten und Filmkameras ist nicht gestattet.» Im sole uno darf auch bei einem Notfall im Areal nicht mit dem Handy telefoniert werden. Malinowski erklärt: «Dafür kann umgehend der Badmeister konsultiert werden, der vor Ort ist.»