Luftrettung
Wer zahlt die Rechnung? Rettung durch den TCS gibt viel Ärger für Rega-Gönner

Seit diesem Frühling übernimmt der TCS bei einem Rettungseinsatz im Aargau für die Rega-Gönner allfällige Kosten. Dieses Versprechen hat er nun aber arg strapaziert, wie das Beispiel von René Hermann zeigt.

Aline Wüst
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René Hermann ist überall Mitglied: Bezahlen will niemand.

René Hermann ist überall Mitglied: Bezahlen will niemand.

Alex Spichale

René Hermann liegt bewusstlos am Boden. Es ist der 20. März, nachmittags – der 62-Jährige hat seine Medikamente falsch eingenommen. Seine Frau wählt den Notruf. Ein Notarzt und die Ambulanz treffen ein. Herrmanns Leben hängt an einem seidenen Faden. Die Rettungskräfte bieten einen Helikopter auf. Es ist der TCS-Heli, der den bewusstlosen Hermann ins Spital fliegt.

Niemand denkt zu diesem Zeitpunkt daran, dass René Hermann noch sehr viel Ärger haben wird, weil ein gelber und kein roter Helikopter vor seinem Haus landete. Nein, niemand denkt daran - die Familie bangt in diesem Moment um das Leben des Vaters und Ehemanns.

Nach zwei Tagen auf der Intensivstation taucht Herrmann aus seiner Bewusstlosigkeit auf, bleibt noch ein paar Tage im Spital und kehrt dann gesund nach Hause zurück.

TCS weigert sich zu zahlen...

Kurze Zeit später trifft ein Brief bei Herrmann ein. 3580 Franken stellt die TCS-Helifirma Alpine Air Ambulance in Rechnung. Herrmann schickt die Rechnung seiner Krankenkasse, die bezahlt die Hälfte. Bleiben 1790 Franken übrig. Hermann, der Rega-Gönner ist, einen Eti-Schutzbrief des TCS und eine TCS-Mitgliedschaft besitzt, macht sich keine Sorgen wegen des Geldes. Denn nachdem der TCS per Regierungsentscheid seit diesem Frühling bei Rettungseinsätzen im Aargau gegenüber der Rega den Vorzug hat, verspricht der TCS, allfällige Kosten zu übernehmen, die von keiner Versicherung gedeckt werden.

Doch davon will beim TCS plötzlich niemand mehr etwas wissen: Herrmann wird von einer Stelle zur anderen verwiesen - von Alpine Air Ambulance zur TCS-Zentrale und von dort weiter zur Abteilung Eti-Schutzbrief - zahlen will niemand. Verzweifelt ruft Hermann bei der Rega an. «Hämisch teilte man mir dort mit, dass ich mich bei Regierungsrätin Susanne Hochuli beschweren könne. Sie hätte das zu verantworten.» Hermann ist wütend, dass man auf dem Rücken von Patienten einen politischen Streit austrägt.

... und entschuldigt sich dafür

Gestern dann plötzlich die Wende: Am gleichen Tag, als Hermann die Absage der Kostenübernahme durch den TCS auch noch schriftlich erhält, erklärt Rudolf Zumbühl, Mitglied der Geschäftsleitung des TCS, gegenüber der Aargauer Zeitung, das sei alles ein Missverständnis. «Da ist bei uns in Genf ein Fehler passiert.» Selbstverständlich werde man die restlichen Kosten für die Rettung übernehmen. Ich werde dem persönlich nachgehen und entschuldige mich.»

Und tatsächlich klingelt kurze Zeit später bei René Herrmann das Telefon: Entschuldigung des TCS, Versprechen der Kostenübernahme und Mitteilung, dass Herrmann einen Brief bekommen werde, indem erklärt sei, wie er nächstes Mal bei einer Kostenabrechnung vorgehen müsse.
Hermann findets frech und hofft, dass es kein nächstes Mal gibt.