Die besten Freunde sind Matthias Jauslin und Thierry Burkart nicht. Vor gut einem Monat, als Jauslin seine Kandidatur offiziell ankündigte, tat er das mit einem Seitenhieb gegen Burkart. «Ich bin ein Praktiker – davon hat es im Ständerat zu wenig. Juristen hingegen hat es schon viele», sagte der Freiämter Unternehmer mit Blick auf den Badener Anwalt.

Burkart, der seine Ambitionen auf den frei werdenden Sitz von Philipp Müller im Stöckli schon früher angemeldet hatte, reagierte nicht auf Jauslins spitze Bemerkung. Stattdessen scharte der 43-jährige seine Supporter hinter sich: Erst die FDP Bezirk Baden, dann die Jungfreisinnigen und schliesslich die FDP Frauen Aargau gaben bekannt, dass sie den Badener unterstützen.

Offiziell ist die FDP stolz

Jauslin wurde von der FDP Bezirk Bremgarten zuhanden der Kantonalpartei nominiert, erhielt sonst aber keine Unterstützung aus freisinnigen Gremien. Der Wohler präsentierte sich als erfahrener Politiker auf allen Staatsebenen, erfolgreicher Unternehmer mit eigener Firma und Vertreter einer Region, die nicht zum Speckgürtel gehört.

23. Juli 2007, Wohlen: Matthias Jauslin und Finanzverwalter Gregor Kaufmann präsentieren das Budget.

23. Juli 2007, Wohlen: Matthias Jauslin und Finanzverwalter Gregor Kaufmann präsentieren das Budget.

Man sei stolz auf die Nominationen der Bezirksparteien und freue sich, zwei kompetente Kandidaten für den Ständerat zu präsentieren: Das teilte die FDP Aargau Anfang November mit. Mit Thierry Burkart und Matthias Jauslin stünden «zwei würdige Kandidaten mit langer politischer Erfahrung und einem umfassenden Leistungsausweis» bereit. Beide hätten «ihr Engagement für die FDP und den Aargau seit Jahren unter Beweis gestellt und sind fest in der Bevölkerung verankert».

Verzicht nahegelegt?

Man danke beiden Kandidaten für ihre Bereitschaft, als Nachfolger des abtretenden Ständerats Philipp Müller anzutreten, teilten die Freisinnigen weiter mit. Offiziell und nach aussen kommunizierte die FDP also Freude über eine Ausmarchung von zwei valablen Bewerbern.

Innerhalb der Partei war die Gemütslage bei vielen aber anders, manche Freisinnige hätten eine Nomination wie bei SVP und CVP bevorzugt: Dort wurden Hansjörg Knecht und Marianne Binder ohne Gegenkandidaten und mit Applaus ins Rennen geschickt.

Dies wäre mehreren FDP-Exponenten auch lieber gewesen, wobei sie einen klaren Favoriten hatten: Thierry Burkart. Dieser gab seine Kandidatur zuerst bekannt, und in den Tagen danach war mehrfach zu hören, dass prominente FDPler auf Jauslin einwirken wollten, nicht zum Duell anzutreten.

Der Wohler sagte dazu lediglich: «Ich spüre, dass es Personen in der Partei gibt, die jetzt schon voll auf eine Kandidatur von Thierry Burkart setzen.» Er finde aber, dass ein gesunder Wettbewerb der Partei guttue. So kommt es also heute Donnerstagabend im Schulhaus Risi in Dottikon zum Duell zwischen den beiden Kontrahenten, die zwar beide der FDP angehören, politisch aber sehr verschieden sind (siehe nachfolgenden Vergleich).

Delegierte stimmen ab

FDP-Präsident Lukas Pfisterer, der den Parteitag leitet, hält fest: «Es ist eine demokratische Ausmarchung, die Basis entscheidet, wen sie ins Rennen schickt.» Abstimmen können nicht alle Parteimitglieder, sondern nur Delegierte. Dabei darf jeder Bezirk achtmal so viele Delegierte stellen, wie er FDP-Sitze im Grossen Rat hat.

Für den Bezirk Aarau mit drei freisinnigen Grossräten ergeben sich so 24 Delegierte. «Wir haben uns für dieses System mit Delegierten entscheiden, damit nicht nur die Mobilisierung den Ausschlag gibt», sagt der Präsident.

19. März 2007, Baden: Grossrat Thierry Burkart schöpft Suppe am Schnuppertag im Alterszentrum Kehl.

19. März 2007, Baden: Grossrat Thierry Burkart schöpft Suppe am Schnuppertag im Alterszentrum Kehl.

Insgesamt entscheiden laut Pfisterer knapp 200 Delegierte über die Ständeratskandidatur. Burkart und Jauslin werden jeweils durch eine Drittperson vorgestellt, dann haben sie selber die Gelegenheit, sich kurz zu präsentieren. Schliesslich folgt die Diskussion, bevor am Ende die Delegierten den Namen ihres Favoriten auf den Wahlzettel schreiben.

Matthias Jauslin setzt auf seine Unabhängigkeit 

Der 56-jährige Wohler präsentiert sich den Delegierten als erfolgreicher Unternehmer und Praktiker, der im wahrsten Sinn des Wortes freisinnig politisiert.

Das politische Profil von Matthias Jauslin: Die Angaben zum Spider stammen von den Nationalratswahlen 2015 und zeigen, dass er zum linken Parteiflügel gehört.

Das politische Profil von Matthias Jauslin: Die Angaben zum Spider stammen von den Nationalratswahlen 2015 und zeigen, dass er zum linken Parteiflügel gehört.

Privat hebt Matthias Jauslin gern ab: Der FDP-Nationalrat aus dem Freiamt ist passionierter Segelflieger. Er ist damit weder ein Senkrechtstarter, noch macht er mit seinem Hobby viel Lärm – und beides trifft auch auf seine politische Karriere zu.

Jauslin absolvierte die viel zitierte Ochsentour, er war Einwohnerrat, Gemeinderat und Vizeammann in Wohlen, Grossrat und FDP-Präsident im Kanton – und wurde vor drei Jahren ziemlich überraschend in den Nationalrat gewählt. Jauslin landete bei den Wahlen 2015 auf dem vierten Platz, fast 19 000 Stimmen hinter seinem heutigen Konkurrenten Thierry Burkart.

Auch heute gilt er eher als Aussenseiter. «Mir ist klar, dass ich nicht als Favorit in die Ausmarchung um die Ständeratskandidatur gehe», sagt der 56-jährige Familienvater mit Blick auf den Parteitag. «Aber ich politisiere unabhängig, ich bin also im Sinne des Wortes frei-sinnig.» Er hoffe darauf, dass einige Delegierte dies honorieren und seinen Namen auf den Wahlzettel schreiben würden. Wahlkampf habe er im Vorfeld nicht betrieben: «Die Delegierten wissen, was sie an mir haben: einen verlässlichen Unternehmer», begründet er.

Als Gründer, Geschäftsführer und Inhaber einer Elektroinstallationsfirma mit 30 Mitarbeitern sei er ein echter Praktiker und mit Wirtschaftsthemen bestens vertraut, hält er fest. Einen kleinen Seitenhieb an Konkurrent Burkart kann er sich nicht verkneifen: «Ich kenne die Herausforderungen der KMU von der Arbeit an der Front, nicht nur aus dem Sitzungszimmer».

Jauslin sagt weiter, er politisiere lösungsorientiert und nahe bei der Basis. Partei-intern sowie gegenüber den Wählerinnen und Wählern wolle er berechenbar sein. So kündigt er bereits an: «Im Fall einer Wahl werde ich acht Jahre im Ständerat bleiben, also sicher kein Sesselkleber.» (fh)

Thierry Burkart hat zwei prominente Fürsprecher

Regierungsrat Stephan Attiger und Nationalrätin Corina Eichenberger werden den 43-jährigen Badener heute am Parteitag den FDP-Delegierten empfehlen. 

Das politische Profil von Thierry Burkart: Die Angaben zum Spider stammen von den Nationalratswahlen 2015 und zeigen, dass er zum rechten Parteiflügel gehört.

Das politische Profil von Thierry Burkart: Die Angaben zum Spider stammen von den Nationalratswahlen 2015 und zeigen, dass er zum rechten Parteiflügel gehört.

Vielleicht ist es Zufall, vielleicht aber auch gutes Timing: Wer auf thierry-burkart.ch geht, sieht derzeit diesen Text: «Vielen Dank für Ihren Besuch! Hier finden Sie in Kürze den neuen Webauftritt von Thierry Burkart.» Wartet der Rechtsanwalt und Nationalrat aus Baden, mit der Aktualisierung der Website, bis heute Abend seine Nomination feststeht? Klar ist: Der 43-Jährige geht als Favorit in die Ständerats-Ausmarchung innerhalb der FDP.

«Ich spüre eine breite Unterstützung von Personen inner- und ausserhalb der Partei und bin deshalb optimistisch», sagt Burkart, als die AZ ihn auf seine Chancen am Nominations-Parteitag der Freisinnigen anspricht. Vor einer Wahl müsse man aber immer demütig sein, hält er fest. Vernetzt ist der ledige FDP-Nationalrat jedenfalls gut: als Präsident des TCS Aargau und Vorstandsmitglied des Gewerbeverbandes sitzt er in einflussreichen Gremien.

Wahlkampf hat Burkart vor dem Parteitag nicht betrieben. «Ich habe mich nirgends speziell vorgestellt, es gab keine konzertierten Aktionen, aber Leute, die mich unterstützen, haben sich aus eigener Initiative für meine Wahl stark gemacht.» Burkart kann heute Abend auf zwei prominente Fürsprecher zählen: «Es sind zwei Personen, die sich die zehn Minuten für die Vorstellung teilen werden: Regierungsrat Stephan Attiger und Nationalrätin Corina Eichenberger», sagt er.

Und wie will sich der Kandidat selber präsentieren? «Ich werde am Parteitag sagen, dass ich Respekt habe vor dem Amt als Ständerat, dass ich den Aargau im Herzen trage und gerne in Bern vertreten möchte, dass ich einen liberalen Kompass habe und dies im Stöckli einbringen möchte – und dass es bei einer Nomination die Unterstützung der ganzen Partei braucht, um erfolgreich zu sein.» (fh)