«CVP und FDP haben einmal mehr nicht geholfen, die Zustände um die Reitschule zu beenden.» Das postete SVP-Nationalrat Andreas Glarner letzte Woche, als sein Vorstoss gegen das autonome Kulturzentrum in Bern keine bürgerliche Unterstützung fand. Als die SP und die SVP vor zwei Jahren in einer unheiligen Allianz das Einbürgerungsgesetz im Aargau versenkten, ernteten sie Kritik von CVP und FDP. Und manchen Grünen-Vertretern stiess es ziemlich sauer auf, dass die SP das Jahr der Frau proklamierte, dann mit Cédric Wermuth aber trotzdem einen Mann für den Ständerat nominierte. 2014 tourte die BDP Aargau im Rahmen der sogenannten «Ecoflop-Tour» in alten VW-Bussen durch den Kanton, man verteilte Flyer und Energydrinks gegen die Ecopop-Initiative.

Die vier Beispiele zeigen: Wenn es darum geht, sich politisch zu profilieren und von anderen Parteien und ihren Anliegen abzugrenzen, sind Aargauer Politiker unzimperlich. Geht es hingegen darum, bei den nationalen Wahlen die Chancen auf einen Sitzgewinn zu erhöhen, ist die Kritik oft rasch wieder vergessen. Dies zeigt ein Blick zurück ins Jahr 2015, als es im Aargau drei Listenverbindungen gab.

Damals verbündeten sich SVP, FDP, CVP und EDU, wobei die Rechtsbürgerlichen profitierten: SVP und FDP gewannen je einen Sitz, die CVP blieb auf ihrem bisherigen Mandat sitzen. In der Mitte gingen BDP, GLP, EVP, Sozial-Liberale Bewegung und Ecopop eine Listenverbindung mit dem Ziel ein, drei Sitze zu holen. Es blieb bei der Absicht, nur BDP und Grünliberale konnten ihre Sitze verteidigen. Bei den Linken gesellten sich im Jahr 2015 die Piraten zu SP und Grünen – die Verbindung blieb jedoch erfolglos, die Sozialdemokraten verloren sogar einen Sitz.

Wie die Listenverbindungen für die Wahlen im Herbst 2019 aussehen werden, ist derzeit noch offen. Tendenziell profitieren von einer solchen Verbindung, die vereinfacht gesagt Reststimmen einsammelt, am häufigsten die grösseren Parteien. Deshalb dürfte sich insbesondere die CVP überlegen, ob sie noch einmal mit FDP und SVP eine Listenverbindung eingehen will – oder eher in der Mitte, bei GLP, BDP und EVP, ihre Partner sucht. Ein zusätzlicher Unsicherheitsfaktor ist die Seniorenliste «Team 65+» um Maximilian Reimann, der ebenfalls bürgerliche Verbündete für die Wahlen sucht.