Grossratswahlen

Wer tritt in Milly Stöcklis Fussstapfen? Die SVP-Frau aus Muri verzichtet, drei Männer stehen bereit

Die drei Grossräte Daniel Urech, Nicole Müller-Boder und Milly Stöckli (von links) an der SVP-Wahlfeier im «Engel» in Muri nach den letzten Grossratswahlen. Vom SVP-Trio tritt Stöckli heuer nicht mehr an.

Die drei Grossräte Daniel Urech, Nicole Müller-Boder und Milly Stöckli (von links) an der SVP-Wahlfeier im «Engel» in Muri nach den letzten Grossratswahlen. Vom SVP-Trio tritt Stöckli heuer nicht mehr an.

Nach fast 20 Jahren im Grossen Rat verzichtet Milly Stöckli auf ihr Amt. Mögliche Nachfolger gibt es schon, allerdings alles Männer.

Im Bezirk Muri tritt nur eine von den sieben amtierenden Grossrätinnen und Grossräten nicht mehr an. Mit dem Abgang von Milly Stöckli (SVP) verliert das Oberfreiamt ein wichtiges Stück Erfahrung im Kantonsparlament. Die 58-jährige Murianerin vertrat den Bezirk seit Mai 2001 in Aarau, also noch vor dem historisch einschneidenden 11. September. Keiner ihrer aktuellen Kollegen im Bezirk kommt auf eine annähernd ähnliche Amtsdauer. Stöckli hat in ihrer Grossratsarbeit viel erlebt.

«Kurz nach meinem Antritt kam es zum Attentat auf das Parlament in unserem Nachbarkanton Zug. Das verursachte in mir schon Fragezeichen, wohin ich mich habe wählen lassen», sagt Stöckli. Überstanden hat die heutige Vizegemeindepräsidentin von Muri auch die Verkleinerung des Grossen Rats von 200 auf 140 Sitze im Jahr 2005. Als besonders erinnerungswürdig erwähnt Stöckli gegenüber der AZ nebst unzähligen politischen Geschäften den Umbau des Grossratsgebäudes und die Einführung der wirkungsorientierten Verwaltung 2006.

Alain Bütler mit guten Chancen auf Wahlerfolg

Doch warum verzichtet sie nun auf eine Wiederkandidatur? Bei den Wahlen vor vier Jahren verzeichnete Stöckli mit Abstand das beste Ergebnis im Bezirk (3310 Stimmen). «Es ist nicht so, dass es mir verleidet wäre, aber fast 20 Jahre sind genug. Ich mache Platz für Junge, die es in der SVP gibt», sagt sie.

Die Partei tritt denn auch hinter den beiden Bisherigen Daniel Urech und Nicole Müller-Boder auf den folgenden Listenplätzen mit einem jüngeren Trio an. Ins Rennen steigen Alain Bütler (1995, Kallern), Lukas Abt (1997, Rottenschwil) und Jeremias Bächler (1992, Boswil). Die grössten Hoffnungen, den dritten SVP-Sitz zu verteidigen, darf sich unter ihnen zweifelsohne Bütler machen. Der 25-Jährige kandidierte bereits 2016 und hat sich als Präsident der Jungen SVP Aargau einen Namen gemacht. Im Februar war er ausserdem Anwärter aufs Präsidentenamt der nationalen Jungen SVP.

«Ich denke, Alain hat sicher gute Chancen, da er schon einen gewissen Bekanntheitsgrad hat», sagt Milly Stöckli. Für sie liegt es auf der Hand, dass die Partei die drei Sitze halten kann. «Wir haben im Bezirk nichts verbockt.» Bei den letzten Grossratswahlen kam die SVP auf einen Wähleranteil von 36,1 Prozent.

Als zweitgrösste Kraft im Bezirk stand damals die CVP zu Buche (24 Prozent), die nun auf das Halten ihrer zwei Sitze hinarbeitet. Bei der Mittepartei ist die Wiederwahl von Ralf Bucher (Mühlau), dem Geschäftsführer des Bauernverbandes, eine Formsache. Schwieriger dürfte es Franziska Stenico-Goldschmid haben, die im Lauf der Legislatur für das langjährige CVP-Urgestein Herbert Strebel nachrückte. Sie realisierte 2016 im Vergleich zu Bucher (2833) und Strebel (2542) deutlich weniger Stimmen (1380).

Druck auf den zweiten CVP-Sitz könnte es vor allem vonseiten der GLP geben, falls die CVP ihren Abwärtstrend nicht aufhalten kann. Die Grünliberalen erreichten bei den letzten Nationalratswahlen einen Wähleranteil von 7,5 Prozent und treten mit einem Zugpferd an – Muris Gemeindepräsident Hampi Budmiger. Der 44-Jährige, bisher parteilos, trat zwar erst im Januar dieses Jahres in die GLP ein, doch er besitzt als Obmann der Gemeinde­ammänner-Vereinigung des Bezirks schon ein gutes Netzwerk.

Budmiger sitzt zudem seit 2006 im Gemeinderat Muris und politisiert schon immer mit einer liberalen Grundhaltung. Auf kantonaler Ebene will er sich, neben vernünftiger Mobilität und nachhaltiger Energieversorgung, für starke Gemeinden, ein lebenswertes Alter oder finanzierbare Gesundheit einsetzen, wie er im Januar in der AZ erklärte. Ihm wurde nebst einer sozialen und grünen Ader auch stets eine Nähe zum Freisinn nachgesagt, weshalb Budmiger nicht nur bei den CVP-Wählern, sondern auch bei den FDP-Sympathisanten zusätzliche Stimmen sammeln wird.

Bei den Freisinnigen dürfte es wie auch bei den Sozialdemokraten, da beide je einen Sitz im Grossen Rat innehaben, kaum zu Wahlüberraschungen kommen. Die beiden Bisherigen Stefan Huwyler (FDP, Muri) und Flurin Burkard (SP, Waltenschwil) schnitten bei den letzten Wahlen stark ab und holten rund doppelt so viele Stimmen wie ihre nächsten Parteikollegen. Huwyler und Burkard sind auch über die Parteigrenzen hinweg für einen breiten Teil des Stimmvolks wählbar.

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