Hobby-Förster

Wer selber Bäume fällen will, sollte einen Kurs absolvieren

Im Aargau gibt es 14000 Privatwald-Besitzer. Wer selber Bäume fällen will, sollte aber einen Kurs absolvieren. Wir haben den fünftägigen Holzerkurs im Suhret zwischen Suhr und Rupperswil besucht.

Um im eigenen Privatwäldchen einen Christbaum zu schneiden, ist er wohl nicht nötig: Der fünftägige Holzerkurs, den das Landwirtschaftliche Zentrum Liebegg derzeit im Suhret zwischen Suhr und Rupperswil anbietet.

Das Zielpublikum – am jährlich durchgeführten Kurs nehmen dieses Jahr 20 Personen teil – sind Landwirte und andere «Gelegenheits-Holzer», die gerne auch einmal einen grösseren Baum fällen.

Denn: Waldarbeit gehört zu den gefährlichsten Tätigkeiten überhaupt. Bei den Profis kommt es gemäss Suva-Zahlen in der Schweiz pro 1000 Waldarbeiter jährlich zu 300 Unfällen.

Bei den Hobby-Holzern dürfte die Quote noch höher liegen. Ein Kursziel ist denn auch, die eigenen Grenzen kennen zu lernen. Bei einigen wenigen geht dies laut Kursleiter Rolf Wigger so weit, dass sie nach den fünf Tagen mit den Instruktoren die Motorsäge ganz zur Seite legen.

Nicht so Daniel Schmid. Während die anderen aus seiner fünfköpfigen Gruppe im Hintergrund gefällte Bäume entasten, macht er sich an die Königsdisziplin: Gegenüber der schon geschnittenen Fallkerbe, die seiner 25 Meter hohen Fichte die Fallrichtung vorgibt, setzt er zum Fällschnitt an. In den Spalt rammt er einen Keil, bevor sich die Motorsäge ein letztes Mal ins Holz frisst.

So geht Baumfällen.

So geht Baumfällen.

Kurz darauf fällt der 50-jährige Riese «aus dem Gleichgewicht» und schwebt elegant in Richtung Waldboden. Ganz neu ist das Spektakel für den Hochbaupolier aus Wallbach nicht.

Vor drei Jahren hat er im Privatwald eines Kollegen den ersten Baum gefällt – mit Wissen aus dem Internet. Der Kurs gebe ihm noch mehr Sicherheit, sagt Schmid.

Obligatorisch ist er, anders als etwa in Graubünden, für Gelegenheits-Holzer nicht. Um die Zahl der Waldunfälle zu senken, bezahlt der Kanton Aargau aber 200 Franken an die Kurskosten.

Daniel Schmid fällt Bäume für seine eigene Holzheizung. Vielleicht werde er irgendwann selber ein Stück Wald kaufen, sagt er. Dies ist zwar billig – der Quadratmeter kostet rund vier Franken –, aber nicht ganz einfach. «Es kommt nur selten vor, dass Wald zum Verkauf angeboten wird», sagt Andreas Freuler von der Abteilung Wald beim Kanton. «Wenn, dann verkaufen Private.»

Mit 10 800 Hektaren besitzen sie im Aargau allerdings nur 22 Prozent der Waldfläche. Diese Fläche wiederum verteilt sich auf 14 000 Personen, womit der durchschnittliche Privatwald kleiner ist als ein Fussballfeld.

Hobby-Baumfäller können allerdings auch im öffentlichen Wald aktiv werden – wenn der Förster es erlaubt. Weil er bei einem Unfall allenfalls mithaften könnte, tue ein Förster dies aber nur zurückhaltend und überlasse den Hobby-Holzern eher bereits gefällte Stämme, sagt Freuler. Wer den fünftägigen Holzerkurs absolviert, hat sicher schon mal bessere Chancen, die Riesen selbst zu Fall bringen zu dürfen.

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