Wenn Marianne Binder von der sogenannten «Heiratsstrafe» spricht, dann redet sie aus Erfahrung. Seit 1982 ist sie verheiratet, und gerade in den ersten Jahren der Ehe seien Steuern immer wieder ein Thema gewesen. «Wir waren damals beide erwerbstätig und mussten aufpassen, dass wir nicht in eine höhere Steuerkategorie rutschen», sagte die Aargauer CVP-Präsidentin eingangs im «Talk Täglich» von Tele M1.

Ist es also eine Strafe, verheiratet zu sein?, fragte Moderator Rolf Cavalli. Binder: «Verheiratet zu sein ist keine Strafe, aber die Steuerbelastung ist schon eher als Strafe zu bezeichnen.»

Yvonne Feri war ebenfalls verheiratet. Für sei seien die Steuern in ihrer Ehe aber nie ein grosses Thema gewesen: «Wir haben alles anteilmässig in einen Topf getan und daraus Steuern und Kosten bezahlt», so die SP-Nationalrätin aus Wettingen. 

Binder dafür, Feri dagegen

Binder ist klar für den Vorschlag des Bundesrats, die «Heiratsstrafe» bei der Bundessteuer abzuschafffen. «Es geht darum eine Ungerechtigkeit zu beseitigen, die schon seit Jahrzehnten besteht.» Ganz anders Feri. Sie stört sich vor allem daran, dass Rentner von der neuen Regelung so stark profitieren: «Sie haben keine Auslagen mehr für Kinder und kleinere Wohnungen. Ich verstehe hier die Motivation des Bundesrates nicht.»  Gleichzeitig müssen unverheiratete Paare mit Kindern mehr abgeben. «Wenn schon, dann sollen beide gleich viel zahlen.»

Wer profitiert, wer verliert? Hier einige Beispiele: 

Paare mit verschiedenen Einkommen im Vergleich.

Binder stört das neue Ungleichgewicht nicht. «Es geht jetzt um die Beseitigung der alten Ungerechtigkeit.» Es gebe immer wieder neue Argumente, warum an der Besteuerung für Verheiratetet nichts geändert werden könne. «Dabei können solche Probleme vom Parlament im Nachhinein immer noch angepasst werden.»  

Individualbesteuerung als Lösung?

Für Feri ist es wichtig, das Gesamtpaket im Blick zu haben: «Wenn man alles anschaut, dann sind Ehepaare nicht benachteiligt. In einigen Bereiche haben sie Vorteile, zum Beispiel bei der Unfallversicherung.» Feri ist für eine Individualbesteuerung. Dabei soll es keine Rolle spielen, ob eine Person verheiratet ist oder im Konkubinat lebt. Das heisst: Jede Person soll einzeln besteuert wird, unabhängig vom Beziehungsstatus. Damit will die SP-Politikerin auch die verschiedenen Familienmodelle berücksichtigen, beispielsweise gleichgeschlechtliche Paare mit Kindern. «Die Familienrealitäten haben sich geändert. Dafür müssen wir Strukturen schaffen, auch im Steuergesetz.»

Binder sieht bei der Individualbesteuerung neue Nachteile: «Die Kantone wollen keine Individualbesteuerung. Sie fürchten den Aufwand und die Kosten.» Feri hält dagegen, bei Ueli Maurers Vorlage sei das mindestens so kompliziert: «Wenn die Kantone zwei verschiedene Veranlagungen ausrechnen müssen für Ehepaare, dann ist das auch ein grosser Aufwand.»

 Schauen Sie hier die ganze Sendung: 

Auf Heiratsstrafe folgt Konkubinatstrafe?

Auf Heiratsstrafe folgt Konkubinatstrafe?

Der Bundesrat will Ehepaare steuerlich nicht mehr benachteiligen. Neu sollen dafür Konkubinatspaare mit Kindern mehr zahlen. Eine gerechte Lösung?