Für Gehässigkeiten gebe es im Wahlkampf keinen Platz, sagte FDP-Präsident Philipp Müller gleich zu Beginn der Sendung «Talk Täglich» auf Tele M1. Und so verzichteten die drei bürgerlichen Aargauer Ständerats-Kandidaten in der Gesprächsrunde denn auch mehrheitlich auf gegenseitige Attacken.

Erst diese Woche gab CVP-Nationalrätin Ruth Humbel ihre Kandidatur für die Ständeratswahlen vom Herbst 2015 bekannt. Die Nationalräte Hansjörg Knecht (SVP) und Philipp Müller (FDP) hatten ihren Anspruch auf einen der beiden Aargauer Sitze im Frühling angemeldet. Der erste gemeinsame Auftritt der bürgerlichen Kandidaten machte nebst vielen Gemeinsamkeiten auch einige Unterschiede deutlich. So sprachen sich zwar alle drei für eine sechsspurige A1, aber nur CVP-Politikerin Ruth Humbel für einen höheren Benzinpreis aus.

Uneinig bei Atom und Burka

Die Antworten auf die Frage von Moderator und az-Chefredaktor Christian Dorer nach ihrer Einstellung zum Atomausstieg fielen ebenfalls unterschiedlich aus: Während sich Ruth Humbel nicht eindeutig auf Ja oder Nein festlegen mochte, sprach Hansjörg Knecht von einem falschen Entscheid. FDP-Präsident Müller sagte, seine Partei trage die Energiewende mit, wolle aber anderes als der Bundesrat ein Konzept mit Lenkungsabgaben. Und auch beim Burka-Verbot waren sich die Talk-Gäste uneinig. Humbel und Müller sprachen sich für die Durchsetzung des Vermummungsverbots aus – worunter auch Burkas fallen. Knecht lehnte ein Verbot ab: Er habe Mühe mit Vollverschleierungen, aber jeder solle sich anziehen, wie er wolle.

CVP-Politikerin Ruth Humbel hat von den drei Kandidaten die Partei mit dem kleinsten Wähleranteil hinter sich. Weshalb sie sich trotzdem Chancen auf die Wahl ausrechne, fragte Moderator Christian Dorer. Sie wolle die Stimmen bei den Unentschlossenen holen, antwortete Humbel. «Ein grosser Teil der Wählerschaft ist parteiunabhängig und denkt selbstständig.» Zudem handle es sich um Persönlichkeitswahlen. Ihr liege die lösungsorientierte Politik im Ständerat mehr als parteipolitisches Gezänk, sagte Humbel.

Hansjörg Knecht, der für die SVP ins Rennen geht, hält den Bekanntheitsgrad nicht für ausschlaggebend – wichtiger sei der Leistungsausweis. «Wähler schätzen Sachpolitik und ich bin als Sachpolitiker in den Nationalrat gewählt worden.» Bisher sei aber bei ihm eher Kommissions- statt Medienarbeit im Vordergrund gestanden. «Bis zu den Wahlen bleibt noch genügend Zeit, um die Positionen darzulegen», sagte Knecht. Er glaube nicht, dass er SVP-Stimmen an Müller verlieren könnte: «SVP-Wähler wollen das Original.»

Philipp Müller sagte, die Profile der Kandidaten würden sich im Wahlkampf nun nach und nach schärfen. Als Ständerat wäre der Verkehr sein vordringlichstes Thema, sagte Müller. Schwerpunkte wären die A1, aber auch der Bahnausbau. «Das wird ein grosses und teures Geschäft, bei dem sich der Aargau mit einer starken Stimme in Bern einbringen können muss.»