Kinder auf dem Schulweg

Wer Kinder anspricht, hat nicht zwingend Böses im Sinn

Kind auf dem Schulweg

Kind auf dem Schulweg

Die Polizei bittet, dass sich Eltern und Schule bei einem Verdacht melden. Erst nach Absprache mit der Polizei sollten Briefe verfasst und verschickt werden. Ansonsten könnten verfrüht versendete Briefe für unnötige Unruhe sorgen.

Dreimal hatte in Muri ein unbekannter Mann in den letzten Wochen versucht, Kinder auf dem Schulweg in sein Auto zu locken – keines von ihnen stieg ein. Auch in Oberrohrdorf soll es Anfang März zu ähnlichen Fällen gekommen sein. Weitere Vorkommnisse wurden aus Schöftland, Niederwil und Münchwilen gemeldet.

Jedes Mal reagierten Eltern, Lehrpersonen und Öffentlichkeit geschockt und besorgt. «Wie können wir Kinder für solche Vorfälle sensibilisieren?», fragen sie und wenden sich – wie auf der az-Internetseite – so an die Polizei: «Reagiert endlich! Nicht erst dann, wenn es zu spät ist.»

Pro Jahr rund 50 gemeldete Fälle

Roland Pfister, Medienchef der Kantonspolizei, versteht die Ängste im Zusammenhang mit Fällen des «verdächtigen Ansprechens». Manche Menschen vermuten, dass sich die Vorfälle gehäuft haben, doch Pfister relativiert: «Der Kantonspolizei Aargau werden pro Jahr rund 50 Fälle gemeldet.

Die Mehrheit von ihnen entpuppt sich als nicht zutreffend - als Missverständnis.» Der Medienchef erzählt von einem Fall, der sich unlängst in einer Gemeinde ereignet hat. Dort habe sich der «Unbekannte» als Lehrperson erwiesen. Anderswo wurde beobachtet, wie ein Mann ein Kind ansprach. Die Abklärungen ergaben, dass ein Vater seinem Kind die Hausschlüssel übergeben hatte.

Werden Beobachtungen fantasievoll angereichert? Pfister differenziert: «Wird ein Fall bekannt, haben Kinder oft das Gefühl, sie hätten genau dasselbe gesehen.» Eine ehemalige Schulpflegerin, die nicht namentlich genannt sein will, stimmt dieser Aussage zu.

In Widersprüche verstrickt

Sie erwähnt einen Fall in Münchwilen. «Ein Primarschüler erzählte, dass er von einem unbekannten Mann angehalten worden sei. Bei der Befragung durch die Polizei hat sich der Bub dann in Widersprüche verstrickt.» Der Vorfall konnte nicht belegt werden.

Lehrpersonen, so die einstige Schulpflegerin, befänden sich «stets auf einer Gratwanderung. Einerseits müssen sie Ängsten der Eltern Rechnung tragen, andererseits sollen sie keine Ängste schüren.» Sind Elternbriefe mit Hinweisen auf einen unbekannten, Kinder ansprechenden Mann sinnvoll?

«Ja», sagt Roland Pfister, aber: «Wir wünschen uns, dass die Schule zuerst die Kantonspolizei über einen Vorfall informiert und in Absprache mit dieser Briefe verfasst.»

«Lieber eine Meldung zu viel»

So hatte in der Region Niederwil, Fischbach-Göslikon und Bremgarten Ende 2012 ein Elternbrief für Unruhe gesorgt. «Die Regionalpolizei Bremgarten hatte leider keine Kenntnisse von dessen Versand», so Pfister.

Als die Polizei vom Brief erfahren habe, habe man sofort mit der Schulleitung von Niederwil Kontakt aufgenommen. «Solche Briefe sind oft gut gemeint, doch man muss aufpassen, dass nicht unnötig Angst geschürt wird. Oft gibt es bei solchen Briefen Missverständnisse, denn es ist ein sehr sensibles Thema», so Pfister.

Obgleich dieses von Ängsten begleitet ist, warnt der Medienchef: «Wir dürfen nicht hinter jedem Baum einen Straftäter vermuten, aber: bei einem konkreten Verdacht lieber eine Meldung zu viel als zu wenig.»

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