Regierungsratswahlen
Wer ist Hochulis möglicher Nachfolger Robert Obrist eigentlich?

Susanne Hochuli kannte alle, weit über die Kantonsgrenzen hinaus. Ihr potenzieller Nachfolger Robert Obrist ist vielen noch unbekannt. Wer ist der Grossrat aus Schinznach, der für die Grünen den Sitz im Regierungsrat halten soll?

Manuel Bühlmann
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Eine Ferienwoche bleibt, dann zieht er in den Wahlkampf. «Kurz und heftig», sagt Robert Obrist. Der 58-jährige Schinznacher will für die Grünen in den Regierungsrat. Ein Szenario, das schon länger auf dem Papier besteht, nach Susanne Hochulis Verzicht auf eine erneute Kandidatur nun Realität wird. Obrist sitzt seit Januar 2014 im Grossen Rat, die Wahl hatte er zwei Jahre zuvor verpasst, rutschte später nach

Als Finanzpolitiker hat er sich rasch einen Namen gemacht. Einen Erfolg konnte er beim überraschenden Nein zum Sparpaket feiern, er war einer der führenden Köpfe im Gegnerlager. Den Kampf gegen die Abbaubestrebungen nennt Obrist als Hauptmotivation für seine Bewerbung um einen Regierungssitz. «Überall wird gespart, da will ich Gegensteuer geben.» Der Agronom und Departementsleiter am Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frick (FiBL) sagt: «Als Naturwissenschaftler bin ich ein Zahlenmensch.»

«Ein typischer Grüner und Linker»

Grossräte anderer Parteien, die Robert Obrist aus der Finanzkommission kennen, bezeichnen ihn als kollegial und umgänglich. GLP-Grossrat Sander Mallien findet am Telefon lobende Worte, während er vom Matterhorn heruntersteigt: «Umgänglich, gut vorbereitet, macht seine Hausaufgaben.» Dennoch sagt Mallien: «Ich denke, er hat keine Chance. Einerseits weil die SVP auf einen zweiten Sitz beharrt, anderseits weil er keine Frau ist.» Robert Obrist antwortet auf die Frage nach seinen Erfolgsaussichten lachend: «Keine Ahnung wie meine Chancen stehen. Die Spekulationen überlasse ich den Medien.»

Ebenfalls keine Prognose wagen Lukas Pfisterer (FDP) und Pascal Furer (SVP), die mit dem Grünen in der Finanzkommission sitzen. Während Ersterer über Obrist sagt, er bringe sich in der Kommission ein und vertrete seine Meinung als Grüner konsequent, sagt Letzterer: «Er ist ein typischer Grüner und Linker.» Umwelt und Bildung sind die Themen, die Obrist neben den Finanzen am meisten umtreiben. Allerdings schert er immer mal wieder aus, vertritt eigene Ideen. Vor den Nationalratswahlen sprach er sich etwa auf Vimentis als einziger Vertreter seiner Partei nicht dafür aus, mehr Kriegsflüchtlinge aufzunehmen.

Vorstösse reicht Obrist, der sich dem «grün-liberalen Flügel» zuordnet, oftmals mit Vertretern anderer Parteien ein. «Warum nicht?», fragt er. «Als Mitglied einer Kleinpartei bin ich auf die Zusammenarbeit angewiesen.» In die Politik und zu den Grünen gebracht hat ihn die Wahl Christoph Blochers 2003 in den Bundesrat. «Jetzt muss ich handeln», habe er sich damals gedacht. Dass er lange kein politisches Amt ausübte, hatte vor allem mit seiner Familie zu tun. «Meine Frau hat mir stets gesagt: ‹Entweder Gemeinderat oder ich›», verriet er der az schon vor zwei Jahren. Inzwischen ist die Tochter ausgezogen, die Zustimmung der Frau eingeholt. Mit der Unterstützung der Familie kann er den Wahlkampf beginnen, in dem er seine Bekanntheit unter anderem mit der «Initiative für eine Grüne Wirtschaft» steigern will.

Auf Twitter ist Obrist seit kurzem aktiv, die Website ist noch im Umbau – «Bitte Geduld!», steht dort. Gedulden musste sich auch Obrist, bis der Entscheid Hochulis feststand. Er glaube nicht, dass er dadurch wichtige Zeit verloren habe. «Uns fehlen ohnehin die Ressourcen für einen langen Wahlkampf.» Kurz und heftig – so will er um die Gunst des Aargauer Stimmvolks werben.