Regierungsratswahlen

Wer ist Franziska Roth? Die SVP-Kandidatin ist die grosse Unbekannte im Wahlkampf

Will für die SVP in die Aargauer Regierung: Franziska Roth.

Will für die SVP in die Aargauer Regierung: Franziska Roth.

Franziska Roth: Der Kandidatin der SVP fehlt es an politischer Erfahrung, aber nicht an politischer Linie.

Hätte die SVP eine andere Kandidatin aufgestellt, wenn man schon im Frühling gewusst hätte, dass der Sitz von Regierungsrätin Susanne Hochuli frei wird? Kann sein oder auch nicht. Einen Nachteil – vielleicht ihren einzigen, wer weiss – hat Franziska Roth auf jeden Fall bis wenige Wochen vor der Wahl noch nicht wirklich wettmachen können: Sie ist keine Politikerin, man kennt sie kaum.

Aber wie viel muss man überhaupt über eine Kandidatin wissen, um ihr als Wähler das Regierungsamt zuzutrauen? Über grosse politische Erfahrung verfügt Franziska Roth nicht, aber dass sie dem rechtsbürgerlichen Kurs der SVP linientreu folgt, so viel hat sie klargemacht. Die SVP-Kandidatin ist Juristin, hat Erfahrung als selbstständige Rechtsanwältin und ist seit 2008 Bezirksgerichtspräsidentin in Brugg. Das prädestiniert noch niemanden zur Regierungsrätin, aber andere vor Roth brachten nicht mehr mit.

Der Spider von Franziska Roth

Der Spider von Franziska Roth

Harte Linie im Gerichtssaal

Im Wahlkampf sorgte Roth erstmals für Aufsehen, als sie mit eigenwilligen Positionsbezügen zur Bildungspolitik aufwartete: grössere Klassen, mehr Disziplin, weniger Heilpädagogik und Schulsozialarbeit, strikte Konzentration auf die Grundfertigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen. Kurz: zurück zu einer Schule, wie wir sie vor 40 Jahren kannten.

Im eigenen Lager kam das an. Aber es sorgte auch für Kopfschütteln. Und zwar nicht nur in linken Kreisen. Dass sich die BDP anmasst, mit kaum fünf Prozent Wähleranteil mit einer eigenen Kandidatur Anspruch auf einen Regierungssitz zu erheben, begründet sie nicht zuletzt mit diesen Aussagen der SVP-Kandidatin: Sie habe sich damit als schlicht unwählbar qualifiziert, es brauche eine Alternative für die bürgerliche Mitte.

7 Fragen, 7 Mal nur Ja oder Nein als Antwort

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Das sagen die Kandidaten Roth, Dieth und Feri zu Atomausstieg, integrativer Schule und mehr Polizisten. (16.8.2016)

Im Ernst: Sie meint es ernst

Franziska Roth scheint das nicht gross zu kümmern. Sie liefert wohl präzisierende und erläuternde Ergänzungen zu ihren Aussagen nach, aber sie relativiert sie in keiner Weise. Im Gegenteil: «Und ob ich das ernst gemeint habe», gab sie der Brugger Lokalzeitung «Regional» kürzlich zu Protokoll. «Franziska Roth legt nach», titelte das Blatt denn auch das Interview mit der SVP-Kandidatin, das sie auf ihrer Homepage zum Nachlesen empfiehlt.

Roth spricht darin von einer «Verweiblichung der Schule» und meint damit nicht etwa die Tatsache, dass Primarlehrkräfte heute grossmehrheitlich Frauen sind. Nein: Vor allem Buben wollten sich mit anderen messen, aber alles, was nach Leistung und Konkurrenz aussieht, werde heute verteufelt. Die Regierungsratskandidatin, die hauptsächlich ihrem Sohn zuliebe das Anglerpatent machte und nun Fischen zu ihren Hobbys zählt, will in der öffentlichen Schule «offene und versteckte Versuche» ausgemacht haben, «Buben quasi umzupolen».

Dass sie im Wahlkampf nicht mit offenem Visier antreten würde, diesen Vorwurf kann man der SVP-Kandidatin also sicher nicht machen. Ob es auch zu ihrem Vorteil ist und Stimmen ausserhalb der Stammwählerschaft bringt, aus der politischen Mitte, steht auf einem anderen Blatt. Weniger Staat und mehr Eigenverantwortung, renitente Asylbewerber internieren und straffällige Ausländer ausschaffen. Wenn es Franziska Roth in der kurzen Zeit überhaupt gelungen ist, sich ein politisches Image zuzulegen, dann ist es das der Hardlinerin.

Regierungsratskandidatin Franziska Roth im Fokus

Regierungsratskandidatin Franziska Roth im Fokus

Was bedeutet die Nomination der Brugger Bezirksgerichtspräsidentin und wie wird sie versuchen, ihren Bekanntheitsgrad zu verbessern? (April 2016)

Es steht in einem eigenartigen Kontrast zum äusseren, eher spitzbübischen Erscheinungsbild der 52-Jährigen. Aber auch zu den wenigen Spuren, die sie in ihrer bisherigen politischen Tätigkeit hinterlassen hat. Franziska Roth war ein paar Jahre Einwohnerrätin in ihrer Wohngemeinde Brugg. Damalige Ratskollegen waren eher überrascht, von ihrer Regierungsratskandidatur zu erfahren, und schildern ihre politische Arbeit als zurückhaltend, weder im positiven noch negativen Sinn auffallend, zu Wort gemeldet habe sie sich kaum. Das ist die vornehme Umschreibung für jemanden, dem man weniger vornehm das Attribut der Hinterbänkler verpasst.

Raus aus der Komfortzone

Und als Hinterbänklerin gewinnt man keine Regierungsratswahlen. Sie sei von der Anfrage für die Kandidatur selber etwas überrascht gewesen, hat Franziska Roth in einem Interview gesagt. Aber man habe jemanden gesucht, der durchsetzungsstark ist, und diese Voraussetzung bringe sie mit, sagt Roth selbstbewusst über Roth. Mit der Kandidatur habe sie nun die Komfortzone verlassen, und um Aufmerksamkeit zu bekommen, müsse man eben manchmal auch provozieren. Auch wenn sie in der Politik ein unbeschriebenes Blatt ist: Das ist Franziska Roth doch schon einmal ganz gut gelungen.

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