Diese Woche hat eine NAB-Regionalstudie schweizweit mit der Aussage Furore gemacht, der Aargau sei zum beliebtesten Wohnkanton geworden. Untermauert wurde dies mit den interkantonalen Netto-Zuwanderungszahlen. Allein von 2005 bis 2010 haben sich netto 5000 Zürcherinnen und Zürcher im Aargau niedergelassen. Die Netto-Binnenzuwanderung betrug 2010 rund 3000 Personen. Als nächstbeliebte Zuwandererkantone folgen Freiburg mit 2100 und das Wallis mit 900 Personen.

Viele junge Familien

Besonders viele junge Familien ziehen in den Aargau. Das hat seinen Grund. Hier ist das Wohnen günstiger als in Zürich oder Basel, man bekommt also für das gleiche oder weniger Geld mehr Raum, die steuerliche Belastung ist moderat und die wichtigsten wirtschaftlichen Zielgemeinden (Zürich, Basel, Zug, auch Bern) sind verkehrsmässig gut erreichbar. Studienverfasser Thomas Rühl sieht denn auch die verkehrstechnische Erreichbarkeit als grössten Aargauer Standorttrumpf.

Aargau hinter Luzern

Viele Indikatoren ergeben letztlich ein Gesamtbild. Dazu gehört, wie viel frei verfügbare Mittel den Menschen nach Zahlung ihrer Fixkosten bleiben. Also nach Zahlung vorab der Wohn- und Nebenkosten, der obligatorischen Abgaben aus Steuern, Sozialabgaben und Krankenkassenprämien. Bei diesem Index steht der Aargau nicht vorn, sondern direkt hinter Luzern auf Rang 14. So gesehen ist er gar nicht so attraktiv. Aber – und das ist ausschlaggebend – im Aargau bleiben den Menschen deutlich mehr Mittel als in den Nachbarkantonen Zug (19. Rang), Bern (20), Zürich (22), Baselland (23) und Basel-Stadt (25).

Viel Erleichterung für das Portemonnaie

Ein Beispiel aus der Studie zeigt, was der hypothetische Wohnortswechsel einer Mittelstands-Familie aus Dietikon ZH nach Stetten im Ostaargau für deren Portemonnaie bedeuten kann. Nehmen wir an, sie bewohnt in Dietikon ein Einfamilienhaus mit mittlerem Ausbaustandard und einer Fremdfinanzierung von 80 Prozent. Das Ehepaar, nennen wir es Meier, hat zwei Kinder, ein Vermögen von 300000 Franken und ein gemeinsames Erwerbseinkommen von 150000 Franken.

Mit Familienzulage und Vermögensertrag kommen die Meiers brutto auf 156200 Franken. Nach Abzug aller obligatorischen Abgaben (Steuern, Vorsorge-, Sozialversicherungsbeiträge, Krankenkassenprämien) bleibt ein verfügbares Einkommen von 107100 Franken. Nach Zahlung von Wohnkosten, Nebenkosten, Energie- und Stromkosten sowie der Kosten für die tägliche Autofahrt nach Zürich bleibt der Familie noch ein frei verfügbares Einkommen von 48800 Franken.

18000 Franken Differenz

Mit einem Umzug nach Stetten würde sich das frei verfügbare Einkommen auf 67000 Franken erhöhen. Die 18000 Franken Differenz sind fast vollständig auf die tieferen Wohnkosten in Stetten zurückzuführen, denn die obligatorischen Abgaben sind praktisch identisch mit denjenigen in Dietikon. Dem finanziellen Gewinn steht jedoch eine längere Pendeldauer in die Stadt Zürich gegenüber. Diese beträgt ab Stetten neu knapp 30 Minuten, gegenüber 12 Minuten ab Dietikon.

Die Region Mutschellen rangiert im 110 Wirtschaftsregionen umfassenden schweizerischen Standortqualitätsindikator der NAB-Studie auf dem hervorragenden siebten Platz. Unsere Grafik zeigt die Unterschiede beim frei verfügbaren Einkommen zwischen dieser Region sowie der Stadt Zürich und ihrem Agglomerationsgürtel. Mit Fahrzeiten zwischen 15 und 30 Autominuten in die Stadt Zürich sowie der Bremgarten-Dietikon-Bahn und der Busverbindung durch den Üetlibergtunnel ist die Region verkehrstechnisch sehr gut erschlossen. Und sie ist auch finanziell interessant. Ausser in Bergdietikon liegt das frei verfügbare Einkommen laut Studie in sämtlichen Gemeinden im oder über dem Schweizer Durchschnitt. Die tieferen Wohnkosten machen hauptsächlich den Unterschied aus. Noch ein Beispiel dazu: Eine 100-m²-Mietwohnung in Berikon AG kostet auf dem Markt durchschnittlich 1780 Franken netto. Im praktisch benachbarten Aesch ZH kostet sie durchschnittlich 2200 Franken. Man rechne.