Wer vorzeitig seine Steuern überweist, wird dafür belohnt. Nicht nur mit dem guten Gefühl, die lästige Pflicht bereits getan zu haben, sondern auch finanziell. Vergütungszins nennt sich der Betrag, der jenen Personen überwiesen wird, die ihre Steuern vorzeitig bezahlen. In Zeiten von bescheidenen bis inexistenten Zinsen für einige Steuerzahler eine willkommene Gelegenheit, um doch noch ein wenig Geld für ihr erspartes Geld zu erhalten.

Weniger erfreulich als für die Privatpersonen ist diese Möglichkeit für die Behörden. Zahlen viele Bürger im Voraus zu hohe Beträge ein, zahlt der Staat unter Umständen den Banken Gebühren, um diese Gelder dort zu lagern. Das eidgenössische Finanzdepartement hat kürzlich auf die neue Ausgangslage reagiert und den Zins auf vorzeitig bezahlte Bundessteuern für nächstes Jahr gestrichen.

Bislang lag dieser bei 0,25 Prozent. Und auch im Kanton Luzern gehen die Steuerzahler künftig leer aus, der Zins wird ab Januar auf 0,0 Prozent gesetzt.

Ob der Kanton Aargau diesen Beispielen folgen wird, zeigt sich im Verlaufe des Novembers. Dann entscheidet der Regierungsrat über eine allfällige Anpassung des Vergütungszinses. Zurzeit liegt dieser im Kanton Aargau bei 0,1 Prozent. Zum Vergleich: Vor drei Jahren betrug dieser noch ein Prozent. Seither wurde er weiter reduziert.

Frühe Einzahlungen auch für Gemeinden gut

Die deutliche Reduktion bringen bereits erste Auswirkungen mit sich, wie die Erfahrungen zeigen. «Die Zinssenkung auf 0,1 Prozent per 2016 hat dazu geführt, dass bis jetzt deutlich weniger Einzahlungen erfolgten als in den Vorjahren», sagt Roland Aregger, Leiter Volkswirtschaft beim kantonalen Steueramt.

Dort wird denn auch ein positiver Vergütungszins befürwortet. Areggers Begründung: «Ein Anreiz für frühzeitige Einzahlungen soll bestehen bleiben.» Zum einen falle durch die Einzahlungen vor der Fälligkeit das Risiko weg, dass die Steuerpflichtigen den Zahlungstermin verpassen. Zum anderen würden es viele Gemeinden aus Liquiditätsüberlegungen begrüssen, wenn die Einzahlungen grossmehrheitlich nicht erst knapp vor der Fälligkeit erfolgen.

Geld ausleihen lohnt sich

Die neue Ausgangslage wirkt sich auch auf den Betrag aus, den der Kanton den vorzeitigen Steuerzahlern auszahlen muss. Der Zinsaufwand sank seit 2013 um rund zwei Millionen Franken. Hingegen werden Negativzinsen fällig, sobald das Kontokorrentguthaben eine gewisse Grenze übersteigt. Seit 2015 zahlte der Aargau rund 100'000 Franken Negativzinsen, wie das kantonale Steueramt auf Anfrage mitteilt.

Allerdings sei dieser Betrag nicht allein auf die zu früh einbezahlten Steuern zurückzuführen, da auch grössere ausbezahlte Beträge von Bund oder Nationalbank eine Rolle spielten. Dazu kommt: Der Aargau profitiert umgekehrt von der veränderten Ausgangslage auf den Finanzmärkten. Roland Aregger: Die Summe der Beträge, die der Kanton aktuell erhalte, wenn er Darlehen aufnehme, sei um ein Vielfaches grösser als die bezahlten Negativzinsen. Für das Jahr 2016 rechnet das Finanzdepartement mit Einnahmen von rund 3 Millionen Franken.