Der Kanton Aargau unterstützt das Pilotprojekt der Schweizerischen Flüchtlingshilfe, Flüchtlinge auch privat unterzubringen. «Die Behörden im Aargau sind für uns ein positives Beispiel für eine konstruktive Zusammenarbeit», sagt Stefan Frey, Mediensprecher der Flüchtlingshilfe. Dasselbe Projekt läuft auch noch in einem andern Kanton. Im Aargau sei von derzeit sechs Angeboten von privaten Unterkünften die Rede.

Die Auswahl treffen die zuständige Stelle des Departements Gesundheit und Soziales zusammen mit der Flüchtlingshilfe. Untergebracht werden laut Frey Flüchtlinge, vorläufig aufgenommene Asylsuchende und Asylsuchende in Abklärung, bei denen jedoch eine definitive Aufnahme ausser Zweifel steht. Nicht geeignet für private Unterbringung sind kriegstraumatisierte Flüchtlinge oder solche, die erhöhten Betreuungsaufwand brauchen.

Keine Schnelllösungen

Laut Frey werden keine Schnelllösungen gesucht. «Wer ein Angebot meldet, bei dem steht nicht anderntags eine Flüchtlingsfamilie auf der Matte», erklärt Frey. «Das ist ein längerer Prozess, bei dem es zuerst um das gegenseitige Kennenlernen gehe.» Nach wie vor nehmen Flüchtlingshilfe und Kanton Angebot von Privaten entgegen. «Es ist von Vorteil, wenn die Räume, die zur Verfügung gestellt werden, abschliessbar sind», so Frey.

Auch separate Nasszellen seien erwünscht. So will man laut Frey auch verhindern, dass es zu Konflikten kommt, sollen doch private Unterbringungen auch länger dauern können. «Ideal ist, wenn jemand eine freie Einliegerwohnung anbieten kann», sagt Frey. Doch es können auch lediglich separate Räume sein. Bedingung ist laut Balz Bruder, Sprecher des Departements Gesundheit und Soziales, dass stabile soziale Verhältnisse beim Anbieter vorliegen und die Flüchtlinge eigenständig leben können.

Wer Flüchtlinge aufnehmen wolle, sollte auch die Zeit haben, diese Menschen im Alltag zu begleiten und sie in ihrer neuen Umgebung eingewöhnen helfen. «Die Erfahrung zeigt, dass gerade solche Flüchtlinge besser und rascher integriert würden, als Asylsuchende in grossen Unterkünften. Frey macht klar, dass Private vom Kanton eine Abgeltung erhalten würden, die aber nicht dem Marktwert einer Wohnung entsprechen könne. «Es ist eine kleine Minderheit von privaten Anbietern, für das Geld ein wichtiges Argument darstellt», fügt Stefan Frey an.

Auch Gemeinden gefordert

Balz Bruder erklärt, dass die Kontrolle der privaten Unterkünfte durch den Kanton erfolgen würde. Für die Betreuung der Flüchtlinge und deren amtliche Anliegen sei die Gemeinde verantwortlich, ausgenommen die Gemeinde habe diese dem Kanton übergeben. Auch versicherungstechnisch gäbe es keine Hürden für Private, so seien Flüchtlinge ohnehin krankenversichert. Die Abgeltung erfolge je nach Unterkunft «im üblichen Rahmen», so Balz Bruder, was immer im Einzelfall angeschaut werden müsse. Dass der Gastgeber die Flüchtlinge jedoch als gewerbliche Arbeitskräfte einspannt, sei weder vorgesehen noch erlaubt.

Patrizia Bertschi, Präsidentin des Vereins Netzwerk Asyl, ist gegenüber der privaten Unterbringung eher skeptisch. Da würde Privaten eine hohe Verantwortung auferlegt, derer sie sich vielleicht nicht ganz bewusst seien, so Bertschi. Aus ihrer Sicht sind auch bei der Auswahl die notwendigen Absicherungen zu tätigen.

Seit Regierungsrätin Susanne Hochuli auf ihrem Grundstück eine Mutter mit zwei Kindern aus Angola untergebracht hat, sind private Unterkünfte für Asylsuchende ein Thema geblieben. Im Falle von Hochuli handelt es sich allerdings um eine kantonale Unterkunft auf ihrem Land. Die Flüchtlingshilfe Schweiz ordnet dem Kanton Aargau, der in der jüngsten Vergangenheit vor allem durch Widerstand gegen kantonale Asylunterkünfte aufgefallen ist, laut «Tagesanzeiger» sogar ein Pionierrolle zu.

Die private Unterbringung könne und soll aber nicht die bestehenden Strukturen im Asylwesen ersetzen, heisst es beim Departement Gesundheit und Soziales. Laut Hochuli hat die private Unterbringung aber ihren Wert als beispielgebendes Engagement für Menschen, die um gesellschaftliche Anerkennung kämpfen.