Herr Füglistaller, was für einen Eindruck haben Sie von «Mini Beiz, dini Beiz»?

Josef Füglistaller: Es gibt ja inzwischen sehr viele Koch- und Esssendungen und längst nicht allen kann ich viel abgewinnen. Bei dieser muss ich aber wirklich sagen: Sie ist eine gute Plattform für unser Gewerbe.

Wie kommen Sie zu diesem Schluss?

Das sagen die, die mitgemacht haben. Wer die Sendung schaut, kann sich ein gutes Bild machen von unserer Gastronomie. Als Beizer wird man nicht verrissen, auch der Schwächste erhält noch eine gute Bewertung. Etwas kritisch bin ich, was die Auswahl der gezeigten Lokale angeht.

Warum?

Für mein Empfinden werden die Restaurants, die in einer Woche gezeigt werden, zu stark gemischt. Teilweise wird ein einfaches Bergrestaurant mit einem Gourmetlokal verglichen. Diese Vielfalt kann für den Zuschauer einen Reiz haben, gastronomisch gesehen wäre es aber interessanter, beispielsweise fünf Landgasthöfe nebeneinanderzustellen.

Worin liegt für einen Betrieb der Reiz, in der Sendung mitzumachen?

Das eine ist sicher die Werbung: Ein KMU, wie es die meisten Aargauer Gastrobetriebe sind, hätte sonst finanziell niemals die Möglichkeit, eine solche Präsenz zu erhalten. In der gegenwärtigen Situation kann unser Gewerbe diese Unterstützung sehr gut gebrauchen.

Also ist die Sendung einfach eine
willkommene Gratiswerbung?

Das wäre zu kurz gegriffen. Was ich vor allem auch sehr schätze, ist der Blick hinter die Kulissen: Die Sendung zeigt, was es alles braucht, bis ein Menü auf dem Tisch steht. Das sieht der Gast sonst nicht. So wird dem einen oder anderen bewusst, wie viel Arbeit hinter einer Bestellung in seiner Beiz steckt und woraus sich der Preis in der Speisekarte zusammensetzt. Zudem motiviert uns die ehrliche Kritik der Stammgäste, aufzupassen und jeden Tag mit der gleichen Sorgfalt ans Werk zu gehen.

Haben Sie sich auch schon überlegt, mit Ihrem «Kellerämterhof» mitzumachen?

Ich wurde tatsächlich kürzlich von einem Stammgast vorgeschlagen. Die Produktionsfirma der Sendung fragte mich danach an. Wir sagten aber ab. Da wir für unseren Betrieb keine Nachfolge gefunden haben, werden wir im Sommer definitiv schliessen. Wir würden in der Sendung also nur jemandem den Platz wegnehmen.

Sie sind höchster Aargauer Wirt und erleben das Beizensterben am eigenen Leib. Was macht das mit Ihnen?

Ich habe im Scherz schon gesagt: Gut, dass sie die Sendung jetzt machen. In ein paar Jahren gäbe es wohl zu wenig Beizen, dann müssten sie wieder von vorn anfangen. Das macht mich natürlich traurig. Traditionsbetriebe verschwinden. Ich erwarte, dass es in den nächsten fünf Jahren nochmals einen gewaltigen Rutsch geben wird. Aber dafür entstehen andere, vielfältige Angebote.