Vor Donato Del Duca (36) sitzen nicht Kriminelle, sondern Flüchtlinge. Es geht um viel für diese Menschen. Del Duca ist nicht da, um mit ihnen zu weinen. Er ist da, um ihre Geschichte vom juristischen Standpunkt anzuschauen. Doch er ist auf ihrer Seite.

Del Ducas Aufgabe ist es, abzuklären, ob der negative Asylentscheid gerechtfertigt ist. Dazu studiert er die Akten des Bundesamts für Migration und lässt sich von den Menschen die Gründe ihrer Flucht erzählen. Erst dann entscheidet er, ob es Sinn macht, Beschwerde gegen den Entscheid zu führen, oder nicht.

Bei einem Asylbewerber aus Nordafrika, der zuvor jahrelang in Spanien lebte und wegen der Wirtschaftskrise in die Schweiz kam, macht es keinen Sinn. Bei einem Somalier dagegen schon eher.

Für die richtigen Leute einsetzen

Obwohl er sich hinter Paragrafen verstecken könnte, tut er es nicht. Von sich aus erzählen viele Flüchtlinge nicht von ihrer Flucht. Um die Geschichte besser einordnen zu können, muss Del Duca nachfragen.

Er hört dann Geschichten, die er lange nicht vergisst. Da war zum Beispiel der eritreische Vater, der mit seinen vier Kindern in den Sudan flüchtete. Von dort ging es weiter durch die Wüste nach Libyen. Während der Reise erkrankte eines seiner Kinder. Der Vater musste sich entscheiden: Lasse ich das Kind zurück oder bleibe ich und laufe damit Gefahr, dass alle Kinder sterben werden? Er liess das Kind zurück.

Ein guter Tag ist für Donato Del Duca, wenn es morgens in der Post positive Asyl-Entscheide hat. «Das bedeutet, dass ich gute Arbeit geleistet und mich für die richtigen Leute eingesetzt habe», sagt er.

Bis der erste Entscheid kommt, kann es lange dauern. Manchmal Jahre. Obwohl: «In letzter Zeit kommen die Entscheide schneller», sagt Del Duca. Für ihn ist wichtig, gut mit Kanton und Bund zusammenzuarbeiten. Er zweifelt nicht an der Qualität ihrer Arbeit. «Das sind spezialisierte Fachleute, die ihre Arbeit gut machen.» – Del Duca hilft, allfällige Fehler auszumerzen.

Letztes Jahr hat er zusammen mit zwei Kolleginnen 1001 Beratungen durchgeführt. Er erlebt, wie Familien auseinandergerissen werden, er hört einer Nigerianerin zu, die ihm von der Gewalt erzählt, die ihr auf einem Flüchtlingsboot angetan wurde. «Das berührt», sagt Del Duca.

Er erlebe aber auch die andere Seite – Menschen, die zurückmussten und heute zufrieden sind mit ihrer Situation. Er erwähnt einen jungen Mann aus Niger, der ihm hin und wieder schreibt, dass es ihm nun gut gehe.

Anwalt für Menschen ohne Geld

Warum Del Duca das tut? Der Anwalt erzählt, dass er an der Universität auch Völkerrecht studierte und zum Internationalen Roten Kreuz wollte, dann eine Familie gründete und sich darum entschied, hier etwas für diese Menschen zu tun.

Er arbeitet seit über sechs Jahren beim Hilfswerk der evangelischen Kirchen Schweiz (Heks) als Leiter der Rechtsberatungsstelle. Finanziell getragen wird seine Tätigkeit zusätzlich von Caritas Aargau und der reformierten Landeskirche Aargau.

«Mir ist es wichtig, dass auch Menschen, die sich das nicht leisten können, einen Anwalt bekommen.» Und zwar einer, der seinen Job ebenso gut mache wie einer, den sie bezahlen müssten, sagt Del Duca.

Trotzdem wird er bald auch in anderen Rechtsgebieten tätig sein – als Anwalt in einer Aarauer Advokatur. Er wird sich dort vor allem um ausländerrechtliche Fragen kümmern. Dafür gibt er diesen Bereich bei Heks auf. Den Flüchtlingen bleibt er jedoch treu.

Flüchtlinge, das sind für Del Duca ganz normale Menschen mit gleichen Zielen im Leben, gleichen Problemen im Alltag wie er selber. Sein nächster Termin ist ein Gespräch mit einer Familie aus Syrien.