EU-Gegner
Wenn Roger Köppel in Lupfig spricht, gibt es zu wenig Stühle – dafür viel zu lachen

«Die Aargauer haben genauer begriffen, um was es in der Eidgenossenschaft geht», sagte Roger Köppel bei einem Vortrag im «Ochsen».

Mario Fuchs
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«Ein Naturschutzgebiet oder ein Ballenberg für die Leute im Aussendepartement»: Roger Köppel in Lupfig.

«Ein Naturschutzgebiet oder ein Ballenberg für die Leute im Aussendepartement»: Roger Köppel in Lupfig.

Aargauer Zeitung

Die Show begann mit einer Entschuldigung. «Es tut mir aufrichtig leid», sagte Otto H. Suhner, Präsident von Perspective CH, «Forum für Weltoffenheit und Souveränität», am Donnerstagabend im Saal des «Gasthofs zum Ochsen».

Der war nicht bis auf den letzten Platz gefüllt, sondern darüber hinaus: rund 250 Leute waren gekommen, um sich von den Nationalräten Roger Köppel und Luzi Stamm erklären zu lassen, warum ein Rahmenabkommen mit der EU des Teufels sei.

Titel: «Europapolitik – quo vadis». Wer nicht rechtzeitig kam, musste irgendwo im Dorf parkieren, weil der Restaurant-Parkplatz längst voll war. Das «Ochsen»-Personal trug irgendwann keine zusätzlichen Stühle mehr in den Saal – weil es keine mehr gab.

«In 20 Jahren», sagte Suhner peinlich berührt und freudig gerührt, «musste bei uns noch nie jemand stehen.» An diesem Abend traf es sogar Politprominenz wie Thierry Burkart (FDP, Vizepräsident Perspective CH) oder Hansjörg Knecht (SVP).

Relativ verärgerter Zustand

Die Feldmusik Lupfig spielte auf der Bühne zur Begrüssung. Dann legte Gemeindeammann Richard Plüss (SVP) seine Posaune nieder, trat ans Rednerpult, sagte in Anspielung auf den nahen Flugplatz Birrfeld: «Falls Sie im Stau gestanden sind hierhin: Sie könnten uns auch noch per Flugzeug erreichen.»

Es war der erste, aber nicht der letzte Lacher in den nächsten anderthalb Stunden. Suhner übergab das Wort SVP-Regierungsratskandidatin Franziska Roth. Diese setzte zu ihrer Vorstellung an: «Ich gehe davon aus, dass die meisten mich mittlerweile...» – «Lüüter!», rief es aus dem Publikum, «schaltet das Mikrofon aa!» – «Me ghört jo nüüt!».

Im dritten Anlauf hörte man etwas. «Es ist ganz wichtig, dass die bürgerliche Politik gestärkt wird, damit unsere Sicherheit und unser Wohlstand nicht gefährdet sind», warb Roth für sich – «und nehmen Sie draussen noch Flyer mit, verteilen Sie diese in Ihrer Nachbarschaft. Danke!» Applaus, nachschenken aus der Literflasche Apfelsaft, ein Biss vom Sandwich. Jetzt war man bereit für den Hauptact.

Roger Köppel, hellblaues Businesshemd, rot-weiss gestreifte Krawatte, stellte sich vor das Publikum. Eigentlich, sagte er, habe er sich «auf einen lauschigen Abend im kleinen Kreis gegen Ende der Woche vorbereitet», jetzt sei er «erschlagen vom gewaltigen Interesse».

Als Stadtzürcher schäme man sich ja immer ein wenig, wenn man in den Aargau komme: «Wenn man schaut, was alles aus dieser Stadt herausgelassen wird, sind wir ja froh, dass wir in der Schweiz überhaupt noch toleriert werden!»

Gelächter – und ein Lob vom Zürcher: «Die Aargauer sind vielleicht ein wenig später als die Zürcher in die Eidgenossenschaft gekommen, dafür haben sie genauer begriffen, um was es geht.» Köppel berichtete vom Europa-Forum, das am Montag in Luzern stattgefunden hatte, und das ihn «in einen relativ verärgerten Zustand» versetzt habe.

Der Grund: «Die unglaubliche Arroganz dieser Leute, die vergessen haben, warum sie in der Politik sind.» Gefreut hatte ihn die Wahl Donald Trumps: «Sie zeigt das Grossartige der Demokratie: am Schluss gewinnt der, von dem die Leute finden, jetzt geben wir dem mal die Stimme.»

Grosse Applaus, keine Blumen

Anhand historischer Querverweise und Anekdoten aus Bundesbern – oft mit Seitenhieben gegen die Linke – erklärte der «Weltwoche»-Verleger, warum er gegen ein Rahmenabkommen Schweiz-EU ist. Heute wolle gar niemand mehr in die EU – ausser die Mitarbeitenden in Burkhalters Aussendepartement: «Manchmal denke ich, man müsste ein Naturschutzgebiet oder ein Ballenberg für sie schaffen.»

Internationales Recht sei jenes Recht, von dem niemand wisse, wie es zustande komme. Davor graue es einem doch. Die Schweiz habe 283 Verträge mit der EU. Von der Personenfreizügigkeit seien nur 6 betroffen.

«Ich habe mit X Diplomaten geredet. Die sagen alle, die EU werde die Verträge nie kündigen.» Stattdessen werde Angstmacherei betrieben von jenen, die nicht darüber hinweg gekommen seien, dass das Volk bei der Masseneinwanderungsinitiative anders entschieden habe als erhofft. Luzi Stamm pflichtete seinem Parteikollegen in einem Kurzreferat bei: «Weg mit dieser Grenzöffnungspflicht!»

Der «Ochsen» schenkte den Rednern zum Dank grossen Applaus, und Organisator Otto H. Suhner je ein Fabrikat aus dem eigenen Unternehmen: einen Winkelschleifer. Dazu sagte er zwar nichts. Die Message war aber klar: Blumen brächten einen im Kampf gegen die EU nicht weit.

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