Wespenplage
Wenn die Feuerwehr Jagd auf Wespen macht

Auch in diesem Sommer haben Millionen von Wespen den Aargau heimgesucht. Feuerwehrleute löschen derweil nicht nur Brände, sondern beseitigen auch lästige Nester. Die Aargauer Zeitung war mit den Wespenjägern unterwegs.

Manuel Bühlmann
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Unterwegs gegen die Wespennester
8 Bilder
Mit pulverförmigem Gift werden die Wespen bekämpft
In Küttigen kümmert sich die Feuerwehr um lästige Wespennester
Die Wespen geben der Feuerwehr zurzeit viel Arbeit
Sicher ist sicher
Erich Birchler von der Feuerwehr Küttigen im Einsatz gegen Wespen
Feuerwehrmann Erich Birchler kontrolliert, wohin die Wespen genau fliegen
Damit wird das Gift in die Wespennester gesprüht

Unterwegs gegen die Wespennester

Emanuel Freudiger

Das laute Surren verrät, dass Erich Birchler getroffen hat. Mit einem gezielten Schuss verteilt er das Gift im Storenkasten – dort, wo sich die Wespen ihr Nest gebaut haben.

Aufgeschreckt vom weissen Pulver strömen sie an die frische Luft. «Die Wespen wollen sich verteidigen», erklärt Erich Birchler, Feuerwehrmann in Küttigen.

Und in diesem Moment wird klar, warum er über der Feuerwehrausrüstung einen weissen Imkerschutz trägt.

Wespenplage im Aargau

«Es sind deutlich mehr Wespen als in den Vorjahren», sagt Othmar Eicher, Fachspezialist Obstbau im Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. Dafür verantwortlich sei in erster Linie das Wetter. Das bestätigt auch Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau. «In einem warmen Sommer ist das Futterangebot grösser.» Jenny spricht von «keinem wahnsinnigen Wespenjahr». Die Zahlen würden wohl knapp über dem Durchschnitt liegen. «Wie es genau aussieht, müsste mit wissenschaftlichen Methoden geprüft werden.» Glücklich schätzen könne sich, wer Hornissen in der Nachbarschaft habe: «Denn diese fressen Wespen», sagt Jenny. Für alle anderen hat Othmar Eicher einen Tipp aus dem Obstbau: Flaschen aufhängen, die mit einer Köderflüssigkeit aus Süssmost und Essig im Verhältnis vier zu eins gefüllt sind. (Mbü)

Aus sicherer Distanz beobachtet er, wie das tödliche Gift wenig später zu wirken beginnt. Spätestens nach zwei Tagen könne das Nest entsorgt werden, sagt Birchler.

Er warnt seine Nachbarin Margrit Schmid, welche die Feuerwehr zu Hilfe gerufen hat, vor den toten Wespen: «Sie stechen genau gleich wie die lebenden, denn Giftdrüse und Stachel sind trotzdem noch da.»

Wespen halten Feuerwehr auf Trab

Einsätze wegen Wespennestern sind bei der Feuerwehr Küttigen in diesem Sommer häufig. Etwa 25 waren es bereits, ein Ende ist nicht in Sicht.

Eine grosse Zusatzbelastung für eine Freiwilligenfeuerwehr. Birchler kann nur deshalb am Vormittag auf Wespenjagd gehen, weil sein Velogeschäft erst am Nachmittag öffnet.

50 Franken zahlt, wer im Kampf gegen die Wespen die Feuerwehrleute um Unterstützung bittet. Ein Service, den einige Aargauer Gemeinden anbieten.

Auf ihren Webseiten raten sie aber auch, den Kampf gegen die unliebsamen Insekten selber in die Hand zu nehmen: mit einem Wespenspray.

Dieser kommt auch bei Birchlers nächstem Auftrag zum Einsatz. Tage zuvor beseitigte die Feuerwehr in Küttigen bereits ein Haus weiter ein Nest, nun haben sich die Wespen auf dem Balkon der Familie Schumacher niedergelassen.

Zu sehen ist allerdings nur eine kleine Gruppe. Geduldig schaut Erich Birchler, ob und wo die Insekten im Gitter unter dem Dach ein und aus fliegen. Doch sie scheinen die Absichten des Feuerwehrmanns zu erahnen, verhalten sich ruhig.

Pulverförmiges Gift gegen Nester

Nichts weist auf ein Nest hin – bis Birchler den Spray einsetzt. Plötzlich fallen reihenweise Wespen aus den kleinen Löchern im Gitter.

Die Befürchtung der Mutter, die sich um ihre beiden kleinen Kinder sorgt, bewahrheitet sich doch noch. Mit dem pulverförmigen Gift bekämpft Birchler auch dieses Nest.

Kaum ist der Einsatz abgeschlossen, kommt auch schon der nächste Auftrag. Eine Nachbarin hat das Feuerwehrauto gesehen und meldet ein Wespennest zwischen Schwimmbad und Fussballplatz.

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