Strassengesetz

Wenn das Ambulanzauto angerauscht kommt, muss man den Weg freimachen

Die Ambulanz kollidierte ausserhalb von Schafisheim mit einem Auto

Die Ambulanz kollidierte ausserhalb von Schafisheim mit einem Auto

Am Freitag kollidierte eine junge Automobilistin mit einem Ambulanzfahrzeug. Viele Verkehrsteilnehmer wissen nicht genau, wie sie sich verhalten müssen, wenn ein Fahrzeug mit Sirene angerauscht kommt. Prinzipiell haben Notfallfahrzeuge Vortritt.

Eigentlich, sollte man meinen, dass Frau und Herr Schweizer wissen, was zu tun ist, wenn ein Notfallfahrzeug hör- und sichtbar ist. Dem scheint aber nicht so.

In der Nacht vom letzten Freitag auf Samstag war eine Ambulanz in Richtung Safenwil unterwegs, da dort das Untergeschoss eines Mehrfamilienhauses in Brand stand. Doch die Sanität kam trotz Horn und Blaulicht nicht in Safenwil an. Denn sie kollidierte auf dem Weg mit einem Pw, der von einem Waldweg auf die Strasse einbog.

«Die junge Autolenkerin hatte einen Alkoholpegel von 1,2 Promille in ihrem Blut. Noch wird aber abgeklärt, ob sie auch schuld an der Kollision ist», sagt Roland Pfister, Infochef der Aargauer Kantonspolizei.

Unfallschreiber wird ausgewertet

Zudem gibt es eine Untersuchung, ob der Fahrer der Sanität Blaulicht und Horn während der Fahrt auch wirklich angeschaltet hatte und ob er nicht mit zu hoher Geschwindigkeit unterwegs war. «Die Staatsanwaltschaft Zofingen hat die Auswertung der Daten des Unfallschreibers angeordnet», bestätigt Pfister. Eine solche Auswertung wird bei jeder Kollision eines Notfallfahrzeuges, welche allesamt mit einem Unfallschreiber ausgestattet sind, vorgenommen.

Polizei, Ambulanz und Feuerwehr sind im Notfall immer vortrittsberechtigt - wenn sie Horn und Blaulicht eingeschaltet haben. «Aber wenn Einsatzkräfte gezwungen sind, Verkehrsregeln zu missachten, muss auch die Wahrung der Sorgfalt gewährleistet werden», so Pfister. Beispielsweise fährt eine Polizeipatrouille im Einsatz wenn nötig schneller als erlaubt oder überfährt auf einer Kreuzung ein Rotlicht. In diesem Fall muss sich der Fahrer vergewissern, dass er keine anderen Verkehrsteilnehmer gefährdet. All diese Vorschriften sind im Strassengesetzbuch festgehalten.

Die Einsatzkräfte der Polizei werden eigens für solche Situationen geschult. Die wichtigste Aussage dabei lautet: «Holen Sie nicht mit schnellem Fahren Zeit auf, sondern mit schnellem Ausrüsten.» Trotzdem lassen sich Unfälle nicht komplett vermeiden. «Aber die Kollisionen mit Notfallfahrzeugen sind Ausnahmefälle», sagt Pfister rückblickend. «Meistens kamen die Beteiligten glimpflich davon, aber es gab auch schon schwere Fälle.»

Wie verhält man sich richtig?


Viele Verkehrsteilnehmer wissen nicht genau, wie sie sich verhalten müssen, wenn ein Fahrzeug mit Sirene und Blaulicht angerauscht kommt. «Eigentlich ist es simpel: Machen Sie den Weg frei und weichen sie nach rechts aus», erläutert der Infochef der Kapo. Das heisst, man hält an der rechten Seite oder verlangsamt stark, bis das Einsatzfahrzeug vorbeigefahren ist.

«Das Ausweichen auf die rechte Seite gilt auch auf der Autobahn. Ausser im Stau, dort sieht die Situation ein wenig anders aus», gibt Pfister zu bedenken. Dort soll man eine Gasse bilden. Das bedeutet, dass die Fahrzeuge auf der Überholspur nach links und die anderen nach rechts ausweichen. Pfister weist noch auf einen weiteren wichtigen Aspekt hin: «Vergewissern Sie sich immer, ob noch weitere Fahrzeuge folgen. Nicht dass für die nachkommenden Einsatzkräfte die Gasse verstellt ist.»

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