Wochenkommentar
Weniger Lohn für die AKB-Chefs: Ein Schnitt ins eigene Fleisch

Wochenkommentar über den Lohndeckel für die Aargauische Kantonalbank, den der Grosse Rat überraschend beschlossen hat.

Christian Dorer
Merken
Drucken
Teilen
AKB-CEO Rudolf Dellenbach (vorne rechts) muss in den nächsten Jahren nicht mit 600000 Franken Lohn auskommen.

AKB-CEO Rudolf Dellenbach (vorne rechts) muss in den nächsten Jahren nicht mit 600000 Franken Lohn auskommen.

Emanuel Freudiger

Einen derart überraschenden Entscheid gab es im Grossen Rat schon lange nicht mehr: Mit 117 zu 6 Stimmen wurde eine Motion angenommen, die die Cheflöhne der Aargauischen Kantonalbank (AKB) stutzt. Der CEO erhält künftig maximal das Doppelte eines Regierungsrats - 600 000 Franken. Im Rekordjahr 2011 war es inklusive Bonus knapp eine Million. Das ist viel Geld, im nationalen Bankenvergleich jedoch nicht überrissen.

Im Volk wird der Grossrats-Entscheid zweifellos gut ankommen. Doch ist er auch klug? Unbestritten ist: Die Wut über jahrelange Lohn-exzesse bei Grosskonzernen sitzt tief. Zumal selbst Manager wie Ex-UBS-Chef Marcel Ospel Millionen kassierten, obwohl sie ihr Unternehmen an den Rand des Ruins geführt haben. Und wenn ein CEO in einem einzigen Jahr über 70 Millionen Franken garniert, wie CS-Chef Brady Dougan, dann ist das schlicht unanständig. Die Begründung, der Markt verlange dies, ist ein Hohn: In der überschaubaren Top-Liga gibt es keinen Markt für CEOs; man fände zig fähige Banker, die einen dieser raren Jobs zu einem immer noch stattlichen, aber nicht exzessiven Salär annehmen würden.

In der Liga der AKB präsentiert sich die Situation etwas anders: Es gibt viele Banker, die in der bisherigen Grössenordnung des AKB-Chefs verdienen. Hier spielt der Markt tatsächlich. Wenn ein Regionenleiter der Konkurrenz mehr verdient als der CEO der AKB, dann wird es schwierig, Top-Leute für den Job zu gewinnen. Der AKB geht es heute nur deshalb so gut, weil sie eine kompetente Führung hat, die keine wesentlichen Fehler begangen hat. Deshalb liefert die AKB dem Kanton Aargau Jahr für Jahr einen stolzen Gewinn ab, eine Abgeltung für die Staatsgarantie und Steuern. 2011 waren es rund 85 Millionen Franken - ein Betrag, der in keinem Verhältnis steht zu den paar hunderttausend Franken, die jetzt bei den Lohnkosten gespart werden. Wenn Top-Leute künftig nicht mehr für die AKB arbeiten wollen, dann wird die Kürzung zum Schnitt ins eigene Fleisch.

Erstaunlich ist zudem, dass bis auf die Grünen alle Parteien für den Lohndeckel stimmten. Die SP kämpft seit je für Lohnbeschränkungen. Die bürgerlichen Parteien dagegen blockierten bisher auf nationaler Ebene alles, was wahre Lohnexzesse verhindert hätte; sie hatten es sogar abgelehnt, die Staatshilfe für die UBS an eine vernünftige Bonus-Politik zu knüpfen. Da mutet es nun scheinheilig an, wenn sich die Bürgerlichen ausgerechnet bei der AKB als Vorreiter für tiefere Löhne aufspielen. FDP-Fraktionschef Daniel Heller begründete es so: Einer privaten Bank soll man keine Lohnvorschriften machen, die AKB jedoch sei eine Staatsbank. Was er dabei vergisst: Die AKB bewegt sich im freien Markt und muss ihre Kader auf dem freien Markt suchen. Dass sie dazu die Instrumente des freien Marktes braucht, müsste einer Wirtschaftspartei eigentlich einleuchten.

Könnte es deshalb sein, dass andere Motive mitspielten? Dass zum Beispiel die SVP noch immer eingeschnappt ist, weil die AKB-Spitze damals nicht mithalf bei der Hatz auf Ex-Nationalrat und Ex-AKB-Bankrat Lieni Füglistaller, der wegen eines umstrittenen Kredits parteiintern ins Kreuzfeuer geraten war? Könnte es sein, dass die FDP die AKB möglichst rasch privatisieren möchte und nun auf Zermürbungstaktik setzt? Könnte es sein, dass manch ein Grossrat dem AKB-CEO Rudolf Dellenbach einen Denkzettel verpassen wollte, weil dieser wenig diplomatisch auftritt und nicht verbergen kann, dass er von Politikern nicht allzu viel hält?

Motionär Jean-Pierre Gallati (SVP) sagte: «Man wird auch künftig fähige Leute finden, die für 500 000 oder 600 000 Franken arbeiten.» Hoffen wir, dass Gallati recht hat. Sonst wird die Einsparung den Aargau teuer zu stehen kommen.