Ende letzten Jahres bezogen im Aargau 15'102 Personen eine IV-Rente. Dies gab Nancy Wayland Bigler, CEO der Sozialversicherung (SVA Aargau), bei der Vorstellung des Jahresergebnisses in Aarau bekannt. Den Versicherten wurden Leistungen von rund 339 Millionen Franken ausbezahlt.

Das sind sieben Prozent weniger als vier Jahre zuvor beziehungsweise ein Prozent weniger als im Jahr davor. Der Hauptgrund sei die demografische Entwicklung, so Wayland Bigler: «Immer mehr IV-Rentner erreichen das AHV-Alter und die IV-Rente wird durch die AHV-Rente abgelöst.»

Knapp 40 Prozent der IV-Rentnerinnen und Rentner leiden an einer psychischen Erkrankung und rund vier Prozent der Leistungsbeziehenden sind jünger als 25 Jahre alt. Dank gezielten Massnahmen habe man die Abklärungsdauer verkürzen können. Deshalb wurden im letzten Jahr 22 Prozent mehr Entscheide gefällt als im Vorjahr.

Vor dem Hintergrund der politischen Diskussion über die IV-Detektivvorlage des Bundes interessiert natürlich besonders, wie viele Missbrauchsfälle die SVA Aargau zählt.

Deren Zahl sei mit 0,3 Prozent sehr klein, so Wayland Bigler, und weiter: «99,7 Prozent beziehen ihre Leistungen also zu Recht.» Man sei zu einer korrekten Auszahlung verpflichtet und nehme das sehr ernst. Möglichen Missbrauch bekämpfe man nicht zuletzt auch mittels medizinischer Abklärungen. Observationen seien das letzte Mittel.

Wenn eine Observation angeordnet wurde, habe sich daraus «in der überwiegenden Zahl der Fälle eine Leistungseinstellung oder -reduktion ergeben». Letztes Jahr hatte die SVA Aargau acht solche Fälle. Dann wurden die Kantone Mitte Jahr vom Bundesamt für Sozialversicherungen angewiesen, Observationen zu stoppen. Dies, nachdem das Bundesgericht festgestellt hatte, dass dafür eine ausreichende gesetzliche Grundlage fehle.

10 Prozent weniger Personalkosten

Die SVA Aargau blicke auf ein erfreuliches Geschäftsjahr zurück, sagte Elisabeth Meyerhans Sarasin weiter, Präsidentin der Verwaltungskommission. Seit März 2017 sei die neu zusammengesetzte, komplettierte fünfköpfige Geschäftsleitung für das operative Geschäft verantwortlich – ein starkes Team, so Meyerhans.

Dank einer «konsequenten Aufgaben- und Ressourcenprüfung» habe die SVA Aargau die Durchführungskosten um zehn Prozent senken können. Dafür wurden auch die Personalkosten und der Mitarbeiterbestand gesenkt. Deren Zahl sank um rund 10 Prozent auf 346 Personen.

Dies sei sozialverträglich durchgeführt worden, indem man die natürliche Fluktuation genutzt und frei werdende Stellen nicht mehr besetzt oder umbesetzt habe, betonte Meyerhans. Möglich geworden sei dies durch effizientere Abläufe. Zudem ermöglichen digitalisierte Verfahren eine weniger personalintensive Aufgabenerfüllung. Daraus ergäben sich auch tiefere Kostenentschädigungen von Kanton und Bund.

In der Familienausgleichskasse profitieren die angeschlossenen Betriebe von einem tieferen Beitragssatz (1,29 statt 1,35 Prozent). Das entlastet den Kanton als grösster Kunde der SVA Aargau um 1 Million, den Wirtschaftsstandort Aargau insgesamt um rund 5 Millionen Franken.

Der Geschäftsverlauf 2017 sei solide gewesen, sagte Finanzchef Beat Stirnimann weiter. Die SVA Aargau hat einen Ertragsüberschuss von 10,2 Millionen Franken (Vorjahr 3,9 Millionen). Der Überschuss werde den allgemeinen Reserven zugewiesen.

2,4 Milliarden Franken ausbezahlt

In den acht Sozialversicherungen wurden Leistungen von 2,4 Milliarden Franken ausgerichtet. Damit hatte laut Wayland Bigler letztes Jahr jede dritte im Kanton wohnhafte Person mit der SVA Aargau Kontakt. Zudem war 2017 jede fünfte Person im Aargau auf Prämienverbilligung angewiesen, nämlich 139 099 Personen.

Eine Gesetzesänderung im Jahr 2016 führte zu einem Rückgang der anspruchsberechtigten Personen um 17 Prozent. Ebenso gingen die ausbezahlten Leistungen von 285 auf 265 Millionen Franken zurück. Die durchschnittlich ausbezahlte Prämienverbilligung betrug 1900 Franken.

Der Anteil der potenziell anspruchsberechtigten Personen, die keinen Antrag auf eine Prämienverbilligung einreichen, blieb in den letzten Jahren laut Wayland Bigler konstant und beträgt rund 23 Prozent.

Doch warum melden sich so viele nicht? Ein Grund sei, dass sich bei vielen die Einkommensverhältnisse verändern, man etwa nach dem Studium ein deutlich höheres Einkommen hat. Andere verzichteten bewusst auf diese Leistungen.

Es liege kaum daran, dass jemand diese Möglichkeit nicht verstehe, so Wayland Bigler. Im Mai startet der Codeversand für die Antragsstellung der Prämienverbilligung 2019. Dafür wird ein Infoblatt in die Haushalte verschickt.

EL: Anstieg deutlich gebremst

Die Änderung des Ergänzungsleistungsgesetzes durch den Grossen Rat zeigt bereits Wirkung. Seit 2017 wird bei den Altersrentnerinnen und -rentnern, die im Heim leben, ein höherer Vermögensanteil bei der Berechnung der Ergänzungsleistungen (EL) berücksichtigt. So sind Ergänzungsleistungen im Vergleich zu den Vorjahren (plus 3,7 Prozent) nur noch um 0,7 Prozent angestiegen.

Die durchschnittliche monatliche Ergänzungsleistung von Personen, die zu Hause leben, belief sich auf 660 Franken. Anspruchsberechtigten Personen im Heim wurden durchschnittlich 2340 Franken pro Monat ausbezahlt.