Für eine Woche frei vom Handy. Das ist die Idee der Stiftung «Aarau eusi gsund Stadt». Kurt Röthlisberger, Leiter der Stiftung, hat für die freiwilligen Teilnehmer aber keine hohe Hürde aufgestellt: «Alle, die mitmachen, müssen während der nächsten Woche mindestens einmal pro Tag das Handy ausschalten.»

Dabei soll der Aargauer Bevölkerung bewusst werden, wie viel Zeit sie mit ihrem Handy verbringen. Jeder und jede könne dabei den Sinn der permanenten Erreichbarkeit hinterfragen. Das Projekt heisst passenderweise «Freihändyg».

Der 28-jährige Benjamin Pfeuti aus Aarau macht beim Projekt mit. Er jedoch will sich radikaler einschränken: «Das Handy brauche ich während einer Woche nur zu Bürozeiten. Sobald ich mit der Arbeit zu Ende bin, schalte ich das Gerät aus.»

Er lebt mit seiner Freundin in Aarau und hat ein fünfzehn Monate junges Kind. Als er vom Projekt «Freihändyg» gelesen hat, war er sofort interessiert. «Ich habe schon mehrmals versucht, das Handy weniger zu brauchen, bisher ohne Erfolg», gesteht Pfeuti.

Er ertappe sich immer wieder selber dabei, wie er von seinem iPhone abgelenkt ist. «Die grösste Gefahr sehe ich dabei, dass man sich aus der realen Welt zurückzieht», so Pfeuti. Er denkt dabei auch an seinen 15 Monate alten Sohn: Die kommenden Abende will er sich nie vom Handy ablenken lassen, sondern sich Sohn Camil zuwenden, wenn dieser Aufmerksamkeit will.

Handy lenkt stark ab

Für die Kinder kann das Medienverhalten der Eltern Folgen haben. «Die Gefahr einer Depression bei Kindern erhöht sich, wenn sie nicht genügend Aufmerksamkeit mehr erhalten», sagt Social-Media-Experte Philippe Wampfler. Er hielt anlässlich des Projektstarts am Mittwoch in Aarau einem Vortrag.

Doch weil das Smartphone für viele junge Eltern ein fester Bestandteil im Leben ist, ist der gemässigte Umgang damit eine Herausforderung. Sie wollen ihrem Kind genügend Beachtung schenken und gleichzeitig immer zum Handy greifen können.

Denn die Smartphones sind Terminplaner, Spielkonsole, Kamera und Musikanlage zugleich. Zudem kann man mit dem Gerät mit der ganzen Welt kommunizieren. «Dies kann zu einer Belastung werden», sagte Experte Philippe Wampfler.

Die Angst, etwas zu verpassen, sei ein Hauptgrund für das unruhige Leben. «Wenn in der Runde ein Witz erzählt wird, will man mitlachen können», so Wampfler. Dazu benötigt man heute ein Smartphone: Denn Neuigkeiten werden häufig in sozialen Netzwerken ausgetauscht.

Die jungen Eltern müssen aber nicht nur ihren eigenen Umgang mit dem Gerät im Griff haben, sondern auch ihren Kinder dies lernen. Kinder kommen mit Smartphones schon früh in Kontakt. Die Folgen sind noch nicht absehbar.

Philippe Wampfler rät auf jeden Fall davon ab, Kinder vor der Pubertät alleine mit dem Handy zu lassen. Sie wären von der Informationsflut überfordert.