Häusliche Gewalt
Weniger Fälle von häuslicher Gewalt im Aargau

In den Jahren 2009 bis 2011 gingen die Fälle von häuslicher Gewalt in der Schweiz zurück, doch es gab vermehrt schwere Fälle zu verzeichnen. Auch im Aargau gingen die Fälle zurück, denn häusliche Gewalt ist immer weniger ein Tabu-Thema.

Christine Fürst
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Fälle von häuslicher Gewalt haben abgenommen. (Symbolbild)

Fälle von häuslicher Gewalt haben abgenommen. (Symbolbild)

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Zwar gingen in den Jahren 2009 bis 2011 die polizeilich registrierten Straftaten im häuslichen Bereich schweizweit zurück. «Die Fälle sind auch im Aargau rückläufig», bestätigt Roland Pfister, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau. Wurden im Jahr 2009 noch 1240 Fälle von häuslicher Gewalt registriert, waren es 2011 noch 973 Fälle. Eine Rücklaufquote von etwas mehr als 20 Prozent.

In durchschnittlich 10 Prozent der Fälle weist die Kantonspolizei oder die Regionalpolizei den Auslöser der Gewalt aus dem Haus weg. «Mit dem neuen Polizeigesetz haben wir die Möglichkeit, Personen aus ihrer Wohnung wegzuweisen. Davon wird mehrmals in der Woche Gebrauch gemacht», sagt Pfister.

Polizei wird schneller verständigt

Die schweizweite Kriminalstatistik zeigt jedoch, dass neben dem Rückgang der Fälle von häuslicher Gewalt die schweren physischen Gewaltstraftaten wie Tötungsdelikte und die schweren Körperverletzungen zugenommen haben. Auch im Aargau gab es Tötungsdelikte und schwere Körperverletzungen im häuslichen Bereich zu verzeichnen. So wurden 2011 zwölf Tötungsdelikte registriert, sechs davon fallen in den Rahmen der häuslichen Gewalt. Denn sobald sich Straftaten zwischen Familienmitgliedern oder in einer aktuellen oder ehemaligen Partnerschaft ereignen, werden sie als häusliche Gewalt deklariert.

UN Women-Kampagne

Zwischen 25.11. bis 10.12.2012 findet die UN Women-Kampagne statt. Im Rahmen dieser Kampagne ist die Aargauer Telefon-Hotline „Gegen Gewalt an Frauen" eingerichtet: 062 835 50 99 und www.unwomen.ch. Fachpersonen folgender Stellen erteilen Ihnen von 8 bis 17 Uhr Auskunft: Anlaufstelle gegen Häusliche Gewalt, Beratungsstelle Opferhilfe Aargau Solothurn, Frauenhaus Aargau Solothurn.

Wie Pfister ausführt, hätten die Fälle von schweren Körperverletzungen analog der Fälle von häuslicher Gewalt abgenommen. «Oft rücken wir wegen verbaler Streitereien aus, die geschlichtet werden müssen», sagt er. In den meisten Fällen komme es nicht zu einer Strafuntersuchung.

Pfister ergänzt, dass die Betroffenen und auch Angehörige viel schneller zum Telefon greifen als früher. Und er sagt: «Die Aufklärung in der Bevölkerung zeigt schon Wirkung.»

Anlaufstelle Häusliche Gewalt seit 2009

Seit dem 1. Juli 2009 werden im Kanton Aargau polizeiliche Einsätze wegen häuslicher Gewalt der Anlaufstelle Häusliche Gewalt gemeldet. Die Stelle kontaktiert danach die Betroffenen, aber auch die Auslöser der Gewalt und klärt auf. «Aus der Erfahrung zeigt sich, dass bei jenen Fällen, die an uns weitergegeben werden, die massiven Fälle von häuslicher Gewalt zunehmen», sagt Matthias Lüscher von der Aargauer Anlaufstelle gegen Häusliche Gewalt. Was er jedoch feststellt: «Es gibt immer weniger Wiederholungsfälle und da ist ein gewisser Effekt unserer Anlaufstelle zu verzeichnen.»

Ob jedoch der Rückgang der Fälle von häuslicher Gewalt im Aargau mit der Einführung der Anlaufstelle zusammenhängt, kann Lüscher nicht bestätigen. «Sicher ist, dass die Diskussion viel transparenter geführt wird», sagt er, «zudem ist die soziale Kontrolle grösser, die Nachbarschaft ist mehr auf solche Themen sensibilisiert.»

Zum Verfahren bei der Staatsanwaltschaft

Die Ständerätin Karin Keller-Sutter (SG) sagte in der Sonntagszeitung zum Thema der häuslichen Gewalt: «Die Staatsanwaltschaften haben die Tendenz, das Verfahren möglichst provisorisch einzustellen, um den Aufwand gering zu halten.» Die Staatsanwaltschaften müssten mehr in die Pflicht genommen werden. «Die Strafverfolgungsbehörden sind gesetzlich verpflichtet, bei Kenntnis von solchen Vorfällen aktiv zu werden», sagt Elisabeth Strebel, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft Aargau dazu. Im Aargau werde der Aufwand keineswegs gering gehalten. «Obwohl Fälle von häuslicher Gewalt grundsätzlich als Offizialdelikte ausgestaltet sind, können die Strafverfolgungsbehörden solche Fälle provisorisch einstellen, wenn sie den Eindruck haben, dies entspreche dem tatsächlichen Willen des Opfers. Dadurch soll verhindert werden, dass die Verfolgung von Amtes wegen quasi dem aufgeklärten, sich frei entscheidenden Opfer zuwiderläuft.» (cfü)