Schweizer Energiestatistik

Wenig Wärme, wenig Strom: Aargauer Müll wird nicht effizient verbrannt

Die Kehrichtverbrennungsanlage in Buchs wird energieeffizienter.

Die Kehrichtverbrennungsanlage in Buchs wird energieeffizienter.

Die Aargauer Kehrichtverbrennungsanlagen schneiden in der Schweizer Energiestatistik schlecht ab. Sie könnten die Strom- und Wärmenutzung optimieren. 2013 konnte von den drei KVA im Kanton nur Turgi über dem Richtwert landen.

Wenn Abfall verbrannt wird, entsteht Energie. Diese Energie kann in Strom oder Wärme umgewandelt und so für andere Zwecke wieder eingesetzt werden. Je höher der sogenannte Stromnutzungsgrad und der Wärmenutzungsgrad einer Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) sind, umso energieeffizienter ist die Anlage.

Jährlich wird eine Energiestatistik der Schweizer KVA erstellt, worin diese energetischen Kennzahlen festgehalten und bewertet werden. Ein Blick auf die Zahlen aus dem Jahr 2013 zeigt: Zwei der drei Aargauer KVA werden als nicht energieeffizient eingestuft.

Um als energieeffizient zu gelten, muss die Anlage einen von der Energieverordnung definierten Mindestwert erzielen (siehe rote Linie in der Grafik). Oftringen liegt mit seinen Werten knapp unter der Grenze, Buchs liegt deutlich darunter. Als einzige Aargauer KVA wird jene von Turgi eingestuft. Sie liegt über der blauen Linie.

Wärmenutzungsgrad in Prozent

Wärmenutzungsgrad in Prozent

Die KVA in Buchs hat im Jahr 2013 rund 110 000 Tonnen Abfall verbrannt. Aus der entstehenden Abwärme konnte sie 13 Prozent ins Stromnetz zurückgeben und 20 Prozent ins Fernwärmenetz einspeisen.

Verglichen mit anderen Anlagen ist das nicht viel. Als besonders energieeffizient gilt die Anlage Hagenholz in Zürich. Sie verbrannte 2013 rund 255 000 Tonnen Abfall und konnte davon einen Stromnutzungsgrad von 15 Prozent und einen Wärmenutzungsgrad von 52 Prozent erzeugen. Rolf Schumacher von der KVA in Buchs sagt: «Diese Zahlen sind einer der Gründe, wieso wir letztes Jahr für über 100 Millionen Franken die Gesamtanlage erneuert und eine alte Ofenlinie ersetzt haben.»

Die genauen energetischen Kennzahlen für das Jahr 2014 wurden zwar noch nicht ausgewertet, aber bei einer Hochrechnung von Schumacher zeigt sich, dass Buchs in der neuen Statistik wohl deutlich bessergestellt sein wird. Rund 120 000 Tonnen habe die Anlage letztes Jahr verbrannt, sagt Schumacher. Der Stromnutzungsgrad betrug etwa 17 Prozent und der Wärmenutzungsgrad 24 Prozent.

Konkret ausgedrückt konnten in Buchs etwa 63 000 Megawattstunden Wärme verkauft und 64 000 Megawattstunden Strom ins Netz eingespeist werden. Zum Vergleich: Mit der Energie von einer Kilowattstunde kann man einen Eimer mit zehn Litern Wasser von 20 auf 100 Grad Celsius erhitzen.

Auch in der Anlage in Oftringen soll in Zukunft der Abfall energieeffizienter verbrannt werden. Jacques Hartmann, Geschäftsleiter der KVA Oftringen, sagt, dass im April 2015 diverse Umbauten getätigt werden sollen.

Unter anderem werde ein Wärmetauscher eingebaut. «So ist der Wärmeverlust kleiner und es kann mehr Strom erzeugt werden.» 2013 konnte Oftringen bei rund 94 000 Tonnen verbranntem Abfall 21 Prozent Strom und nur 8 Prozent Wärme erzeugen. Hartmann sagt: «Unser Wärmelieferungsnetz in Oftringen ist nicht so gross. Darum macht es auch keinen Sinn, mehr Wärme zu erzeugen.» Dafür sei die Stromerzeugung umso grösser.

Schumacher von der KVA Buchs sagt: «Unser Auftrag ist es, Abfall zu verwerten. Dabei nutzen wir die dabei entstehende Energie möglichst effizient. Vor allem im Hinblick auf die Abschaltung von Atomkraftwerken und auf die Energiewende 2050.»

Meistgesehen

Artboard 1