Statistik-Serie Aargau

Welches sind die wahren «Autofahrer-Gemeinden» im Auto-Kanton Aargau?

Wo es im Aargau die meisten Autos gibt: Die wahrhaftigste «Auto-Gemeinde» im «Auto-Kanton» ist Schinznach-Bad.

Wo es im Aargau die meisten Autos gibt: Die wahrhaftigste «Auto-Gemeinde» im «Auto-Kanton» ist Schinznach-Bad.

Wo im Aargau findet man am einfachsten eine ledige Frau? In welchen Gemeinden werden am fleissigsten Kinder gezeugt? Oder wo ist die Arbeitslosigkeit am höchsten? In einer zehnteiligen Serie verraten wir Ihnen mit interaktiven Karten und Grafiken interessante, überraschende und lustige Fakten und Zahlen über den Kanton Aargau. Zum Start: Auto-Fakten.

2015 gab es in der Schweiz rund 4,46 Millionen Personenwagen, was pro 100 Einwohner einer Zahl von rund 54 entspricht. Zumindest im Vergleich mit den grossen und bevölkerungsreichen Kantonen wird der «Auto-Kanton» Aargau seinem Ruf gerecht: Hier waren rund 378 000 Autos gemeldet, auf 100 Einwohner kommen damit 58 Personenwagen.

Rechnet man pro Fahrzeug eine durchschnittliche Länge von drei Metern, dann würden sich diese hintereinandergereiht auf einer Distanz von über 1100 Kilometer stauen – was ziemlich genau der Länge des Aargauer Kantonsstrassennetzes entspricht.

Aber das tun sie natürlich nicht. Durchschnittlich, so eine Schätzung, wird ein Auto in der Schweiz nur gerade während einer Stunde am Tag benutzt. Die 378 000 Personenwagen belegen im Kanton also hauptsächlich Abstellflächen. Wobei auch diese Feststellung wieder nicht ganz korrekt ist.

Bessere Ansicht für PC-Nutzer: Klicken Sie in der Grafik auf dieses Symbol Fullscreen, um die Karte in voller Grösse zu sehen.


Grafik: Elia Diehl

Interaktive Karte: Wo es im Aargau am meisten Autos pro Einwohner gibt

Denn massgebend für die in der Statistik verwendeten Zahlen ist nicht der Standort des Fahrzeugs, sondern die Adresse des Fahrzeughalters. Und dieser kann auch eine juristische Person sein, zum Beispiel der Autoimporteur Amag mit Sitz in Schinznach-Bad.

Dort seien Hunderte von Fahrzeugen gelöst, die mit unterschiedlichsten Nummernschildern in der ganzen Schweiz unterwegs seien, heisst es bei der Amag auf Anfrage – als Einsatzfahrzeuge für Mitarbeiter etwa oder als Sponsoringfahrzeuge für Künstler und Sportler.

Der laut kantonaler Statistik einsame Spitzenreiter Schinznach-Bad, wo auf beinahe jeden Einwohner ein Auto kommt, entpuppt sich auf den zweiten Blick also als nur durchschnittlich motorisiert. Die Gemeinde passt damit in den Bezirk Brugg, der mit einem Wert von 59 Personenwagen pro hundert Einwohner im kantonalen Mittelfeld liegt.

Grafik: Elia Diehl

Am höchsten ist der Motorisierungsgrad mit knapp 63 Personenwagen auf 100 Einwohner im Bezirk Laufenburg.

Höchste Autodichte in Baldingen

Den Spitzenplatz von Schinznach-Bad erbt – nach Abzug des Amag-Effekts – die Zurzibieter Gemeinde Baldingen mit 80 Personenwagen pro 100 Einwohner.

Gemeindeschreiber Frank Reinhardt ist von diesem Befund nicht überrascht. Grund für die hohe Autodichte seien die abgeschiedene Lage auf der Höhe sowie die Wohnverhältnisse. In Baldingen, so Reinhardt, gebe es praktisch keine Mietwohnungen. «Die Leute leben grösstenteils in Einfamilienhäusern, und es gibt viele Doppelverdiener-Paare.»

Und viele arbeiten auswärts, in Baden oder Zürich, wohin kein öV führt. Lediglich nach Bad Zurzach fährt dann und wann ein Bus.

Um einen nachhaltigen Verkehr zu erreichen, müsse der Aargau ein besseres öV-Netz anbieten, fordert denn auch Fabio Gassmann vom VCS Aargau. In Gemeinden wie Baldingen ist dies aber natürlich auch eine Frage des Kosten-Nutzen-Verhältnisses.

Bis vor etwa 15 Jahren sei ein Bus ins Surbtal gefahren, sagt Gemeindeschreiber Reinhardt. Dieser sei jedoch teilweise von nur einer Person benutzt worden. «Da wäre es dann billiger gewesen, für diese Person ein Taxi zu bestellen.»

 

Der VCS Aargau fordert weiter, dass verdichteter gebaut und die Zersiedlung gestoppt wird. Zudem müsse der motorisierte Individualverkehr künftig auch externe Kosten wie Lärm, Unfälle oder Klimaschäden selber tragen, so Gassmann.

Aus der Statistik kann, mit etwas gutem Willen, allerdings auch eine Trendwende herausgelesen werden. Zwar erhöhte sich der Personenwagenbestand 2015 mit 1,8 Prozent gleich stark wie im Vorjahr.

Aber das Wachstum im Verhältnis zur Einwohnerzahl verlangsamte sich. Während in den Jahren 2011 bis 2013 jeweils Zuwachsraten von einem Prozent und mehr ausgewiesen wurden, ist die Rate seit 2014 rückläufig und liegt nun bei 0,41 Prozent.

Meistgesehen

Artboard 1