Abstimmungs-Hitparade

Welche Mini-Gemeinde am heftigsten gegen den Kampfjet schoss, wo die Wölfe am meisten Freunde haben

Energiegesetz-Befürworter machten Fehler wie Klimajugend und worauf sich Glarners SVP besinnen sollte

Energiegesetz-Befürworter machten Fehler wie Klimajugend und worauf sich Glarners SVP besinnen sollte – der Videokommentar zum Abstimmungssonntag von Rolf Cavalli.

SVP-Initiative, Jagdgesetz, Kampfjets, Energievorlage etc: Wir haben die jeweils zehn Gemeinden rausgesucht, die am meisten für und gegen eine Abstimmungsvorlage stimmten. Dabei kommt Bemerkenswertes zum Vorschein.

Die Aargauerinnen und Aargauer stimmten bei allen ­nationalen Vorlagen im Landestrend. Beim näheren Hinschauen gibt es aber in­te­res­sante Besonderheiten.

57,6 Prozent gegen Begrenzungsinitiative, aber ein Bezirk dafür

Was für eine Diskrepanz: Während die Aargauerinnen und Aargauer die Masseneinwanderungsinitiative damals noch mit 55,2 Prozent unterstützten, hatte die neueste SVP-Vorlage auch im Aargau keine Chance: Sie ging mit 42,4 Ja zu 57,6 Prozent Nein bachab (schweizweit: 61,7 Prozent Nein).

Besonders wuchtig war die Ablehnung in den Städten: In Aarau stimmten 74,4 Prozent Nein, in Baden sogar 77,6 Prozent. Den Extremwert erzielte Ennetbaden mit 81,7 Prozent Nein-Anteil. Aber auch kleinere Städte wie Lenzburg verwarfen die Vorlage haushoch (71,2 Prozent Nein). Ein kleiner Trost für die SVP: In ihrer Hochburg Bezirk Kulm wurde die Begrenzungsinitiative mit 55,6 Prozent angenommen, am stärksten in Wiliberg mit 65,6 Prozent Ja-Anteil. Aber bereits im ebenfalls ländlichen Bezirk Muri schaffte es die SVP-Vorlage nicht zu einer Mehrheit. Nur 47,8 Prozent sagten dort Ja.

FDP-Präsident Lukas Pfisterer zeigte sich erleichtert. Es sei ein guter Tag für den Wirtschaftsstandort Aargau: «Er wird nicht unnötig geschwächt, Arbeitsplätze bleiben erhalten», so Pfisterer auf dem Kurznachrichtendienst Twitter.

Andreas Glarner meinte bei seiner Wahl zum Präsidenten der SVP-Kantonalpartei Anfang Jahr, nationale Themen würden die Leute mehr bewegen als kantonale. Wenn er recht hat, war der Abstimmungssonntag für die SVP Aargau kein gutes Omen im Hinblick auf die Grossratswahlen vom 18. Oktober, stellten sich die Aargauer Stimmberechtigten gestern doch bei vier von fünf nationalen Vorlagen gegen die SVP-Parole. Nur bei den Kampfjets gibt es Übereinstimmung.

Kampfjets: Mini-Gemeinde und Städte schossen am stärksten dagegen 

Je ländlicher die Gemeinde, desto grösser die Zustimmung zur Kampfjet-Vorlage im Aargau. Während in der Stadt Aarau nur 46,7 Prozent und in Baden 45,6 Prozent für Militärflugzeuge stimmten, waren auch Bezirke wie Brugg (57,9 Prozent Ja) oder Zofingen (58,0 Prozent) deutlich dafür. Genauso knapp wie schweizweit war das Resultat in der Stadt Lenzburg: Knappe 50,2 Prozent sagten Ja. Unter dem Strich steuerte der Aargau aber solide 56,9 Prozent Ja zum Gesamtergebnis bei.

Am meisten gegen die Kampfjets feuerten die Stimmbürger in der kleinen Zurzacher Gemeinde Kaiserstuhl. 44,3 Prozent stimmten Ja zur Vorlage, aber 55,7 Prozent Nein. Damit liess die 394-Seelen-Gemeinde sogar die Städte Aarau (53,3 Prozent Nein) und Baden 54,4 Prozent Nein) hinter sich.

GLP-Nationalrat Beat Flach zeigte sich «erstaunt, dass es so knapp wurde», und spricht gegenüber Tele M1 von einem Scherbenhaufen für die Sicherheitspolitik. Es sei jetzt an der Politik, zu beweisen, dass nach diesem knappen Ja das Geld für die Kampfjet-Beschaffung gut eingesetzt werde.

Herz für Wolf ist grösser als Verständnis für Bergkantone

Das Aargauer Stimmvolk stimmte beim Jagdgesetz gegen die betroffenen Bergkantone und mit den grossen, städtisch geprägten Kantonen wie Zürich. Der Schutz des Wolfes wurde stärker gewertet als die Möglichkeit der Kantone, selber über einen Abschuss zu entscheiden. 52,4 Prozent der Aargauerinnen und Aargauer sagten Nein zum Jagdgesetz, also noch mehr als schweizweit (51,9 Prozent Nein). Auffällig: Auch in ländlichen Bezirken hatte es das Jagdgesetz schwer. Sogar im konservativen Kulm wurde die Vorlage abgelehnt, wenn mit 50,1 Prozent äusserst knapp. Nur in den beiden Bezirken Zurzach (52,3 Prozent Ja) und Muri (55,2 Prozent Ja) fand das Jagdgesetz eine Mehrheit. Am klarsten abgelehnt wurde das Jagdgesetz in Kaiserstuhl mit 69,8 Prozent Nein und der kleinen Fricktaler Gemeinde Olsberg mit 62,6 Prozent Nein.

Nur jeder Dritte wollte Kinderabzüge erhöhen

Am klarsten abgelehnt wurde die Vorlage für höhere Kinderabzüge bei den Steuern. Sieben von zehn Aargauern sahen nicht ein, warum sie einer Vorlage zustimmen sollten, von der vor allem Besserverdienende profitiert hätten. Mit 68,3 Prozent Nein gegen 31,7 Prozent Ja ist das Ergebnis noch deutlicher als landesweit (63,2 Prozent Nein).

Vaterschaftsurlaub war keine glasklare Sache im Aargau

Wesentlich tiefer als schweizweit (60,3 Prozent) war der Ja-Anteil im Aargau zu zwei Wochen Vaterschaftsurlaub mit 53,3 Prozent Ja. Im Bezirk Kulm wurde die Vorlage sogar mit 57,6 Prozent Nein abgelehnt, Laufenburg und Lenzburg sagten mit 51,4 Prozent nur knapp Ja. Deutlich ist dafür die Annahme in den urbaneren Bezirken: Der Ja-Anteil in Aarau betrug 68 Prozent, in Baden sogar 71 Prozent.

Für SP-Nationalrätin Gabriela Suter ist das erst der Anfang. Auf Twitter schrieb sie gestern: An all jene, die das Ja zum Vaterschaftsurlaub nun als «fortschrittliche Familienpolitik» feiern würden: «Fortschrittlich und wirklich hilfreich wären Elternzeit, Tagesschulen und öffentlich finanzierte Kitas – los geht’s!»

Städte stimmten für die Abschaffung der Schulpflege

Für die Änderung der Aargauer Verfassung sowie des Schulgesetzes sprachen sich vor allem die Städte aus: Aarau stimmte mit 69,4 Prozent Ja, Baden mit 68,6 Prozent Ja und Zofingen immerhin mit 66,2 Prozent Ja. Am meisten Zustimmung gab es in Bergdietikon mit immerhin über 70 Prozent Ja-Stimmen. Demgegenüber steht die Gemeinde Mandach, die mit gut 70 Prozent Nein-Stimmen gegen die Abschaffung der Schulpflege stimmte.

Das Aargauer Energiegesetz ist knapp abgelehnt

Das neue Energiegesetz fand im Raum Baden grosse Zustimmung. So befinden sich Ennetbaden (68,7 Prozent), Turgi (67,2 Prozent) und die Stadt Baden selbst (66,7 Prozent) unter den Top drei der Befürworter. Danach folgt Aarau mit 64,9 Prozent Ja. Die Zurzacher Gemeinde Leibstadt, die auch für den Standort des Kernkraftwerks bekannt ist, lehnte das Energiegesetz mit 74 Prozent dagegen deutlich ab. Auch im benachbarten Schwaderloch wurden 73,7 Prozent Nein-Stimmen in die Urne gelegt.

Energiegesetz, Schulpflege, Kampfjets – so hat Ihre Gemeinde abgestimmt:

Die Karte ist aufgrund der Energiegesetz-Abstimmung eingefärbt. Alle Resultate finden Sie durch Klick auf die Gemeinden.

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