Staatswein 2014
Weinprofis testen 50 Tropfen für neuen Staatswein – und bleiben trotzdem nüchtern

Profis haben aus 92 eingereichten Weinproben die besten Aargauer Tropfen ausgesucht. Wichtig dabei ist, dass sie ihre Urteilskraft nicht beeinflusst wird. Am 20. Juni werden dann die Staatsweine 2015 in einer Finaldegustation gekürt.

Hans Lüthi
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Weinbauer Urs Gasser von Fehr & Engeli in Ueken testet mit der Nase das Bukett eines Riesling-Sylvaners.

Weinbauer Urs Gasser von Fehr & Engeli in Ueken testet mit der Nase das Bukett eines Riesling-Sylvaners.

Emanuel Per Freudiger

Konzentriert sitzen die acht Wein-Profis um einen Tisch des kleinen Speisesaals im Landwirtschaftszentrum Liebegg. Sie stehen vor der grossen Aufgabe, aus zweimal 92 eingereichten Probeflaschen in zwei Tagen die 16 besten Tropfen auszuwählen.

Daraus werden dann in der Finaldegustation am 20. Juni die Staatsweine 2014 erkoren, welche die Regierung an offiziellen Anlässen und bei Empfängen den Gästen ausschenkt.

Nach strengen Kriterien bewertet

Schon für das Mitmachen existieren strenge Kriterien: Weinbauern mit einem Siegerwein im Vorjahr sind ausgeschlossen.

Pro eingereichten Wein müssen die Produzenten 250 bis 600 Flaschen zu reellen Preisen liefern können – falls der Wein gewinnen sollte.

Damit es nachher nicht zu Streitereien kommt, müssen alle Teilnehmer den vom Rechtsdienst der Regierung ausgearbeiteten Vertrag schriftlich anerkennen.

Kann ein Mensch Dutzende von Weinen probieren, ohne dass er betrunken ist oder seine Urteilskraft abnimmt? «Ein Profi kann 50 Weine an einem Tag degustieren ohne Probleme bei der Bewertung. Aber das ist die obere Grenze», erklärt Peter Rey, Leiter der Fachstelle Weinbau auf der Liebegg.

Das geht nur, wenn jeder – noch so feine – Tropfen nach der Bewertung im Gaumen konsequent wieder ausgespuckt wird.

Ein klein wenig Alkohol nimmt der Körper dennoch auf, «im Studium ergab die Testmessung nach 50 Weinen 0,25 Promille Alkohol», betont Rey.

Bewertet wird an den zwei Tagen zwischen 9 und 12 und 13 und 16 Uhr. «Ich lege die Hand ins Feuer, dass auch der letzte Wein gleich gut bewertet wird», versichert der Rebbaukommissär.

Manchmal lässt er den gleichen Wein zweimal degustieren, um die Punkte zu vergleichen. Dann zeigt es sich, ob die Tester noch zum gleichen Ergebnis kommen.

Mitglieder der Fach-Kommission

Die Degustatoren sind Mitglieder der kantonalen AOC-Kommission, welche jedes Jahr ein Drittel der Aargauer Keltereibetriebe unter die Lupe nimmt.

Ergänzt werden sie durch die Inhaber renommierter Weinbau-Betriebe. Konkret waren gestern Urs Gasser, Peter Wehrli, Manfred Widmer, Rahel Buchmann, Andreas Meier, Guido Oeschger, Daniel Fürst und Pascal Furer im Einsatz. Heute kommt noch Michael Wetzel dazu.

In den vier Kategorien bewerten sie Riesling-Sylvaner, weisse und rote Spezialitäten sowie die normalen Blauburgunder oder Pinot Noir.

«Die Profis bewerten sehr streng, weil sie immer nach Fehlern suchen», sagt Rey. Das führe zu einer Bewertungsbandbreite zwischen 16 und höchstens 19 Punkten.

Maximal wären 20 Punkte möglich. Für diese vier Kriterien können 0 bis 5 Punkte vergeben werden: Bukett, Körper, Reintönigkeit und Gesamteindruck plus Typizität.

Bei der Blinddegustation müssen die Tester ihre Augen nicht verbinden, weil die Flaschen mit Wollstrümpfen komplett abgedeckt sind, bis auf die Öffnung oben.

Wettkampf um Spitzenqualität

Die Staatstrotte in Frick ging vor zehn Jahren ans FiBL über, die neue Staatswein-Auswahl gibt es seit acht Jahren.

«92 Weine bedeuten 184 Flaschen und eine neue Rekordzahl», freut sich Peter Rey, der mit dem Anlass zwei Wochen Organisationsarbeit verkraften muss. Gut vertreten sei dieses Jahr der Sauvignon Blanc, «der zum Modewein geworden ist».

Die vier Siegerwinzer mit den Staatsweinen 2014 können ihre Spitzentropfen mit dem Kleber Staatswein versehen, der wie eine Goldmedaille aussieht.

Erkoren werden sie an der Finaldegustation durch zwölf Laien und Profis auf der Liebegg. Der friedliche Wettkampf stärkt die Qualität der Aargauer Weine.

Die erfolgreichen Winzer müssen meist nicht lange warten, bis die entsprechenden Topweine ausverkauft sind.