Ausgefallenes Sparen
Weinlesekontrolle macht nicht mehr der Kanton – wegen 25'000 Franken

Die Regierung will bei der Traubenernte zur Eigenkontrolle wechseln. Die Kelterbetriebe müssen das ab 2015 selber organisieren. Damit soll im Aargau pro Jahr 25 000 Franken gespaart werden.

Hans Lüthi
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Bei der Ablieferung hat bis jetzt der Kontrolleur die Öchsle (Mostgewicht: Maß für den Anteil der gelösten Stoffe im Traubensaft, ein wichtiges Qualitätskriterium von Wein.), und die Anzahl Kilogramm gemessen. (Symbolbild)

Bei der Ablieferung hat bis jetzt der Kontrolleur die Öchsle (Mostgewicht: Maß für den Anteil der gelösten Stoffe im Traubensaft, ein wichtiges Qualitätskriterium von Wein.), und die Anzahl Kilogramm gemessen. (Symbolbild)

Dieter Minder

Aus der Serie der Aargauer Zeitung «Sparpaket Konkret: die Ausgefallensten Sparmassnahmen»:

Die Traubenernte wird vom Staat streng kontrolliert, alle Besitzer von Rebbergen erhalten vor der Ernte einen Traubenpass. Darin sind die Fläche des Grundstücks und die Traubensorte eingetragen.

Bei der Ablieferung in die Trotte misst der Kontrolleur nicht nur die Öchsle, sondern auch die Anzahl Kilogramm. Daraus wird ersichtlich, ob die vom Kanton festgelegten Höchstmengen auch eingehalten werden.

«Die ganze Weinlesekontrolle kostet im Aargau 50 000 Franken pro Jahr, aber die Hälfte wird durch den Bund finanziert», sagt Rebbaukommissär Peter Rey. «Verzicht auf die Kontrolle ist kein Thema, wir müssen die Daten ja an den Bund liefern», fügt Peter Rey bei. Aber die Kelterbetriebe müssten das ab 2015 selber organisieren.

40 Weinlesekontrolleure

Eine Erleichterung ist möglich, wenn der Traubenpass computerfähig wird, damit die Betriebe ihre Daten selber erfassen können. Heute beschäftigt der Kanton 40 Weinlese-Kontrolleure nach Stundenaufwand.

«Wenn der Beschluss gültig wird, müssen wir die Arbeitsverträge auflösen», präzisiert Rey. Es sei aber denkbar, dass die grösseren Betriebe die Kontrolleure übernehmen.

«Grundsätzlich habe ich zwar keine Freude an dieser Massnahme, aber wir müssen unseren Teil auch beitragen», sagt Peter Wehrli, Präsident des Branchenverbandes Aargauer Wein. Der SVP-Grossrat aus Küttigen unterstützt das volle Sparpaket, «denn wenn man einzelne Massnahmen herausbricht, fällt es wie ein Kartenhaus zusammen», betont Wehrli.

Weil der Bund die Daten brauche, stünden diese 25 000 Franken nicht zur Debatte. Wer wie viel vom Aargauer Teil bezahle, werde im Verband und bei den Weinbauern noch diskutiert. Einen Missbrauch befürchtet Peter Wehrli jedoch nicht, weil es Stichproben gebe und der Kantonschemiker Kontrollen mache.

Der Aargau sei bei den Mindestmengen schon 100 Gramm tiefer als der Bund. Aus Qualitätsgründen bewegen sich die meisten Produzenten ohnehin deutlich darunter. Bei über 50 erlaubten Traubensorten sind im letzten Jahr rund 6000 Kontroll-Wägungen durchgeführt worden.

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