Aargauer Weinjahr
Weinjahr 2013: Statt Spätlese gibt es heuer eine späte Lese

10 bis 14 Tage Rückstand, aber schöner Behang mit gesunden Trauben – dies die erste Bilanz für das Aargauer Weinjahr 2013.

Hans Lüthi
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Rebbaukommissär Peter Rey schaut auf grünliche Riesling-Sylvaner-Trauben in Oberflachs. Hans Lüthi

Rebbaukommissär Peter Rey schaut auf grünliche Riesling-Sylvaner-Trauben in Oberflachs. Hans Lüthi

Ein Augenschein in den grossen Rebbergen oberhalb von Oberflachs im Schenkenbergertal zeigt es auf den ersten Blick: Statt goldgelb und süss sind die Riesling-Sylvaner-Trauben noch grünlich und unreif. «Der Rückstand zu den frühen Vorjahren beträgt 10 bis 14 Tage», sagt der Aargauer Rebbaukommissär Peter Rey.

Vor genau zwei Jahren, Mitte September 2011, herrschte Hochbetrieb in den Trotten, die Haupternte bei den weissen Trauben war in vollem Gang. Dieses Jahr wird die Lese spät beginnen, «bei den Riesling-Sylvanern erst Ende September bis Anfang Oktober», präzisiert Rey.

Die Blauburgunder als wichtigste der über 50 erlaubten Traubensorten sind ab der zweiten Hälfte Oktober erntereif.

Warten auf sonnige Zeiten

Viele Beeren an den Blauburgundertrauben sind noch rötlich, «wir hoffen auf viel Wärme und Sonne», betont der Leiter der Fachstelle für Weinbau. Derzeit ist es tagsüber zu kalt, die Öchslewerte für den Zuckergehalt sind noch sehr tief.

Aber für jeden goldenen Herbsttag gibt es ein Öchslegrad mehr. Interessant ist diese Beobachtung von Peter Rey: «Seit dem Hitzesommer 2003 waren die ungeraden Jahrgänge immer speziell gut, bis hin zu den Jahrhundert-Jahrgängen von 2009 und 2011.» Ob sich 2013 einreiht oder zur Ausnahme wird, weiss niemand. Immerhin sind die Chancen intakt, die Trauben gesund und die Laubwände grün.

Fixes Datum für Spritztermin

Für die Abschlussbehandlung mit Spritzmitteln setzen die Bundesämter für Landwirtschaft und für Gesundheit den 20. August als fixen Termin ein. Das ist in späten Jahren problematisch, weil die Spritzmittel nur eine gewisse Zeit lang wirken.

Deshalb verlangen der Aargauer Rebbaukommissär und sein Zürcher Amtskollege jetzt eine Änderung der Vorschriften: mit Rücksicht auf die Vegetation, wie bei allen anderen landwirtschaftlichen Kulturen auch.

Wenn vor der Erntezeit ein feuchtwarmes Klima herrscht, kann sich die gefürchtete Botrytis rasch ausbreiten und einen Teil der Trauben zerstören. Bei schönem Herbstwetter besteht kein Grund zur Sorge. Abgesehen von der Verspätung präsentierten sich Rebstöcke und Trauben kantonsweit im besten Licht.

Kalter Frühling, heisser Sommer

«Es gab eigentlich gar keinen Frühling», fasst Peter Rey das jämmerliche Wetter bis Mitte Juni zusammen. Die Blütezeit verzögerte sich um drei Wochen, in tiefen und frühen Lagen kam es zur Verrieselung. Der heisse Sommer machte nur einen Teil des Rückstandes wett. Dank Wärme und Trockenheit trat der falsche Mehltau nicht auf, gegen den echten Mehltau mussten Spritzmittel eingesetzt werden.

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