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Weinbauern alarmiert: Folgt nach der Kirschessig-Fliege jetzt der Killer-Käfer?

Nach der Kirschessig-Fliege Plage sorgt nun die neue Vergilbungskrankheit, Flavescence dorée, für Angst und Schrecken bei den Weinbauern. (Symbolbild)

Nach der Kirschessig-Fliege Plage sorgt nun die neue Vergilbungskrankheit, Flavescence dorée, für Angst und Schrecken bei den Weinbauern. (Symbolbild)

Sind jetzt Killer-Käfer im Anmarsch? Rebbaukommissär Peter Rey warnt vor neuen Attacken auf die Rebstöcke. Er mahnt die Weinbauern zur Achtsamkeit und zur raschen Alarmierung bei Auftreten von Schäden.

Das harmonische Frühjahrstreffen im Hotel Krone Lenzburg wollte der Referent eigentlich nicht stören. Der Vortrag von Rebbaukommissär Peter Rey über neue Krankheiten mit dramatischen Folgen kam erst nach dem Nachtessen, sonst wäre wohl manchem Rebbauern der Bissen im Halse stecken geblieben.

Denn nach zwei harten Jahren mit teils grossen Ausfällen durch die Kirschessigfliege (KEF) und das Bayer-Spritzmittel Moon Privilege sind neue Krankheiten auf dem Vormarsch. Symptome der schon bekannten Schwarzholz-Krankheit sind Blätter, die sich vom Rand her schwarz-rot verfärben. Davon nicht zu unterscheiden ist die neue Vergilbungskrankheit Flavescence dorée, die sich bereits im Tessin und im Waadtland ausbreitet.

Befallene Stöcke vernichten

Peter Rey richtete einen dringenden Appell an die Rebbauern, ihn beim Auftreten der Schäden zu alarmieren. Dann könne er eine Blattprobe an die Forschungsanstalt Agroscope in Changins senden, denn «ob es sich wirklich um die aggressive Krankheit handelt, lässt sich nur im Labor klären». Bisher gab es jeweils Entwarnung, aber bei der heutigen Mobiliät sei es wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch unsere Regionen betroffen seien.

Die von einem nur 4 bis 6 Millimeter kleinen Käfer übertragenen Bakterien der Flavescence dorée haben dramatische Folgen: Das Bundesamt für Landwirtschaft ordnet die Vernichtung der Rebstöcke an. «Bei einem Befall von über 15 Prozent mussten im Tessin die ganzen Parzellen zerstört werden», erklärte Rebbauer Andreas Meier aus Würenlingen. «Wir leben schon ein bisschen auf einem Pulverfass», meinte der bekannte Winzer weiter.

Bei der schon den Römern bekannten Pilzkrankheit Esca werden nur einzelne Rebstöcke befallen. Hier verfärben sich die Blätter gelb, die Stöcke sterben ab. Nun habe ein Biologe einen Schimmelpilz entdeckt, der sich als Gegenmittel eigne. «Die Natur ist phänomenal», meinte Rey und verband damit die Hoffnung, dass auf Schädlinge wieder Nützlinge folgen.

Die Weinbauern können auch aufmüpfig sein, wenn ihnen der Kragen platzt. Vom gesamten Beitrag in der Höhe von 8000 Franken an den Branchenverband Deutschschweizer Weinbau hat der Aargau einen Betrag von 7000 Franken auf ein Sperrkonto gestellt.

7000 Franken auf Sperrkonto

Der Aargauer Verbandspräsident Peter Wehrli begründet das mit der fehlenden Unterstützung bei der Auseinandersetzung um das Spritzmittel Moon Privilege. Im Kampf um Entschädigung gegen den Chemiekonzern Bayer müsse der Aargauer Verband die ganze aufwendige und teure Arbeit selber machen.

Jetzt wolle man den Schweizer Verband bewusst unter Druck setzen. Derzeit laufen im Kanton intensive Verhandlungen, um die leidige Sache endlich erledigen zu können. Gute News gibt es derweil aus den Rebbergen, die Vegetation hat 14 Tage Vorsprung. Durch eine Überwachung mit Fallen klärt die Zentralstelle für Weinbau, wie sich die Kirschessigfliege dieses Jahr entwickelt. Eine Prognose ist unmöglich.

Roland Brogli als Ehrenmitglied

Einen unerwarteten Höhepunkt gab es nach der Abwicklung der statutarischen Geschäfte: Mit Standing Ovations wurde Regierungsrat Roland Brogli zum Ehrenmitglied des Branchenverbandes Aargauer Wein ernannt. Peter Wehrli lobte den steten Einsatz des Finanz- und Landwirtschaftsdirektors, der auch die Staatswein-Degustation zur Förderung der Qualität ins Leben gerufen hat. Vom langen und herzlichen Applaus war Brogli sichtlich gerührt.

Seine launige Ansprache nach der Überreichung der Ehrenmitglieds-Urkunde reichte bis zu den alten Griechen zurück, dies mit dem Fazit, der Wein sei ein Göttergeschenk. Brogli will auch in Zukunft zu den Weinbauern kommen, «aber dann brauche ich einen Chauffeur», meinte er augenzwinkernd.

Die weiteren Geschäfte: Gemäss Kassier Michael Wetzel sank das Eigenkapital auf 73 545 Franken, durch einen Verlust von 950 Franken in der Jahresrechnung. Als neues Vorstandsmitglied wurde Roland Michel aus Wettingen einstimmig gewählt. Werbeleiter Marcel Suter zählte die Grossanlässe auf, an denen Aargauer Wein ausgeschenkt wird. Am 11. Juni tagt in Lenzburg die Schweizerische Vereinigung der Weinfreunde. Das nutzen die Aargauer für eine öffentliche Degustation.

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