«Es ist noch zu früh, um eine abschliessende Bilanz über das Weinjahr 2018 zu ziehen», sagt Urs Podzorski, der Fachspezialist Weinbau beim Kanton. Wie gut der Wein werde, wisse man letztlich immer erst, wenn man ihn probiert habe. «Was sich aber sicher sagen lässt: 2018 wird ein sehr guter Jahrgang, vergleichbar mit den Jahren 2003 und 2015», sagt Podzorski, der im Frühling die Nachfolge des langjährigen Aargauer Rebbaukommissärs Peter Rey angetreten hat. Nicht nur die Qualität des Aargauer Weines dürfte laut Podzorski sehr gut sein, auch der Ertrag war nach den Problemen mit dem Frost im letzten Jahr heuer deutlich höher und über dem langjährigen Schnitt.

«Die Trauben sind sehr gesund, es war eine echte Freude, das bei der Lese zu sehen», sagt Podzorski. Wegen des warmen und trockenen Wetters im Rebjahr 2018 haben die Winzer im Aargau drei Wochen früher als üblich mit der Traubenlese begonnen. «Jetzt sind bereits fast alle Trauben im Keller, und es ist erst Anfang Oktober», hält der Weinbau-Experte fest. Und es wurden sehr hohe Öchslewerte gemessen, über alle Traubensorten sind es im Kantonsschnitt 96 Öchsle, beim Blauburgunder sind es 105, beim Riesling-Sylvaner 83.

Könnte man nicht noch höhere Werte erreichen, wenn man die Trauben später erntet? «Obwohl das Wetter zuletzt noch schön und warm war, würde es wenig Sinn machen, die Trauben noch länger an den Stöcken hängen zu lassen», sagt Podzorski. Dies gelte insbesondere für den Weisswein, die Kunst des Winzers besteht ja darin, eine Balance aus Säure, Alkohol und Weichkomplexen zu finden. «Wenn die Trauben zu viel Zucker enthalten, wird es schwieriger, einen spritzigen Weisswein zu keltern.» Und beim Rotwein sei dieses Jahr ohnehin schon genug Zucker in den Beeren. «Wenn man sie noch länger hängen lässt, verlieren sie Saft und beginnen einzutrocknen.»

Rebe hält Trockenheit aus

Für viele landwirtschaftliche Kulturen war die grosse Trockenheit ein Problem. Wie haben die Reben darauf reagiert? «Es gab vereinzelte Lagen mit jungen Pflanzen in sandigen Böden, wo die Reben bewässert werden mussten, da sie sonst unter der Trockenheit gelitten hätten», erklärt Podzorski. Doch über die Jahre bilde die Rebe ein weitreichendes Wurzelwerk im Boden, um an Wasser zu gelangen. Daher sei sie sehr robust und widerstandsfähig. «Dadurch und dank den lehmigen Juraböden im Aargau, die das Wasser über eine längere Zeit zu speichern vermögen, vermag die Rebe solch trockene und heisse Sommer auszuhalten.»