Es habe Mut gebraucht, die Titelgeschichte abzudrucken, sagt Annegret Ruoff, Chefredaktorin von «reformiert. Aargau», auf Anfrage.

In der Dezember-Ausgabe der evangelisch-reformierten Zeitung ist die Weihnachtsgeschichte zu lesen - verfasst im Balkan-Slang.

So lautet die Schlagzeile: «Reschpäckt vörs Gott do obe...».

Und weiter sind Sätze zu lesen wie: «Ond wos aacho send ems Bethlehem, hett Maria gworfe ond en Chreppe gläit», oder «Ey, ond muesch luege, chont Ängel verbii bems ene ond faart ene voll krass ii ond si händ voll Schess e de Hose.»

Viele positive Leser-Reaktionen

Die Courage habe sich ausbezahlt, sagt Ruoff: Die Redaktion habe viele Reaktionen von Lesern entgegennehmen dürfen - ausschliesslich lobende und positive.

«Wir hatten befürchtet, es gäbe Leser, welche den Artikel als respektlos erachten würden. «Denn die Weihnachtsgeschichte zählt mit zu den wichtigsten der Bibel überhaupt.»

Die Sprache, in der die Weihnachtsgeschichte verfasst ist, sei kein Scherz der Redaktion, sondern die Wiedergabe in einem Idiom, das weite Verbreitung gefunden habe, erklärt Ruoff.

Balkan-Slang auch von Schweizern genutzt

Der Balkan-Slang habe die von Anglizismen geprägte Strassensprache der Neunziger abgelöst. Die Verwendung von grammatikalisch falschen Sätzen werde auch von Schweizer Jugendlichen genutzt, um sich von der Erwachsenenwelt abzugrenzen.

Die Redaktion sei auf der Suche gewesen nach einer spannenden Titelstory zu Weihnachten. «Wir wollten unsere Leser überraschen, das ist uns gelungen.»

Der Autor der aussergewöhnlichen Weihnachtsgeschichte ist Etrit Hasler - Journalist und SP-Kantonsrat in St.Gallen und einer der Pioniere der Schweizer Slam-Poeten.

Der Sohn eines Albaners und einer Schweizerin sagt, von den vielen positiven Reaktionen habe ihn am meisten diejenige eines EVP-Politikers gefreut, der die Tondatei anforderte, um sie an Weihnachten seiner Familie vorspielen zu können. (nch)

Weihnachtsgeschichte im Balkan-Slang

Weihnachtsgeschichte im Balkan-Slang