Windisch

Wegen Weiterbildungen fällt der Unterricht aus - das geht gar nicht, sagt die Bildungsdirektion

Wenn sich die Lehrer weiterbilden bleibt die Schule leer.

Wenn sich die Lehrer weiterbilden bleibt die Schule leer.

Der Unterricht an der Schule Windisch fällt zweimal an einem Mittwoch aus. Grund: Weiterbildung für die Lehrpersonen. Der Umgang mit schulfreien Tagen ist von Bezirk zu Bezirk anders.

Seit dem Schuljahr 2017/2018 gilt im Aargau, dass die Weiterbildung für Lehrpersonen nur noch in der unterrichtsfreien Zeit stattfinden darf. Vorbei also die Zeiten, als mehrmals im Jahr an einzelnen Tagen die Schülerinnen und Schüler zu Hause bleiben konnten, weil die Lehrpersonen für einmal nicht selber unterrichteten, sondern interne Weiterbildungen absolvierten.

Doch noch halten sich nicht alle Schulen an die neue, vom Grossen Rat verlangte und durchgesetzte Vorgabe. So meldete das Regionaljournal AG/SO, dass an der Schule Windisch an einem Mittwoch im September und im Oktober die Schule gleich zweimal einen Tag lang ausfällt, weil die Lehrpersonen genau das tun, was sie eigentlich jetzt nicht mehr dürfen: Sie bilden sich weiter, statt zu unterrichten..

Höchstens drei Tage

Die Verordnung des Bildungsdepartements scheint klar: Die Schulpflege kann maximal drei einzelne Tagen pro Schuljahr für schulfrei erklären. Dies gilt für lokale Feiertage, zum Semesterwechsel oder an Brückentage. Diese Kompetenztage dürfen auf Halbtage aufgeteilt werden. An den Kompetenztagen kann die Schulpflege die Lehrpersonen zur Teilnahme an speziellen Schulveranstaltungen verpflichten. Als Brückentage gelten Arbeitstage, die vor oder nach einem Feiertag sowie einem arbeitsfreien Tag liegen.

Daraus folgt: Die beiden Kompetenztage, welche die Schulpflege Windisch zweimal am Mittwoch einschalten will, sind nicht zulässig, es sind keine Feiertage, und keine Brückentage, und es geht auch nicht um einen Semesterwechsel.

«Es war zwar nicht beabsichtigt, aber ich bin gar nicht unglücklich, dass wir mit unserer geplanten Weiterbildung jetzt die Diskussion um Regelung der schulfreien Tage in Gang gebracht haben», sagte der Windischer Schulleiter Philipp Grolimund. Er plädiert dafür, dass der Kanton den Schulpflegen vor Ort einen gewissen Ermessensspielraum zugesteht, wann und wofür sie die Kompetenztage einsetzen.

«Vielleicht hätten wir den Anlass nicht Weiterbildung, sondern besser Teamentwicklung nennen sollen», sagte Grolimund, denn genau darum geht es an de beiden Tagen.»

Bezirk Brugg benachteiligt

Grundsätzlich sei es eine anspruchsvolle Aufgabe, passende Tage für die Weiterbildungen der Lehrpersonen ausserhalb der Unterrichtszeit zu finden. Und da wäre etwas Spielraum in der Handhabung der Weiterbildungsverordnung äusserst hilfreich.
Weiter verwies Grolimund auf eine Benachteiligung einiger Bezirke, was Feiertage und schulfreie Tage betrifft.

So gelten etwa im Bezirk Muri Fronleichnam, Maria Himmelfahrt, Allerheiligen und Maria Empfängnis als Feiertag und die Kinder haben schulfrei. Im Bezirk Brugg aber herrscht an diesen Tagen schulischer Normalbetrieb. Mehr noch: Die Schulpflegen im Bezirk Muri können gemäss Verordnung vor oder nach diesen Feiertagen einen Kompetenztag einschalten; die Schulen im Bezirk Brugg können das ohne Feiertag nicht.

Auch dieser Umstand mache es schwierig, überhaupt noch Kompetenztage zu finden, sagte Grolimund. «Es wäre an der Zeit, dass hier der Kanton für alle Bezirke die gleichen Voraussetzungen schafft», wünscht er sich.

Wird die geplante Weiterbildung in Windisch trotzdem und wie geplant durchgeführt? «Wir gehen über die Bücher», sagte Grolimund. Was aber bereits geregelt sei: Für Schülerinnen und Schüler, die an den beiden schulfreien Tagen eine Betreuung brauchten, stehe ein Angebot zur Verfügung.

Simone Strub, Leiterin Kommunikation beim Bildungsdepartement, erklärte, man erwarte, dass sich die Schule Windisch an die geltenden Regeln halte. Und was geschieht, wenn die Schule Windisch an ihrer Weiterbildung zur Unzeit festhält? «Das wird die Schulaufsicht entscheiden, falls die Weiterbildung tatsächlich an den beiden Tagen stattfinden sollte», erklärte Strub.

Neben Windisch seien der kantonalen Schulaufsicht auch einige weitere Schulen bekannt, bei denen schulfreie Tage aufgrund Weiterbildung im Terminplan ausgewiesen sind. Die Schulaufsicht stehe mit diesen Schulen in Kontakt, damit die Verordnungen korrekt umgesetzt werden.

Verwandtes Thema:

Autor

Jörg Meier

Jörg Meier

Meistgesehen

Artboard 1