Bei den Familiengerichten stapeln sich die Dossiers. Im Januar erst nahmen sie ihren Betrieb auf, die Arbeitsbelastung war von Anfang an hoch. Es war nicht das einzige Problem. Hinzu kam eine Software, die mehr nervte als half. «Man sitzt vor dem Bildschirm und wartet, bis die Buchstaben endlich auf dem Bildschirm erscheinen», sagte ein Betroffener im April.

Nun hat die Justizleitung die Übung abgebrochen und beschlossen, dass die Dossiers am Familiengericht ab sofort mit der Software «Juris» verwaltet werden, wie das Regionaljournal Aargau Solothurn berichtete. «Juris» ist allerdings keine neue EDV-Lösung, sondern die Software, die alle Aargauer Gerichte bereits seit Jahren verwenden.

Weil nun aber die Dossiers nicht vom einen ins andere Programm übertragen werden können, mussten dafür 15 Mitarbeiter angestellt werden, die ab dieser Woche von Hand die Dossiers abtippen – es sind insgesamt 10 000.

Kostenpunkt: 150 000 Franken

Was ist schiefgelaufen? «Nichts», sagt Nicole Payllier, Leiterin Kommunikation der Gerichte. Als Ende 2012 die Dossiers von den Vormundschaftsbehörden der einzelnen Gemeinden an die Familiengerichte übertragen werden mussten, habe diese Standard-Software einen reibungslosen Ablauf garantiert. «Die Übertragung der Dossiers wäre mit der Software ‹Juris› nicht möglich gewesen», so Payllier. So weit, so gut. Nur: Aus dem Bezirksgericht Aarau hiess es im April, dass dieses EDV-System überhaupt nichts tauge.

Nicole Payllier hingegen sagt heute: «Von Fehlern des Entwicklers oder Mängeln kann nicht gesprochen werden.» Es hätten sich schlicht «familiengerichtsspezifische» Bedürfnisse ergeben. «Bei der Einführung der Familiengerichte konnte noch niemand wissen, welche Bedürfnisse entstehen werden.»

Überraschend nur, dass das Bedürfnis am Familiengericht ausgerechnet dem EDV-System entspricht, das bereits in allen anderen Bereichen der Aargauer Gerichte seit längerer Zeit verwendet wird. Die Sprecherin der Gerichte sagte dazu: «Die Umstellung auf ‹Juris› ermöglicht eine Gesamtlösung mit einer einzigen Software. Doppelspurigkeiten werden damit vermieden.»

Rückblickend stellt sich die Frage, ob die Dossiers nicht besser von Hand in das bewährte System Juris übertragen worden wären – ohne Umweg über das Spezialprogramm. Sparpotenzial: rund 150 000 Franken. So viel hat die ungeliebte Software gekostet. Dazu sagt Nicole Payllier: «Nach dem damaligen Wissensstand war es die richtige Lösung.»

Franz Hollinger, Präsident der grossrätlichen Justizkommission, sagt zum Software-Wechsel: «Wenn alles abgeschlossen ist, werden wir genau wissen wollen, wie es abgelaufen ist.»