«Wenn dieser Salat kein Wasser bekommt, ist er morgen verdorrt»: Christoph Barmettler, Gemüsebauer Ammerswil

«Wenn dieser Salat kein Wasser bekommt, ist er morgen verdorrt»: Christoph Barmettler, Gemüsebauer Ammerswil

Ein weiteres Wasserentnahmeverbot verschärft die Lage der Bauern in der Region. Kann das Gemüse nicht mehr bewässert werden, verdorrt es. (24.7.2018)

Seit Mitte Juli dürfen Landwirte kein Wasser mehr aus Aargauer Bächen entnehmen. Darunter die Sissle, die Bünz oder die Wyna. Grund dafür sind die Trockenheit und die zu geringen Abflussmengen der Bäche. Nun müssen die Landwirte Wasser von den Gemeinden beziehen – meist ab Hydrant. «Der Wasserbezug ist teuer – vor allem, wenn die Gemeinden den Landwirten auch die Abwassergebühren in Rechnung stellen», sagt Ralf Bucher, Geschäftsführer des Bauernverbands Aargau. So steht im letzten Newsletter des kantonalen Bauernverbands: «Die Gemeinden dürfen in keinem Fall Abwassergebühren verrechnen.»

Doch die Realität sieht anders aus: Die meisten Ortschaften im Aargau stellen die Abwassergebühren zusammen mit den Gebühren fürs Frischwasser in Rechnung. «Aber Wasser, welches die Landwirte von den Hydranten beziehen, wird für das Bewässern der Felder genutzt. Es fliesst also gar nicht ins Abwassernetz, sondern versickert im Boden», so Ralf Bucher. Er sehe keinen Sinn darin, dass die Bauern Abwassergebühren zahlen sollen.

Via Gesuch zum Gebührenerlass

Wohlen ist eine der Gemeinden, die die Abwassergebühren mit dem Frischwasserpreis verrechnet. Momentan kostet das Trinkwasser Fr. 1.38 pro 1000 Liter, das Abwasser Fr. 1.50 – in der Rechnung steht also ein Preis von knapp 3 Franken. Laut Simon Trottmann, Projektleiter Tiefbau der Gemeinde Wohlen, können Landwirte, die den Abwasserpreis nicht zahlen wollen, ein Gesuch an den Gemeinderat stellen.

Die Bauern müssen aber nachweisen, dass das bezogene Wasser tatsächlich nicht in das Abwassernetz fliesst. «Der Erlass von Abwasserbenützungsgebühren im Zusammenhang mit der Bewässerung von Kulturen wird von uns grösstenteils unterstützt. Die Landwirte brauchen das Wasser zur Erwirtschaftung ihres Lebensunterhaltes», so Trottmann. Bis jetzt sei ein Gesuch auf der Gemeinde eingegangen und bewilligt worden.

Unterstützung vom Kanton

Doch was passiert, wenn sich eine Gemeinde querstellt und den Bauern die Gebühren nicht erlassen will? Laut Ralf Bucher hat sich der Bauernverband mit dem Kanton in Verbindung gesetzt und um Unterstützung ersucht.

Das Anliegen stiess bei Jörg Kaufmann, Sektionsleiter Abwasserreinigung und Siedlungsentwässerung des Departements Bau, Verkehr und Umwelt, auf offene Ohren: «Auch aus Sicht des Kantons ist es nicht richtig, wenn den Landwirten für den Bezug ab Hydrant Abwasserkosten in Rechnung gestellt werden.» Kaufmann hat sich bereit erklärt, auf Anfrage mit den Gemeinden zu reden, zu argumentieren und ihnen die Situation der Landwirte zu erläutern. «Bis jetzt sind aber noch keine Anfragen eingegangen», so Kaufmann.