Fricktal
Wegen Trockenheit: Aus Sissle dürfen Bauern kein Wasser mehr abpumpen

Die Hitzewelle und die seit langem andauernde Trockenheit hat die Pegelstände der Fliessgewässer stark zurückgehen lassen. Im Kanton Aargau sind Wasserentnahmen aus mehreren kleineren und mittleren Bächen mittlerweile verboten.

Nadja Rohner
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Gewässer ohne Wasser: Das droht den Aargauer Bächen.

Gewässer ohne Wasser: Das droht den Aargauer Bächen.

Keystone

Die Hitze fordert im Aargau ihren Tribut: Seit Donnerstag darf in den Wäldern nicht mehr gefeuert werden, ab Freitag sind auch Wasserentnahmen aus kleinen Flüssen und Bächen teilweise verboten. Dies teilt das Departement Bau, Verkehr und Umwelt mit. Auch im Hitzesommer 2003 und im Mai 2011 hatte der Kanton ein solches Wasserentnahmeverbot verhängt. Der Grund: Sinkende Pegel und steigende Wassertemperaturen bedrohen sämtliche Wasserlebewesen.

Laut Simon Werne von der kantonalen Abteilung Landschaft und Gewässer ist vorerst lediglich die Sissle mit all ihren Zu- und Nebenflüssen betroffen. «In diesem Gebiet gibt es vier Betriebe, die eine langfristige Wasserentnahmebewilligung haben», sagt Werne. Diese müssen nun eine andere Wasserquelle für ihre Kulturen finden – private Teiche oder das kommunale Trinkwassernetz zum Beispiel.

Wenn die niederschlagsarme Hitzeperiode anhält, muss das Wasserentnahmeverbot nach und nach auf weitere Aargauer Gewässer ausgedehnt werden. Besonders prekär ist die Situation auch bei der Surb und beim Köllikerbach. Dort darf momentan noch Wasser abgepumpt werden, allerdings höchstens noch ein paar wenige Tage – ausser, es fallen demnächst grosse Niederschläge. «Es sieht allerdings nicht danach aus», sagt Simon Werne.

Beim Kanton ist man sich bewusst, dass der Entnahmestopp für einzelne Bauern, Gemüseproduzenten und Gärtnereien einschneidend ist. Insgesamt haben 194 Aargauer Betriebe eine Langzeitbewilligung für die Wasserentnahme aus öffentlichen Gewässern. «Die meisten Grossbetriebe beziehen ihr Wasser allerdings aus Aare, Reuss, Limmat oder Rhein», so Werne. Bis auch für diese Flüsse ein Entnahmeverbot verhängt würde, dürfte es noch mehrere Wochen dauern. In Ausnahmefällen werden hier auch noch zeitlich befristete Entnahmebewilligungen ausgestellt, bei allen anderen Flüssen und Bächen nicht mehr.

Gemüseproduzenten müssen mit dem Wasser haushalten

Wie sehr gerade ein Gemüsebaubetrieb von der Wasserversorgung abhängig ist, erklärt Christian Wohler, Fachspezialist für Gemüse und Beeren beim Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg. Weil Pflanzen hauptsächlich aus Wasser bestehen, sei dieses entscheidend für Grösse, Gesundheit, Wachstum und Qualität. Angesichts der Qualitätsansprüche im Gemüsebau müssen die Produzenten Trockenphasen durch gezielte Bewässerung kompensieren.

«Der ganze Lager- und Frischgemüsebetrieb ist betroffen», sagt Wohler. Die Erde sei an der Oberfläche sehr trocken. «Bei Salatkulturen, deren Wurzeln nicht tief reichen, ist die Bewässerung beispielsweise besonders wichtig. Aber auch frische Pflanzungen müssen die ersten zwei Tage zwingend genügend Wasser erhalten.» Ansonsten könne es grosse Ausfälle geben.

Bei den Beeren sind es laut Wohler derzeit vor allem die Brom- und Himbeeren und Heidelbeeren, die Wasser benötigen: «Bei extremer Hitze ist eine Bewässerung sowohl über die Wurzeln als auch über das Blatt notwendig um die Pflanzentemperatur zu minimieren – also um die Pflanze zu kühlen», sagt der Experte.

Kann ein Betrieb seine Kulturen einige Tage lang nicht ausreichend bewässern, drohen Qualitätseinbussen, die zum Verlust einer ganzen Ernte führen können. «Ein lampiger Salat findet keine Abnehmer am Markt», sagt Wohler.

Dass man mit der Ressource Wasser verantwortungsbewusst umgehen muss, wissen auch die Bauern: «Die aktuelle Situation erfordert, dass sich die gesamte Landwirtschaft gegenseitig beim Bewässern hilft - was sehr gut funktioniert», sagt Christian Wohler.

Die Bewässerung der Kulturen sei auf ein Minimum gesenkt worden, von einer optimale Bewässerung müssen die Produzenten derzeit absehen. Um die Verdunstung zu minimieren, wird wenn möglich nicht bei starker Sonneneinstrahlung bewässert. «Die Ertragssicherung steht im Vordergrund», sagt Christian Wohler.

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