Mitte 2018 hat das Industrieunternehmen General Electric (GE) angekündigt, dass der Standort Oberentfelden aufgehoben wird. 50 Stellen sollten gestrichen, die restlichen 500 nach Birr verlegt werden. Im Frühling hätte die Züglete stattfinden sollen. Doch daraus wird vorerst nichts: Radio SRF meldet, dass die Firma am Standort Oberentfelden festhalten will. Doch: «Der Umzug wird nicht gestoppt, sondern der Prozess nur verlangsamt», schreibt GE auf Anfrage der AZ. Ende 2019 werde die Situation neu bewertet. Die «markant gestiegene Fabrikauslastung» in Oberentfelden habe GE zu diesem Entschluss bewogen. Zwar würden die am Umzug beteiligten Arbeitsgruppen weiterhin eng zusammenarbeiten, «zum heutigen Zeitpunkt werden wir jedoch keine neuen Investitionen in Zusammenhang mit diesem Schritt tätigen.»

Optimismus in Oberentfelden

Dass die Schliessung jetzt gestoppt ist, freut den Gemeindeammann von Oberentfelden, Markus Bircher. Die Hoffnung, dass GE ganz am Standort Oberentfelden festhalten wird, sei da: Die derzeit gute Auftragslage könnte schliesslich mittelfristig bestehen bleiben, hofft Bircher. Aber: «Wir machen uns natürlich nichts vor. Es kann auch ganz anders kommen». Schon die angekündigte Schliessung habe ihn nicht sonderlich überrascht: «Ich glaube nicht, dass sich ein Entscheidungsträger in den USA darüber Gedanken macht, ob GE in Oberentfelden oder in Birr Leute beschäftigt. Wenn Synergien genutzt werden können, wird das auch gemacht», sagt er. Er habe den im letzten Juni angekündigten Zeitplan von GE für den Umzug allerdings als sportlich betrachtet. «Wir haben den Stopp vielleicht kommen sehen. In der vorgesehenen Zeit hätten sie die Schliessung kaum geschafft.»

Die Gemeinde hat seit der Ankündigung von GE, dass sie den Standort Oberentfelden schliessen will, versucht, andere Unternehmungen im Werk unterzubringen. «Wir hatten Interessenten, konnten aber keine Zusagen machen, weil wir nicht wussten, wann genau GE auszieht. Es war und ist alles sehr vage», sagt der Ammann. Bircher gibt sich jedoch optimistisch: «Es bringt nichts, jetzt die Faust im Sack zu machen. Wir schauen vorwärts und werden eine gute Lösung finden».

In Birr ist man ob der Planänderung von GE «etwas enttäuscht». Gemeindeammann René Grütter hat durch den Bericht von Radio SRF erfahren, dass das Werk in Oberentfelden vorerst nicht geschlossen wird und darum die 500 Stellen nicht nach Birr verlegt werden. Gemeindevertreter von Birr haben mit GE einen auf Mitte Februar angesetzten Termin, dann würden sie wohl im Detail informiert, sagt Grütter. «Wir werden danach hoffentlich mehr wissen.» General Electric habe bereits Baugesuche für die Standorterweiterung in Birr eingereicht, sagt der Gemeindeammann. Er geht davon aus, dass der neue Entscheid momentan keine Auswirkungen auf das Werk in Birr hat und der Status quo erhalten bleibe. «Wir sind gespannt, was Ende Jahr passiert», sagt er.

Steigende Nachfrage

Der Umsatz von GE ist im vergangenen Jahr im gesamten Energiegeschäft eingebrochen. Letzte Woche hat das Unternehmen die Zahlen 2018 präsentiert, die zeigen, dass die Einnahmen um 22 Prozent zurückgegangen sind. Es gab einen Verlust von 0,8 Milliarden Dollar. Dennoch geht es dem Standort Oberentfelden gut — wie lässt sich dieser Widerspruch erklären? Das Werk konzentriere sich gegenwärtig «voll und ganz» auf die Leistungserbringung für die Grid Solutions Kunden, teilt GE mit. Das Unternehmen verfüge über «eine Reihe von Geschäftsbereichen, die den Energiesektor tangieren und jeweils unterschiedliche Marktdynamiken und regionale Triebkräfte aufweisen.»

Das Werk in Oberentfelden liefert Komponenten für den Stromnetzsektor, hauptsächlich für die Regionen Europa, Mittlerer Osten, Nordafrika und die Türkei. «Der Anstieg der Auslastung ist auf die steigende Nachfrage im Markt der erneuerbaren Energien in Europa und der ganzen Welt zurückzuführen», erklärt GE die Diskrepanz zwischen den letzten Jahreszahlen und der Auslastung im Aargau.

«Positiv zu werten»

Beim Kanton war man von der Nachricht, dass GE Oberentfelden vorerst nicht verlassen wird, nicht überrascht. «Der Kanton steht in regelmässigem Kontakt mit der Führung von GE. Angesichts der guten Marktlage von GE in Oberentfelden, war es schon seit längerer Zeit eine offene Frage, ob der Umzug nach Birr verschoben werden sollte», sagt Samuel Helbling, Leiter Kommunikation des Departements Volkswirtschaft und Inneres. Es sei denn für den Kanton auch positiv zu werten, dass der Standort von GE in Oberentfelden gut ausgelastet ist.